Ausland

Benedikt XVI. sieht sich als «Pilger des Friedens»

Von Kordula Doerfler, Rom. Aktualisiert am 07.05.2009 1 Kommentar

Heute Freitag bricht der Papst nach Jordanien, Israel und in die Palästinesergebiete auf. Am liebsten sähe er sich nur als Pilger im Heiligen Land.

Wenn Papst Benedikt XVI. heute Freitag zu seiner zwölften Auslandreise aufbricht, wird jeder seiner Schritte und erst recht jedes seiner Worte weltweit unter Beobachtung stehen. Als Oberhaupt der Katholiken – und noch dazu als deutsches – den Nahen Osten zu besuchen, ist ein Politikum. Überschattet wird die Reise auch von den umstrittenen Äusserungen Benedikts über den Islam in seiner Regensburger Rede im Jahr 2006 und insbesondere weil er kürzlich die Exkommunikation des Holocaust-Leugners Richard Williamson zurückgenommen hat.

Kritik von radikalen Muslimen

Drei Tage lang wird der Papst zunächst Jordanien besuchen und am Montag nach Israel weiterreisen. Die Regierung und das jordanische Königspaar begrüssen den Besuch als Zeichen des Respekts für den Islam, und grössere Proteste sind in dem gemässigt muslimischen Land wohl kaum zu erwarten. Nur bei radikalen Muslimen stiess er auf scharfe Kritik. Der Papst sei in Jordanien nicht willkommen, schrieb der Vorsitzende der den Muslimbrüdern nahe stehenden Islamic Action Front, Jamil Abu Bakr, an den Ministerpräsidenten. Er verlangte auch eine Entschuldigung des Papstes für Äusserungen, die viele Muslime als «verletzend» empfunden hätten.

In Regensburg hatte der Papst den byzantinischen Kaiser Manuel II. mit einer Aussage zur Gewaltbereitschaft des Islam zitiert. Damit löste er heftige Reaktionen in der islamischen Welt aus, und Papst Benedikt bemüht sich seither sehr darum, den Dialog zwischen Christen und Muslimen wieder in Gang zu bringen.

Auf einen noch schmaleren Grat begibt sich Benedikt XVI. in Israel und den Palästinensergebieten. Der neuen, konservativen Regierung in Jerusalem ist zwar sehr daran gelegen, den Papst zu begrüssen, doch ist jede Etappe der Reise politisch brisant. Klagemauer, Felsendom, Grabes- und Geburtskirche gehören ins Pflichtprogramm für das Oberhaupt der Katholiken, und auch die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem wird er am Montag besuchen.

Ratlosigkeit im Vatikan

Selbst im Vatikan herrscht eine gewisse Ratlosigkeit, warum der Papst ausgerechnet jetzt in den Nahen Osten fliegt. Schon vor zwei Jahren hatte der heutige Präsident Shimon Peres Benedikt nach Israel eingeladen, seither ranken sich Gerüchte und Spekulationen um die schwierige Reise. Doch trotz aller Bedenken wollte sich der Papst nicht davon abbringen lassen, in die Fussstapfen seines Vorgängers Johannes Paul II. zu treten, der im Jahr 2000 ebenfalls nach Jordanien, Israel und in die Palästinensergebiete gereist war. Noch Paul VI., der erste Papst der jüngeren Geschichte, der 1964 die heiligen Stätten der Kirche besuchte, vermied es tunlichst, den neuen Staat auch nur beim Namen zu nennen.

Bis heute sind die offiziellen Beziehungen des Vatikans zu Israel nicht abschliessend geklärt. In Rom fürchtet man auch, dass Israeli und Palästinenser versuchen, den Besuch politisch zu instrumentalisieren, obwohl der Vatikan seit Jahren eine Zwei-Staaten-Lösung unterstützt. Benedikt XVI. aber versteht sich nicht als politischer Papst, sondern sieht sich als «Pilger des Friedens», wie er sagt.

Hohe Erwartungen auf jüdischer Seite

Im Vatikan betrachtet man die Reise auch als Signal im Dialog mit dem Judentum. Dass er die Bischöfe der Pius-Bruderschaft wieder in die Kirche aufnahm, hat weltweit zu Empörung unter Juden geführt. Führende Repräsentanten des Judentums allerdings versuchten, die Wogen schnell zu glätten.

In der jüdischen Welt erwartet man allerdings, dass Benedikt auch moralisch-ethisch das Erbe seines Vorgängers antritt. Johannes Paul II. hatte ein umfassendes Schuldeingeständnis für die Sünden der Kirche abgelegt und später an der Klagemauer in Jerusalem für die Leiden der Juden um Vergebung gebeten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.05.2009, 21:58 Uhr

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1 Kommentar

andi müller

08.05.2009, 06:40 Uhr
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es ist klar, dass nicht alle der gleichen meinung sind wie benedikt xvi! aber als oberhaupt einer kirche muss er auch nicht everybody's darling sein wollen! ich finde sogar, dass er von allen religionsführern klar der humanste und pazifistischste ist! die israelis wollen durch nur immer von allen gehätschelt werden, während sie selber kein deut besser sind als die anderen menschen! Antworten




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