Athen brennt – Situation ausser Kontrolle
Aktualisiert am 08.12.2008 30 Kommentare
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Mit Sitzstreiks und Blumen gedachten die Athener heute dem vor einer Woche getöteten 15-Jährigen.
Bild: KEYSTONE/AP
Will keine Wiederholung der Tragödie: Griechenlands Ministerpräsident Kostas Karamanlis. (Bild: Keystone)
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Video: Reuters.
Rund 4000 Autonome nahmen praktisch das Athener Stadtzentrum ein. Gewalttätige Demonstranten verwüsteten alles, was ihnen in den Weg kam, berichteten griechische Medien. Entlang der drei grossen Einkaufsstrassen Panepistimiou, Stadiou und Skoufa sowie rund um den zentralen Syntagmaplatz brannten nahezu alle Geschäfte.
Gewalttätige Demonstranten erreichten am Abend auch den eleganten Kolonaki-Platz, wo viele Politiker des Landes wohnen und zerstörten auch dort alle Geschäfte. Passanten flohen in Panik in alle Richtungen. Die Polizei setzte massiv Tränengas ein, was aber ohne merkbare Wirkung auf die Randalierer blieb.
Verzweifelte Besitzer zerstörter Geschäfte liefen mit Tränen in den Augen um Hilfe. Die Feuerwehr war jedoch an einem Eingreifen gehindert, weil der wütende Mob die Einsatzfahrzeuge mit Brandflaschen attackierten. Auch der etwa 20 Meter hohe Weihnachtsbaum der Stadt Athen wurde angezündet und brannte lichterloh.
Der griechische Ministerpräsident Kostas Karamanlis berief für die Nacht eine Sondersitzung des Ministerrates ein. An diesem Dienstag wollte er sich mit Staatspräsident Karolos Papoulias und den Vorsitzenden der griechischen Parteien treffen. Ein Regierungssprecher dementierte hingegen Gerüchte, dass ein landesweiter Ausnahmezustand ausgerufen werden könnte.
Bei den Protesten handelt es sich nach Polizeiangaben um die «grösste jemals in Griechenland gesehene Anti-Polizei-Welle». Bisher wurden mehr als 40 Menschen verletzt. Dutzende wurden festgenommen.
Regierung Karamanlis wankt
In fast allen Landesteilen Griechenlands blieben am Montag die Schulen geschlossen. Das Kultusministerium erklärte den Dienstag zum Tag der Trauer.
Ministerpräsident Kostas Karamanlis versprach, die Verantwortlichen für den Tod des Jungen zur Rechenschaft zu ziehen. «Wir werden alles tun, damit diese Tragödie sich nicht wiederholt», sagte Karamanlis in einer Fernsehansprache.
Für die Ausschreitungen am Wochenende machte er «extreme Elemente» verantwortlich. «Deren einziges Motiv ist die Gewalt und die Zerstörung», sagte der konservative Regierungschef.
Für Karamanlis wird die Lage zusehends ernst. Seine konservative Regierungspartei Nea Dimokratia (ND) verfügt im Parlament nur noch über eine hauchdünne Mehrheit von einem Abgeordneten.
Angesichts der Krawalle wird die Forderung nach vorgezogenen Neuwahlen immer lauter. Die verheerende Lage im Gesundheits- und Sozialwesen, Korruptionskandale und die Folgen der Finanzkrise machen der Regierung zusätzlich zu schaffen.
Ermittlung wegen Totschlags
Auslöser der Jugendkrawalle war der Tod des 15-jährigen Alexis Grigoropoulos, der am Samstagabend in Athen bei Zusammenstössen linksautonomer Gruppen mit der Polizei erschossen worden war.
Der 37-jährige Beamte, der den tödlichen Schuss abgegeben haben soll, sagte aus, er habe lediglich drei Warnschüsse abgefeuert. Der Jugendliche sei von einem Querschläger getroffen worden.
Die Staatanwaltschaft ermittelt dagegen wegen vorsätzlicher Tötung. Einem weiteren Beamten wird Mittäterschaft vorgeworfen. Die beiden Polizisten sitzen in Untersuchungshaft.
Konsulat in Berlin besetzt
Die Proteste schwappten am Montag auch nach Deutschland über. In Berlin drangen etwa 15 Personen in das griechische Generalkonsulat ein.
Die teils vermummten Demonstranten brachten ein Transparent mit der Aufschrift «Ermordet vom Staat» an der Fassade des Konsulats an. In einem Schreiben der Besetzer hiess es, der griechische Staat sei für den Tod des Jugendlichen verantwortlich. (vin/cpm/sda/ap)
Erstellt: 08.12.2008, 23:41 Uhr
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30 KOMMENTARE
Wieso giebt es eigentlich jetzt noch solche ausschreitungen
Es ist klar,die Regierung Griechenlands hat etwas versäumt!Demonstrationen sind meißt die Folgen solcher Versäumnisse!Viele Bürger Athens entäuscht von ihrer Regierung, viele gehen auf die Straße um ihrer Meinung Luft zu machen.ABER: Brennende Geschäfte,WEIHNACHTSBÄUME sind für mich KEINE Argumente!Das ist sinnlose Freude an der Gewalt!Unschuldige leiden!Wer räumt auf?Linke Autonome?DIe Opfer?
polizisten sollten mehr geschult werden für solche situationen .Und leute wie ein "rambo" so jemand sollte keine waffe tragen dürfen.polizisten bei denen schon öfter sicherungen durchgebrannt sind sollten suspendiert werden. polizisten schiessen sowieso zu oft undin situationen wo es eigentklich unangebracht ist .etliche mörder werden laufen gelassen.geschweige denn gefunden .
@Peter Beutler: So wird es auch kommen. Welbank fürchtet schwerste Rezession seit den 30er Jahren, so eine Meldung von heute.Und weiter:Der Luxemburgische premierminister J.C.Juncker vor Euro-Gipfel Wirtschaftskrise bis 2011 voraus.Es wird Zeit, die Faust aus dem Sack zu holen....
Was sich zurzeit in Griechenland abspielt,ist ein Vorgeschmack dessen,was sich in den nächsten Monaten in anderen Ländern abspielen wird.Die wirtschaftliche und soziale Lage in Griechenland ist desolat.Die rechtsliberale Regierung hat diesen Zustand massgebend verschuldet.Sie wird bald stürzen,wie andere konservative Regierungen.Das Donnergrollen der Wirtschaftskrise ist unüberhörbar.
Diese Kravalle von den links Autonomen,ist nichts anderes,als der Versuch die jetzige Regierung der Neo Demoktatia zu stürzen,genau so wie bei den verherenden Waldbränden im August letzten Jahres
Schadenfreude wäre hier falsch am Platz, es sind ja Exzesse am Wüten. Statt Hotels abzufackeln hätte auch eine Vollversammlung abgehalten werden können, um sich an Ort und Stelle mit dem Athener Stadtrat zu verständigen. Die Politiker treten zurück, und die Autonomen würden im Gegenzug beim Wiederaufbau mithelfen, gegen gutes Geld natürlich. Ganze Strassenzüge nur niederzubrennen, wie die Römer?
Vom Griechenland/Athen des Perikles ist da leider nicht mehr viel uebrig geblieben. Schade! Damals loeste man interne Probleme mit Scherbengerichten, nicht mit Abfackeln von fremdem Eigentum.
Griechenland ist nicht einfach Griechenland. Die Jugend in den Grossstaedten ist aufgeschlossen, begierig zu lernen. Ich lebe auf einer Insel. Da doest jung wie alt, und alt hindert Jugend sich zu entwickeln, wie vor 100 Jahren. Doch, es gibt kein zurueck und mehr und mehrr alt wie jung wuenschen sich Demokratie, Rechtsstaat und keine Korruption. Drum die Steine gegen die Polizei.
Dieses Potenzial schlummert auch in unserer Jugend. Eine Gesellschaft, für die Jugendliche nur Konsumenten und zukünftige Arbeitskräfte sind, die deren Probleme und Zukunft (Klimawandel, ...) ausser acht lässt, und sich nur um die eigene Befindlichkeit und vor allem den persönlichen Luxus kümmert, muss sich nicht wundern. Mit Gewalt wurden sie in allen möglichen Medien zur genüge upgedated.
Hier im Forum prallen mal wieder die Meinungen aufeinander. Fakt ist wohl, dass der Staat einige Versäumnisse an seinem Volk zu verschulden hat. Und dann darf das Volk auch aufbegehren. Ich bin kein Freund von brennenden Autos und Weihachtsbäumen, aber woher kommt diese Wut? Wohl nicht aus Lust am zerstören, sondern aus Frust an der untätigen Regierung.
viel blödsinn wird hier geschrieben. Fakt ist: Die mörder von athen werden genauso wenig belangt werden wie die mörder von genua! Dieser aufstand ist nicht nur berechtigt sondern auch nötig. Von wegen unschuldige werden getroffen, es brennen die Banken und die Geschäfter der Bonzen. Tagtäglich wird die ungerchtigkeit von den bullen beschützt, in athen, in bern und auf der ganzen welt.
lieber gero, genau: die kommunistische saat, bzw. die anarchistische, wie jetzt in griechenland geht auf. sie ist die einzige angemessene antwort auf dieses kapitalistische system.
So geht die kommunistische Saat auf. Dass es einen Toten gibt, ist von den Krawallmachern wohl kalkuliert als Auftakt für die "spontane" Gewalt. Traurig so etwas.
Erinnern wir uns: Begonnen hat's damit, dass Jugendliche Steine gegen ein Polizeiauto warfen. Ist ja auch nicht gerade die feine Art...
"der fluss wird gewalttätig genannt. aber das flussbett, das ihn einengt, nennt keiner gewalttätig" (b. brecht)
@Luchsinger: Wie so wohl ist es zu Ausschreitungen gekommen? Wohl kaum weil ein paar Jugentliche einfach mal randalieren wollten. Eher, weil die Politik seit jahrzenten von den Bürgerlichen dominiert wird. Das heitzte das Soz. und Lohngefälle mit einer hohen Arbeitslosikeit drastisch ein. Überlegen sie sich mal, ob sie in Zukunft hirnlos SVP wählen gehen, sofern sie das überhaupt können.
Dass sich in den Demos mehr entlädt als die Wut über den Tod des 15-jährigen dürfte wohl jedem Beobachter ziemlich schnell klar werden. Die letzten Jahre helvetischer Politik lassen allerdings vermuten, dass es bei uns wohl auch bald einen wütenden Mob geben wird. Richtig so. Das Volk soll die Regierung nicht fürchten, die Regierung muss das Volk fürchten.
Wenn der getötete Jugendliche bewusst an die Demo ging und auch aktiv war, verstehe ich das Theater nicht. Ein unglücklicher Unfall. Der Polizist hat es nun sicher schwerer. Der Jugendliche störts sicher nicht mehr. An Herr Stutz: Sie sind eine Lachnummer! Mordene Polizistenmeute in Europa? Wo leben Sie?
Wie es scheint, bilden auch hier linke Kreise wieder der gewalttätige Kern. Mittlerweilen ist diese politische Gruppierung gefährlicher geworden als rechte Kreise => schwarzer Block, Autonome, .... Menschenleben zählen nichts mehr, politische Gesinnung wird als Vorwand genommen für Gewalt gegen Unschuldig. Tendenzen, die man auch hierzulande erkennen kann => 1. MAI, ...
Es tut mir Leid, dass das Leben vom einen menschen in einer Tagödie geendet hat
Und ob das Mord ist einen 15 jährigen Jungen zu töten, 15!!! Die Polizei spricht von Warnschüssen, diese werden allerdings meines erachten nach nicht auf Brusthöhe abgefeuert. Ich verstehe diese Jugendliche und würde, wenn ich in Griechenland leben würde, ebenfalls auf die Strasse gehen um gegen ein unfaires Rechtsaussensystem zu Demonstrieren das auch (vor allem) in der Schweiz herrscht.
wer Gewalt benutzt muss Gewalt ernten. Mord? Lächerlich!
Hier sollte mit aller Härte vorgegangen werden, sobald die Demos abflauen. Die Polizei muss unbedingt ihre unerbittliche Stärke zeigen. Okay, vielleicht kommt dann eine zweite Demo- und Gewaltwelle auf Athen zu, aber das lässt sich ja schaukeln. Man kann die Leute eben nicht über Jahre hinweg mit doofen Cops demütigen ohne dass sich das Pulverfass irgendwann entzündet. Lernt von den Griechen...
Die Antwort von Karamanlis beweist die Ahnungslosigkeit der Politik in Griechenland, notabene seit 18 Jahren meine neue Heimat. Was sich die Polizei im Allgemeinen hier leistet, spottet jeder Beschreibung. Reine Willkuer. Taeglich. Wohne in Tourismusgebiet. Naechste, 24 Std. besetzte Wache 16 km entfernt. Alarm im Geschaeft. Nach 2 Tagen im Vorbeigehen die Frages des Polizisten,"war was ?"
bei den krawallen gehts nicht primär um den mord des 15-jährigen. das sieht man auch daran, dass alle schulen geschlossen bleiben, lehrer in den streik getreten sind, unis besetzt wurden,zum generalstreik aufgerufen wird, schülerInnen bahnhöfe blockieren etc. der mord war nur die spitze des eisberges. der aufstand muss jetzt weiter gehen. und das wird er!
gegen diese gesetzlosen muss mit aller härte vorgegangen werden!! die freuen sich wohl noch darüber, dass sie jetzt einen grund zum randalieren haben. das war kein mord, wer einen streifenwagen mit steinen angreift muss mit konsequenzen rechnen!!
... in einen Generalstreik und ein solcher ist auch für diese Woche geplant. Der Tod des Jungen war nur der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Bleibt zu hoffen, dass es kein Strohfeuer bleibt und in einen handfesten Aufstand mündet. Alexadros Grigoropoulos das war Mord!
Immer wieder werden auch im ach so demokratischen Europa DemonstrantInnen und politisch Andersdenkende von der Polizei ermordet. Die Krawalle nur auf den Tod dieses Jugendlichen zurückzuführen, ist schlichtweg falsch und zeigt für wen diese ach so unabhängigen Medien berichten. In Griechenland gibts schon länger soziale Spannungen und Proteste. Erst vor ein paar Wochen traten die ArbeiterInnen ...
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