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«Ich würde mich erneut für einen Krieg entscheiden»
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Der ehemalige britische Premierminister Tony Blair hat den umstrittenen Einmarsch in den Irak verteidigt - auch wenn dort nie Massenvernichtungswaffen gefunden wurden. Er sei damals überzeugt gewesen, dass der Irak Massenvernichtungswaffen hatte, sagte Blair gegenüber einem Untersuchungsausschuss. «Auch mit dem heutigen Wissen würde ich mich erneut für einen Krieg entscheiden», sagte der Ex-Premier.
Bei der mit Spannung erwarteten Anhörung sagte der 56-jährige Ex- Premier, die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA hätten die Einschätzung über die Bedrohung durch Saddam Hussein «dramatisch verändert».
Hussein «ein Monster»
Die Bedrohung durch religiöse Fanatiker sei viel grösser geworden. «Wir konnten es uns nicht erlauben, dass ein solches Regime Massenvernichtungswaffen entwickelt», sagte er auf die Frage des Ausschussvorsitzenden John Chilcot, warum Grossbritannien in den Irak einmarschierte. Saddam Hussein hätte Waffen an al-Qaida weitergeben können, erklärte Blair, der konzentriert, bestimmt und perfekt vorbereitet wirkte.
Bis zum 11. September habe er es für möglich gehalten, die Gefahr aus dem Irak unter anderem durch Sanktionen einzudämmen. Er habe Saddam Hussein für «eine Plage, eine Bedrohung, ein Monster» gehalten, jedoch bis zu den Terroranschlägen das Beste aus der Situation machen wollen, so Blair.
Uno-Mandat «nicht nötig»
Die Frage, ob Saddam Hussein gestürzt werde müsse, sei zu Beginn des Jahres 2002 erörtert worden. Er habe darüber mit dem damaligen US-Präsidenten George W. Bush auf seiner Ranch in Texas gesprochen. Blair verneinte jedoch, dass es dort genaue Vereinbarungen für einen Einmarsch gegeben habe.
Grossbritannien war im Frühjahr 2003 an der Seite der USA in den Irak einmarschiert, obwohl es kein Mandat der Uno gegeben hatte. Bush hatte auch eine Verbindung zwischen Saddam Hussein und dem Terrornetzwerk al-Qaida hergestellt.
Blair räumte ein, dass die Rückendeckung der Uno für einen Krieg «das Leben wesentlich einfacher» gemacht hätte. Bush habe jedoch entschieden, dass die Unterstützung der Uno «nicht nötig» wäre, sagte Blair vor 80 im Losverfahren ausgewählten Zuhörern, darunter Angehörige von im Irak getöteten Soldaten.
«Immer der letzte Ausweg»
Blair räumte aber auch ein, auf einen Fehler in einem Regierungsbericht falsch reagiert zu haben. Demnach sollte der Irak innerhalb von 45 Minuten fähig gewesen sein, Massenvernichtungswaffen einzusetzen. Erst später wurde klar, dass sich die Behauptung auf Gefechtswaffen bezog.
Blair betonte, er sei sich der «Kehrseite» eines Krieges bewusst gewesen. «Ein militärischer Einsatz ist immer der letzte Ausweg, den man in Erwägung zieht», sagte Blair, der 2007 nach zehn Jahren im Amt zurückgetreten war.
Wütende Proteste vor dem Konferenzzentrum
Der Vorsitzende des Ausschusses, John Chilcot, sagte: «Der Einsatz im Irak ist immer noch eine Angelegenheit, die spaltet. Es ist eine sehr emotionale Angelegenheit, vor allem für die, die ihre Lieben verloren haben». Während des Irak-Einsatzes von 2003 bis 2009 kamen 179 Briten ums Leben. Angehörige von Opfern kritisierten, dass Blair sich nicht entschuldigte.
Vor dem Konferenzzentrum machten Hunderte Demonstranten ihrem Ärger Luft. Einige hatten Tony-Blair-Maske über das Gesicht gezogen und trugen einen symbolischen Sarg auf ihren Schultern. Um den Protestierenden aus den Weg zu gehen, schlüpfte Blair schon zwei Stunden vor Beginn ins Gebäude.
Der Ausschuss tagt seit November. Zahlreiche Regierungsbeamte und ehemalige und amtierende Minister wurden schon angehört. Auch Premier Gordon Brown wird noch antreten müssen. Es handelt sich um keinen Prozess, deshalb haben die Aussagen keine strafrechtlichen Konsequenzen. (tan/sda/)
Erstellt: 29.01.2010, 22:29 Uhr
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