Ausland
Das letzte Drohmittel der Mafia
Der Vater des Zeugen: Vito Ciancimino in einer undatierten Aufnahme. (Bild: Keystone )
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«Die Schuld hinterhältiger Verräter fällt zurück auf ihre Söhne», hiess es in einem Brief, dem eine Kalaschnikow-Patrone beigelegt war. Der Empfänger war der fünfjährige Sohn des vielleicht wichtigsten Zeugen gegen die italienische Mafia, Massimo Ciancimino. «Weshalb tragen sie die Angelegenheit auf dem Buckel eines kleinen Jungen aus?», erboste sich der Vater in einem Interview im italienischen Nachrichtensender «Sky TG24».
Massimo Ciancimino ist der Sohn des berüchtigten Vito Ciancimino, ehemaliger Bürgermeister Palermos und «Consigliere» des berüchtigten Mafia-Clans aus Corleone. Man kannte ihn unter dem Namen Don Vito. Bis in die 1970er-Jahre hinein war er ein wichtiges Verbindungsmitglied zwischen der Cosa Nostra und der Politik. Don Vito verhalf seinen Leuten zur Geldwäsche und schützte sie vor Festnahmen. Mit Mafia-Boss Toto Riina pflegte er regelmässigen Kontakt. 1990 wurde er verhaftet. 2002 starb er im Hausarrest.
Don Vitos Sohn Massimo war stets am Puls der Cosa Nostra. Er war ein enger Vertrauter und Bote seines Vaters und hatte stets Einblick in die wichtigsten Dokumente, wie die «Süddeutsche Zeitung» schreibt. Massimo Ciancimino wurde ebenfalls verurteilt. Er machte Geschäfte mit dem illegal erworbenen Vermögen seines Vaters.
Die Aussagen von Ciancimino
Heute will der 47-Jährige mit seiner Vergangenheit aufräumen. Seine Strafe wurde reduziert, weil er sich bereit erklärte, detailliert über die Cosa Nostra auszusagen. Dabei bestätigte er den Verdacht, dass Berlusconis Partei Forza Italia, dem heutigen Popolo della Liberta, mit der Hilfe der Mafia gegründet worden sei.
Auch die Anschläge auf Anti-Mafia-Richter Giovanni Falcone von 1992 sollen mit Unterstützung des Staatsapparates ermöglicht worden sein. Seine Aussagen ermöglichten der Staatsanwaltschaft, die Ermittlungen im Fall Falcone neu aufzurollen. Mittlerweile hat Massimo Ciancimino ein Buch über die Machenschaften und geheimen Verbindungen seines Vaters geschrieben. Aus Sizilien ist er längst weggezogen, obwohl er noch immer ein Haus auf Palermo besitzt. Heute lebt Ciancimino in Bologna, im Norden Italiens.
Die Drohung wirkt
Die Drohung gegen seinen Sohn scheint dem vermeintlich unverwüstlichen Ciancimino Junior nun doch zugesetzt zu haben. «Wenn das Leben meines Sohnes ins Spiel kommt, reicht es», soll er laut der «Süddeutschen Zeitung» in einer ersten Reaktion gesagt haben. «Ich gebe mich geschlagen, ich rede nicht mehr.»
Die Drohung der Cosa Nostra scheint gewirkt zu haben. Dass die Mafia es ernst meint, hat sie bereits 1992 gezeigt, als sie den 13-jährigen Giuseppe Di Matteo entführte und in Haft ermordete. Sein Vater, Mafia-Gangster Santino, hatte ebenfalls vor Gericht gegen seine Leute ausgesagt.
(jak)
Erstellt: 16.08.2010, 13:44 Uhr
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