Ausland

Der Bericht aus der Todeszelle

Am Weltkongress gegen die Todesstrafe in Genf kam am Donnerstag ein ehemals zum Tod Verurteilter zu Wort.

Ein Bild aus schlechteren Zeiten: Joaquim José Martinez.

Ein Bild aus schlechteren Zeiten: Joaquim José Martinez.

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Bis zu seinem Freispruch hat Joaquim José Martinez drei Jahre lang in einem US-Gefängnis auf seine Hinrichtung gewartet. Der in Ecuador geborene Martinez war 1997 im US-Bundesstaat Florida zu Unrecht zum Tod verurteilt worden. Von seinem Aufenthalt im Todestrakt berichtet Martinez auf seiner Internet-Seite, auf der er sich für den Kampf gegen die Todesstrafe einsetzt.

Die ersten 30 Tage habe er weder Besuch noch Post empfangen dürfen, schreibt Martinez. Seine Zelle - 1,8 auf 2,9 Meter gross - habe er in dieser Zeit nur zwei Mal pro Woche verlassen dürfen, um zu duschen und sich zu rasieren. Es habe die Auffassung gegolten, er müsse sich an die Zeit im Korridor gewöhnen.

Aus 30 Tagen wurden drei Jahre. «Im Korridor musst du alle Gefühle unterdrücken, um keine Probleme mit den Wächtern zu kriegen», schildert Martinez. Keine Tränen, kein Lächeln. Es seien drei sehr lange Jahre gewesen, in denen er erlebt habe, wie einige seiner Kollegen hingerichtet worden seien.

Den Optimismus nicht verloren

2001 wurde Martinez schliesslich in die Freiheit entlassen. Ein Berufungsrichter war von seiner Unschuld überzeugt. Martinez hatte Glück: Die USA gehören zu den fünf Staaten, die weltweit am häufigsten Todesurteile vollstrecken. 2008 wurden laut der Menschenrechtsorganisation Amnesty International 37 Menschen hingerichtet, 18 davon allein im Bundesstaat Texas.

Martinez glaubt, dass den USA im Kampf für die Abschaffung der Todesstrafe eine Schlüsselrolle zukommt. Wenn die Amerikaner überzeugt seien, dass die Todesstrafe nichts bringe und der Gerechtigkeit zuwiderlaufen könne, könnten sie an vorderster Front für die Abschaffung der Todesstrafe in der ganzen Welt kämpfen, sagte der 38-Jährige am Donnerstag in Genf. Seiner Einschätzung nach ist in den USA eine «schrittweise Veränderung» zu beobachten.

Weit höher als in den USA liegt die Zahl der Hinrichtungen in China und im Iran. 2008 gab es in China laut Amnesty 1700 Exekutionen, im Iran 346. Martinez sagte, er glaube, dass auch in diesen Ländern die Abschaffung der Todesstrafe möglich sei, wenn auch erst längerfristig.

Der Druck steigt

Insgesamt sei der Druck auf die Länder, welche die Todesstrafe noch nicht abgeschafft hätten, gestiegen, sagte Martinez weiter. «Es gibt mehr Druck als noch vor zehn Jahren.» Zu dem Thema gebe es Gesprächsrunden, Dokumentarfilme und Ausstellungen. Und allein die Tatsache, dass die Schweiz einen Kongress in dieser Grösse abhalte und dass die politischen Führer mehrerer Länder daran teilnähmen, zeige, dass die Frage ernst genommen werde.

Zum Auftakt der dreitägigen Konferenz hatten sich beispielsweise Spaniens Premierminister Luis Rodriguez Zapatero und die iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi an die rund 1500 Teilnehmenden gewandt. Zum Abschluss am Freitag werden Bundesrätin Micheline Calmy-Rey und die UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, erwartet.

Martinez' Optimismus teilte am Donnerstag auch Robert Badinter, ehemaliger Justizminister Frankreichs. «Ein Moratorium für Hinrichtungen im Jahr 2015 ist möglich», sagte er. «Die Schlacht muss von Staat zu Staat gewonnen werden, es ist die Bewegung die zählt.» Der Kampf wird viel Überzeugungsarbeit fordern: 58 von 192 Staaten haben die Todesstrafe noch nicht abgeschafft. (sam/sda/)

Erstellt: 25.02.2010, 19:31 Uhr

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