Ausland

DDR konnte ihre Versprechen nicht halten

Aktualisiert am 01.10.2009

Gut 40 Jahre alt wurde die DDR, doch lange Zeit hielt sich der ostdeutsche Staat nur mit Mühe über Wasser.

«Es wurde ein Modell entworfen, das nie eingelöst wurde», nannte der Historiker Jochen Staadt in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa eins der Hauptprobleme. Permanenter Mangel habe sowohl die wirtschaftliche Stabilität als auch die Legitimation des Staats unterhöhlt. Das Ende habe ein Bündel aus wirtschaftlichen und politischen Gründen gebracht. «Und Voraussetzung für die Revolte war, dass Gorbatschow klar machte, dass er nicht militärisch intervenieren würde.» Staadt erforscht als Projektleiter im Forschungsverbund SED-Staat an der Freien Universität Berlin die Geschichte der DDR.

Wirtschaftlich startete der neue Staat unter schwierigen Bedingungen, wie der Forscher erklärte. «Die sowjetische Zone wurde aus dem deutschen Wirtschaftssystem herausgelöst und sollte sich aus dem östlichen versorgen.» Die Sowjetunion aber habe nie ausreichend liefern können - ob Eisen, Stahl oder Öl. «Die DDR musste immer unter Plan arbeiten. Das geplante Wirtschaftswachstum wurde nie erreicht.» Infrastruktur wie die Eisenbahn verharrte auf Vorkriegsniveau.

DDR hinkte hinterher

Schon um 1960 lag die DDR nach Angaben des Forschers wirtschaftlich 5 bis 7 Jahre hinter der Bundesrepublik, als die Mauer fiel, seien es 10 bis 15 Jahre gewesen. «Man hat das 1989/90 vielleicht unterschätzt, sonst hätte man nicht so hohe Erwartungen daran gehabt, dass der Osten bald aufholt.» Dramatisch nennt Staadt den Rückstand bei elektronischen Medien. Spätestens das Handy hätte demnach der Stasi in ihrem «Überwachungswahn» das Handwerk gelegt.

Nicht nur der Mangel - auch an Konsumgütern und bestimmten Lebensmitteln - habe die DDR im eigenen Volk diskreditiert: «Der Anspruch, das bessere Deutschland zu sein, konnte spätestens nach der Wahl der sozial-liberalen Regierung im Westen nicht aufrechterhalten werden», sagte Staadt. Mit dem Entspannungspolitiker Willy Brandt (SPD) im Bonner Kanzleramt sei von 1969 an das Feindbild der «reaktionären BRD» abhandengekommen. «Die Mehrheit in der DDR hoffte nach dem Wechsel zu Brandt wieder auf die Wiedervereinigung.»

Verlockungen des Westens

Einen realen Machtverlust des SED-Regimes brachte nach Staadts Worten die Einbindung der DDR in die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) mit Teilnehmern aus Ost und West. So seien Verhaftungen von Systemkritikern aus Sorge vor internationalem Protest seltener geworden, Reisevereinbarungen hätten eine Ausreisebewegung ausgelöst. «Man hat zugestanden, dass Bürger das Land verlassen und sie dann behindert, wo es ging.» Gleichzeitig sahen DDR-Bürger in Westmedien immerzu die Verlockungen der Bundesrepublik.

Deutsche sehen den Fall der Mauer nach Staadts Ansicht zu sehr als deutsches Ereignis. «Es ist ein europäisches Ereignis, das wird oft vergessen. Wir müssen fünfmal den Hut ziehen vor Polen und Ungarn, die uns unglaublich geholfen haben.» Zudem habe nicht nur die Bundesrepublik die Ostdeutschen gelockt, die gesamte Europäische Gemeinschaft habe Anziehungskraft ausgeübt. (vin/sda)

Erstellt: 01.10.2009, 14:39 Uhr

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