Beeindruckt von Falcianis Intelligenz

Die Ex-Komplizin des HSBC-Informatikers und Datendiebs Hervé Falciani erzählt erstmals ihre Version der Geschichte.

Einziges erhältliches Bild von Georgina Mikhael.

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In einem Interview mit der französischen Zeitung «Le Monde» hat sich erstmals Georgina Mikhael zum Datendiebstahl bei der Genfer Filiale der Bank HSBC (HSBA 69.2 -0.14%) geäussert und frühere Versionen dementiert. Die 34-jährige frankolibanesische Doppelbürgerin spielte bisher die «Arbeitskollegin» und «Geliebte» von Hervé Falciani, dem Datendieb. Nun erklärt sie, dass sie erstens nicht dessen Mätresse gewesen sei und dass es zweitens nicht ihre Idee war, die gestohlenen Daten vier Banken im Libanon zum Kauf anzubieten, wie Falciani behauptet. Der Informatiker glaubt auch, dass libanesische Geheimdienstagenten im Spiel gewesen seien.

«Er hat mich manipuliert, wie er nun auch den französischen Staat manipuliert», erzählt die junge Frau. Sie hält sich im Libanon auf, beteuert aber, sie sei nicht vor der Justiz geflohen wie Falciani. In den nächsten Wochen werde sie einer Vorladung der Schweizer Justiz folgen, die sie erneut vernehmen wolle. Kennen gelernt hat sie Falciani 2006. Sie arbeiteten bei der HSBC nicht in derselben Abteilung. Sie war beeindruckt, wie sie sagt, von Falcianis Intelligenz. Zuweilen sahen sie sich auch in der Freizeit. Er habe ihr vorgeschlagen, eine Firma zu gründen, in der sie das Marketing betreuen würde. Er zeigte ihr, wie er dank eines Suchmotors Kundendaten im Internet sammeln und damit Kundenprofile mit den genauen Vermögensverhältnissen erstellen konnte.

Was macht Falciani?

«Ich war überrascht, dass alle diese Daten auf dem Internet zugänglich waren», sagt Mikhael, «unser Ziel war es, die Daten zu verkaufen und Geld zu machen.» Sie demontiert also die Selbstdarstellung Falcianis, der beteuert, er handle aus ethischen Gründen, er sei empört über die Praxis der Banken, die ihren Klienten beim Verstecken ihrer Vermögen helfen würden. «Er gibt sich als weisser Ritter», sagt seine frühere Komplizin, «doch er war es, der die Reise in den Libanon organisierte. Die Tickets bezahlte er mit der Kreditkarte seiner Frau.»

Von Falciani, der seit Dezember 2008 unter Polizeischutz in der Nähe von Nizza lebt und seine Version schon einige Male korrigiert hat, hört man seit einigen Wochen nichts mehr. Das Pariser Finanzministerium hat mittlerweile die Daten von rund 3000 HSBC-Kunden - wie von Bern gefordert - zurückgegeben. Es behielt allerdings Kopien davon für eigene Recherchen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.01.2010, 09:53 Uhr

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