Ausland
«Das war nur das erste Zeichen»
Von Norbert Raabe. Aktualisiert am 09.05.2011 57 Kommentare
Klare Signale: Ein Lärmgegner zeigt der Bahn die rote Karte. (Bild: Keystone )
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Das Weinstädtchen Rüdesheim, das sich malerisch an den Rhein schmiegt, ist gewöhnlich kein Ort, an dem Touristen mit Lärm rechnen müssen. Doch am vergangenen Samstag ertönten Trillerpfeifen und Sprechchöre gegen die «TaliBAHN», wie zudem auf Transparenten zu lesen war. Der Protest gegen den Bahnlärm gipfelte in einer Gleisblockade, die den Zugverkehr rund 40 Minuten lang blockierte, wie ein Bahnsprecher gegenüber der deutschen Nachrichtenagentur dpa bestätigte.
Bundesrätin Doris Leuthard, als Uvek-Chefin für das Neat-Dossier verantwortlich, dürfte an den Berichten wenig Freude haben. Neben dem Bahnlärm stört sich die regionale Opposition auch an der Aussicht, dass der Güterverkehr durch den Durchbruch am Gotthard-Tunnel in den kommenden Jahrzehnten deutlich gesteigert werden soll. «Ab 2016 soll alle zwei Minuten ein Güterzug von 1,2 bis 1,3 Kilometer Länge durch das Rheintal fahren», sagt Burkhard Albers, SPD-Landrat im Rheingau-Taunus-Kreis gegenüber baz.ch/Newsnet, «der Lärm wird immer noch schlimmer!»
Nachtfahrverbot für Güterzüge verlangt
Doris Leuthard hatte bei ihrem jüngsten Besuch in Berlin an die deutsche Seite appelliert, die Bevölkerung von den Baumassnahmen zu überzeugen. «Wir gehen unter Nachbarn und Freunden davon aus, dass Abmachungen eingehalten werden», wurde sie zitiert – doch angesichts der Stimmung bei den Bürgerinnen und Bürgern in der betroffenen Region könnte dies ein grundlegender Denkfehler sein.
Landrat Albers, 51, jedenfalls macht aus seiner Empörung gegenüber der Bundesregierung und der Deutschen Bahn keinen Hehl. Als Sofortmassnahmen gegen den steigenden Lärm fordern er und seine vielen Mitstreiter im Rheintal Geschwindigkeitsbeschränkungen, Lärmschutzmassnahmen an der Trasse – und ein Nachtfahrtverbot für Güterzüge.
«Das war nicht die letzte Massnahme»
Dass vor allem die letzte Forderung auf erbitterten Widerstand von Bahn und Wirtschaft stossen wird, ist Albers klar. Doch «die Profit-Interessen der Bahn», erklärt er, «sind nachrangig im Vergleich mit der Gesundheit der Menschen hier.» Auf lange Sicht müsse deshalb eine Alternativ-Trasse gebaut werden, sagt der Landrat. Und berichtet sogleich von einem Schreiben aus dem Verkehrsministerium in Berlin, in dem ein derart kostspieliges Bauprojekt grundsätzlich abgelehnt wird – es sei denn, es käme zu Kapazitätsengpässen.
«Denen sind die Menschen hier völlig egal», sagt Albers und kündigt massiven Widerstand an – im Stile des erfolgreichen Widerstandprojekts «Stuttgart 21». Die drei Bürgerinitiativen und sechs Landkreise, die sich der Opposition im Rheintal angeschlossen haben, sollen in Zukunft vereint agieren. «Der Protest wird zusammengefasst», so Albers. Und die lautstarke Kundgebung am Samstag «war nur das erste Zeichen», sagt er, «das war nicht die letzte Massnahme.»
Klage über veraltete Schienenwege
Einen Groll gegen die Schweiz hegt der streitbare Landrat allerdings nicht. Im Gegenteil: «Bei uns sollen die Züge auf 150 Jahre alten Trassen rollen», klagt er, «die Schweizer bauen ihr Trassennetz aus, und die Holländer auch.» Auch bei der Rücksicht auf die Bevölkerung sieht er die Eidgenossenschaft als Vorbild – zum Beispiel bei Erprobung und Einsatz von modernen Bauverfahren mit Gleisdämpfern, damit die Trassen weniger Lärm abgeben und Vibrationen besser abfangen. «Bei uns redet man davon», sagt Albers, «die Schweizer machen es einfach.» (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 09.05.2011, 12:24 Uhr
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57 Kommentare
OK Kein Problem, Ab sofort keine Lastwagen mehr von der EU im Transit durch die Schweiz. Auch wenn es die Politiker nicht glauben, die Schweiz hat den wesentlich längeren Arm und das Tirol wird auch sofort seine Toren schliessen und dann schau mer mal wer gegen was ist! Deutschland klärt seine Bürger wieder mal nicht auf und wundert sich dann über Proteste. Naja was kann man erwarten. Antworten
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