Ausland
Beben konnte nicht vorhergesagt werden
Von Daniel Bächtold. Aktualisiert am 06.04.2009
Italien liegt an der Nahtstelle zwischen der afrikanischen und der eurasischen Platte. Unvorstellbare Kräfte prallen da aufeinander und lassen die Erde erzittern. Immer wieder kommt es in Italien deshalb zu verheerenden Erdbeben. Das letzte ereignete sich in der Nacht auf Montag nahe der Stadt L’Aquila im Apennin.
Das Beben mit einer Stärke von 5,8 passierte kurz nach halb vier Uhr in einer Tiefe von lediglich zehn Kilometern. Es sei die Folge eines für die Gegend normalen Faltungsprozesses, meldete der amerikanische Erdbebendienst USGS.
Rund um L’Aquila liegen viele aktive Störungszonen. Entlang dieser Verwerfungen kann es im Fall eines Bebens zu Bodenverschiebungen von wenigen Zentimetern bis einigen Metern kommen. Dennoch leben immer mehr Menschen dort. Erst kürzlich meldeten Forscher der italienischen Umweltschutzbehörde Ispra, dass die langsam ausufernden Vororte von L’Aquila inzwischen über dem Hauptbruch nördlich der Stadt liegen würden. Insgesamt 2,7 Prozent der Neubauten in städtischen Gebieten wurden in Italien zwischen 1990 und 2000 innerhalb seismischer Störungszonen errichtet.
Die Gegend rund um L’Aquila wurde seit Anfang Januar immer wieder von kleineren Beben erschüttert. Dennoch war es nicht möglich, das verheerende Beben von Sonntagnacht vorherzusagen. Der Grund: «In der Regel klingen solche Bebenserien wieder ab, ohne dass etwas passiert», sagt der Seismologe Florian Haslinger vom Schweizerischen Erdbebendienst.
Radonmessungen bringen nichts
Auch Radonmessungen würden nicht weiterhelfen, meint Haslinger. Gemäss Medienberichten hätte ein italienischer Seismologe bereits vor einem Monat ein grösseres Beben angekündigt. Er hätte seine Vorhersagen aufgrund von Radonemissionen gemacht. Zwar sei es richtig, so Haslinger, dass während und auch noch nach einem Erdbeben das radioaktive Edelgas Radon verstärkt aus dem Erdinnern austreten würde. Eine genaue Vorhersage liesse dieses Phänomen aber nicht zu. «Wissenschaftlich ist diese Methode nicht akzeptiert», sagt der Zürcher Forscher.
Noch ist es nicht möglich, die Bevölkerung vor einem Erdbeben zu warnen. Die Zusammenhänge zwischen dem, was die Wissenschaftler auf der Erdoberfläche messen und den Vorgängen im Untergrund sind noch zu wenig verstanden. Es bleiben deshalb nur Risikokarten, die eine allgemeine Gefährdung zeigen. Haslinger hat aber die Hoffnung noch nicht aufgegeben: «Mit noch mehr Daten sollten wir dereinst die Zusammenhänge erkennen können.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 06.04.2009, 21:12 Uhr





