«Chirac hat alles gewusst»

Aktualisiert am 12.11.2009

Der frühere französische Präsident habe gewusst, dass Schmiergelder an Politiker jahrelang Waffenlieferungen in das Bürgerkriegsland Angola ermöglichten. Das sagt der für die Affäre verurteilte Ex-Innenminister Charles Pasqua.

Schmiergelder angenommen: Der frühere Innenminister Charles Pasqua mit einem Dokument, das die Mitwisserschaft des Ex-Präsidenten Jacques Chirac beweisen soll.

Schmiergelder angenommen: Der frühere Innenminister Charles Pasqua mit einem Dokument, das die Mitwisserschaft des Ex-Präsidenten Jacques Chirac beweisen soll.
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Musste in dem Prozess nicht aussagen: Jacques Chirac.

Musste in dem Prozess nicht aussagen: Jacques Chirac. (Bild: Reuters)

Zweieinhalb Wochen nach dem Urteil im Prozess um illegalen Waffenhandel mit Angola wirft der zu einem Jahr Haft verurteilte Ex-Innenminister Charles Pasqua dem früheren Staatspräsidenten Jacques Chirac Mitwisserschaft vor. «Chirac hat niemals zu seiner Verantwortung gestanden», sagte Pasqua am Donnerstag vor Journalisten in Paris. Auch der damalige Aussenminister und spätere Premier Dominique de Villepin habe von dem Handel gewusst.

«Die Regierung war seit 1995 sehr wohl auf dem Laufenden und hat nichts dagegen unternommen», fügte er hinzu. Pasqua sieht sich als Bauernopfer in einem Prozess, in dem mehr als 40 Geschäftsleute und Politiker angeklagt waren. Die Rolle Chiracs wurde in dem Prozess nicht behandelt.

Der Waffenhandel in den 1990er Jahren hatte einen Umfang von 790 Millionen Dollar. Schmiergelder an Politiker ermöglichten, das Uno- Embargo für Waffenverkäufe an das Bürgerkriegsland zu umgehen. Die Panzer, Helikopter, Kriegsschiff und Munition wurden in den Ostblockstaaten aufgekauft und nach Angola gebracht.

Offenlegung der Dokumente gefordert

Neben Pasqua war auch Jean-Christophe Mitterrand, der Sohn des früheren Präsidenten Francois Mitterrand, zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Die beiden Hauptverantwortlichen, der Milliardär Pierre Falcone und der Geschäftsmann Arcadi Gaydamak sollen jeweils sechs Jahre in Haft.

Pasqua kündigte an, Klage gegen den Untersuchungsrichter Philippe Courroye einzureichen, weil dieser einen entsprechenden Beleg in dem Prozess nicht berücksichtigt habe. Er forderte eine Aufhebung des Militärgeheimnisses für alle Dokumente, die den Waffenhandel betreffen.

(oku/sda)

Erstellt: 12.11.2009, 20:10 Uhr

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