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«Das Krisenmanagement dieser Tage war verheerend»
Aktualisiert am 24.11.2011 47 Kommentare
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Gescheitert – mit einer Einschränkung: Die Gespräche des «Zeit»-Journalisten mit Karl-Theodor zu Guttenberg werden am 29. November als Buch erscheinen.
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Das Gespräch zwischen Karl-Theodor zu Guttenberg und «Zeit»-Chefredaktor Giovanni di Lorenzo in einem Hotel in London dauerte drei Tage. Die Auszüge in der aktuellen Ausgabe der «Zeit» (Online derzeit nur eine kurze Zusammenfassung verfügbar) erstrecken sich über vier Zeitungsseiten, gegliedert nach thematischen Abschnitten mit den Titeln «Die Doktorarbeit», «Der Skandal», «Alte Parteien, neue Parteien» und «Die Rückkehr».
Auf die Frage, warum der zurückgetretene Minister überhaupt zu diesem Zeitpunkt ein Interview gibt, antwortet Guttenberg, dass es ihm wichtig sei, die Fragen zu einem Zeitpunkt zu beantworten, «an dem meine Erinnerung noch klar genug ist, bevor man also beginnt, die Dinge selbst zu verwischen». Bei den Fragen zu den Gründen der nachgewiesenen Plagiate bleibt Guttenberg allerdings bei der Version, die er den Medien gegenüber bereits zuvor geliefert hatte.
Hektisch und unkontrolliert gesammelt
Guttenberg zufolge war es die Mehrfachbelastung durch die politische Arbeit, Familienleben und Doktorarbeit, die dazu führte, das er unsauber gearbeitet habe. Demnach war der Vorgang der Recherchen für die Doktorarbeit ein gewaltiges Chaos. «Ich war ein hektischer und unkoordinierter Sammler», sagt Guttenberg über seine Materialsammlung und erläutert später: «Eigentlich war das eine Patchworkarbeit, die sich am Ende auf mindestens 80 Datenträger verteilt hat.»
Zudem habe er, so Guttenberg weiter, «die Augen vor der Überforderung verschlossen. Das politische Leben hat mich nicht überfordert, wohl aber die parallele wissenschaftliche Arbeit». Ein wesentlicher Fehler sei gewesen, dass er sich nicht eingestanden habe, damit überfordert zu sein: «Das hatte sicherlich auch mit Hochmut zu tun und mit einem gerüttelt Mass an Eitelkeit.»
Nachfragen – und bekannte Behauptungen
Giovanni di Lorenzo versucht als Interviewer immer wieder, den ehemaligen Minister nicht zu leicht davonkommen zu lassen. «Haben Sie vorsätzlich getäuscht?», fragt er und bekommt letztlich eine Antwort, die man aus Guttenbergs vorherigen Aussagen kennt. Diesmal erklärt er freilich, dass er sich, wenn er wirklich hätte täuschen wollen, «niemals so plump und dumm» angestellt hätte, wie es an einigen Stellen dieser Arbeit der Fall sei. «Warum können Sie, acht Monate danach, nicht einfach sagen: Ich habe abgeschrieben», fragt der Journalist schliesslich. «Ich sage es doch», erwidert der Ex-Minister. «Und wenn Sie sich eingestehen müssten, dass Vorsatz bestanden hat …», fragt er. «… dann würde ich es sagen!»
Im Kapitel «Der Skandal» geht es um die Vorgänge, die schliesslich zum überfälligen und bedrückenden Abgang des CSU-Politikers aus der Bundespolitik führten. «Das Krisenmanagement dieser Tage war verheerend», sagt Guttenberg unumwunden und versucht im Folgenden zu erklären, wie es dazu kam, dass es ihm weder gelang, die Debatte um seine Arbeit auf eine glaubwürdigere Weise früher zu beenden. «Ich hatte das Gefühl, da kulminiert jetzt alles, was in den vergangenen Monaten vorgefallen ist, Kundus, Gorch Fock, der Druck wegen der Bundeswehrreform, da folgt jetzt ein Vorwurf auf den anderen», erzählt er, doch ein erstes Rücktrittsgesuch sei von der Kanzlerin abgelehnt worden.
Rückzug aus der Politik nach heftiger Dauerkritik
Später dann nicht mehr, nachdem die Affäre die Bundesrepublik allzu lange beschäftigt und verärgert hatte, bis die Regierungschefin selbst unter Druck war. Auf die Frage, wer ihn in dieser Zeit beraten habe, antwortet Guttenberg, dass es wahrscheinlich zu viele Ratschläge gab, die sich zum Teil diametral widersprochen hätten: «Einige rieten mir zu bleiben und mich überhaupt nicht auf die Debatte um die Doktorarbeit einzulassen; andere meinten, ich solle sofort den Doktortitel niederlegen und unbedingt weitermachen; wieder andere hielten einen Rücktritt für die beste Lösung.»
Der Druck war gewaltig: Die Proteste aus der Hochschulwelt in Form eines Briefes an die Kanzlerin, der online von 60'000 Menschen unterzeichnet worden war; die Demonstrationen vor dem Verteidigungsministerium – und der gehässige Ausspruch des Politikers Dietmar Bartsch von der Linkspartei: «Früher wusste der Adel, was an so einer Stelle zu tun ist». Guttenberg erzählt die Geschichte im Interview zu Ende: «Bartsch hat sich am nächsten Tag per Handschlag im Beisein von Kollegen entschuldigt.» Di Lorenzo fragt: «Haben Sie die Entschuldigung angenommen?». Die Antwort: «Ja.»
Blick in die Zukunft: «Ich schliesse nichts aus»
Ob und auf welche Weise er je in die Politik zurückkehren will und werden könnte, beantwortet der ehemalige Bundesminister klugerweise nicht konkret. «Noch einmal: Ich schliesse nichts aus, aber es gibt bislang keine Intention. Aber ich werde mit Sicherheit in meine Heimatland zurückkehren und ein politischer Kopf bleiben».
Erstellt: 24.11.2011, 12:48 Uhr
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47 Kommentare
Unsere Kinder müssen bei Abgabe ihrer Matura-Arbeit eine eidesstattliche Erklärung abgeben, dass sie die Arbeit selbständig gemacht haben.
Bei einer Doktorarbeit gelten an sich die gleichen Regeln. Auf jeden Fall ist G. ein Betrüger, als Politiker absolut nicht mehr salonfähig. Es wurndert mich, dass man darüber noch diskutiert.
Antworten
Die Aussagen von Herrn zu Guttenberg sind der blanke Hohn für alle aufrichtigen und ehrlichen Forscherinnern und Forscher. Es ist die reinste Peinlichkeit, dass man es diesem Betrüger, der bereits wieder daran arbeitet, die Öffentlichkeit zu blenden, ermöglicht, sich zu rechtfertigen. Antworten
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