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Der Anti-Cavaliere
Von Paul Kreiner. Aktualisiert am 13.11.2011 12 Kommentare
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Das letzte Mal hat er dem italienischen Regierungschef vor zwei Wochen die Meinung gesagt. Öffentlich, kalt, präzise und entschieden. Der beim Europagipfel in die Ecke gestellte Silvio Berlusconi polterte damals, der Euro habe als Währung «niemanden überzeugt». Und auf der Titelseite des «Corriere della Sera», der auflagenstärksten Zeitung Italiens, konterte Mario Monti: «Herr Ministerpräsident, das Problem ist nicht der Euro. Das Problem ist Italien.»
Klares Signal der Wende
Jetzt soll Mario Monti selbst die Geschicke seines Landes in die Hand nehmen. Alle wollen ihn als Übergangspremier: der Staatspräsident, grosse Teile der Opposition, die Wirtschaft, und am Ende – von den eigenen Leuten in die Kapitulation getrieben – hat sich selbst Berlusconi nicht mehr widersetzt. Weil der internationale Druck auf Italien unter Berlusconis früherer Verzögerungstaktik nicht nachgelassen hat, soll der Wechsel jetzt rasend schnell gehen: Schon am Sonntag könnte Monti vom Staatspräsidenten mit der Kabinettsbildung beauftragt werden.
Mario Monti gilt derzeit als stärkstmögliches Wendesignal Italiens und Europas an die Finanzmärkte, als erstklassige Versicherung gegen weitere Kurseinbrüche. Monti ist 68 Jahre alt; Wirtschaftsprofessor war er schon mit gut 30 Jahren geworden; derzeit ist er Präsident der renommierten privaten Mailänder Wirtschaftsuniversität Bocconi. Seine wahre Statur aber hat Monti von 1995 bis 2004 als EU-Kommissar bewiesen.
Als oberster Wettbewerbshüter Europas gelang es ihm unter anderem, Microsoft in die Knie zu zwingen: Monti knöpfte dem amerikanischen Computerriesen eine Geldbusse von 497,2 Millionen Euro für die «Monopolisierung der Softwaremärkte und die Verdrängung von Konkurrenten» ab. Seither trägt er den Spitznamen «Super-Mario», und vor wenigen Monaten haben ihn sogar die Amerikaner geehrt: Als erster Europäer bekam Monti den Kartellwächterpreis.
Ruhig und glasklar
Nach Brüssel hatte ihn 1994 Berlusconi geschickt, aber Minister in Italien, wenn auch von Berlusconi mehrfach dazu eingeladen, wollte Monti nie werden. In dieses Haifischbecken, in dieses kleinliche Hickhack wollte er sich nicht stürzen.
Monti lehnte die Nähe zu jeder politischen Partei immer strikt ab; er blieb Fachmann, «Techniker», allein den wirtschaftlichen Zahlen und Fakten verpflichtet, zu spröde, zu elitär für die italienische Tagespolitik – die er in seinen Leitartikeln aus der Distanz immer wieder kritisierte: ruhig im Ton, aber glasklar in der Argumentation.
Berlusconis Gegenteil
Von der Seriosität des politischen Ansatzes, vom Verantwortungsgefühl für Europa her – Mario Monti ist genau das Gegenteil von Berlusconi. Gleiches gilt für sein Auftreten: nüchtern, zurückhaltend, mit Bewusstsein dafür, was ein Mensch, der Institutionen zu vertreten hat, tun sollte und darf. Und Monti redet weniger als Berlusconi.
Am Mittwochabend, als Berlusconi noch zögerte, hat Staatspräsident Giorgio Napolitano klare Fakten geschaffen: Er ernannte Mario Monti überraschend zum Senator auf Lebenszeit.
Das war wohl nicht nur das Vorspiel für die Beförderung zum Ministerpräsidenten, es war auch ein kluger Schachzug, um auch noch in der Regierungskoalition die letzten Vorbehalte gegen Monti auszuräumen. Ehrensenatoren nämlich kandidieren nicht bei Parlamentswahlen. Das heisst im Klartext: Monti ist Übergangspremier. Danach dürfen die Parteien wieder ran. (Berner Zeitung)
Erstellt: 12.11.2011, 15:56 Uhr
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12 Kommentare
Mario Monti: Europa-Chef der "Trilateralen Kommission (des Rockefeller Think-Tanks, der das "Zuviel an Demokratie" beklagt); führendes Mitglied der Bilderberg-Gruppe, internationaler Berater von Goldman Sachs, Berater im Solde der Coca-Cola Company. Buona fortuna, Italia! Antworten
Wenn man in einer Firma sich mit 68(monti) oder 86(Napolitano) sich um ein wichtiges Amt bewirbt, ist das Lachen gross: Wir brauchen junge, leistunfsfähige und denkstarke Leute. Nur in der Politik scheint das keine Wichtigkeit zu haben, warum? Antworten
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