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«Der ESM wird von ‹Paten› gesteuert»

Interview: Vincenzo Capodici. Aktualisiert am 13.09.2012 98 Kommentare

Für ihr Anti-Merkel-Buch muss Gertrud Höhler harte Kritik einstecken. Das beeindruckt die Autorin und Beraterin jedoch nicht, im Gegenteil. Im Interview erklärt sie, warum Merkel eine Gefahr für die Demokratie sei.

«Macht ist eine Droge, die ohne Kontrolle nach Steigerung der Dosis verlangt»: Gertrud Höhler, Autorin des Buchs «Die Patin», über den Regierungsstil von Kanzlerin Angela Merkel.

«Macht ist eine Droge, die ohne Kontrolle nach Steigerung der Dosis verlangt»: Gertrud Höhler, Autorin des Buchs «Die Patin», über den Regierungsstil von Kanzlerin Angela Merkel.

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«Das ‹System M› etabliert eine leise Variante autoritärer Machtentfaltung»: Gertrud Höhler.

Gertrud Höhler

Harsche Kritik am «System M»

Die Publizistin und Beraterin Gertrud Höhler beschreibt in ihrem neuesten Buch («Die Patin»), wie Angela Merkel Deutschland umbaut. Das Buch liest sich über weite Strecke wie eine gnadenlose Abrechnung mit der Politik der deutschen Kanzlerin. Höhler stellt die zentrale These auf, dass Merkel das rechtliche und das moralische Fundament des Staates untergräbt. Atomausstieg, Eurorettung, Entkernung christlich-konservativer Parteiidentität: Alles ordne Merkel ihrem wertfreien Pragmatismus unter, bei dem es letztlich nur um den Machterhalt gehe. «Das ‹System M› etabliert eine leise Variante autoritärer Machtentfaltung, die Deutschland so noch nicht kannte», schreibt Höhler. Merkel sei gerade dabei, die Demokratie zu zerstören.

Höhler ist eine viel schreibende und streitbare Publizistin, die regelmässig in TV-Talkshows auftritt. In Deutschland ist die 71-Jährige auch als Unternehmens- und Politikberaterin bekannt. Nachdem sie als Literaturprofessorin an der Universität Paderborn gelehrt hatte, beriet Höhler Grossunternehmen wie die Deutsche Bank und Volkswagen sowie hohe CDU-Politiker wie Helmut Kohl. Höhler, die einen Wohnsitz in der Schweiz hat, lebt in Berlin. (vin)

Buchhinweis: Gertrud Höhler: «Die Patin. Wie Angela Merkel Deutschland umbaut». 296 Seiten, Verlag Orell Füssli, Zürich.

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Treffen zwischen Merkel und Monti

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Die deutsche Bundeskanzelrin und Italiens Ministerpräsident besprachen Roms Reformbemühungen.

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Frau Höhler, mit Ihrem Buch über Angela Merkel haben Sie den geballten Zorn der meisten Medien in Deutschland auf sich gezogen. Wie erklären Sie sich die teils gehässigen Reaktionen auf Ihre Person?
Es war wohl nicht geballter Zorn, sondern der Versuch, mit Angriffen auf die Autorin der Auseinandersetzung mit den Fakten auszuweichen. Die Personalisierung gilt in Deutschland als der bequemste Weg, statt Diskurs einen Skandal zu inszenieren.

Was sagen diese Reaktionen über Medien und Politik in Deutschland aus?
Der deutsche Journalismus zeigt durch diese Ausweichbewegung seine Abhängigkeit von den Regierenden. Schliesslich sind sie es, die Interviews gewähren oder verweigern, die Reiseeinladungen aussprechen oder entziehen.

Gab es in den letzten Tagen Momente, in denen Sie bedauert haben, dieses Buch veröffentlicht zu haben?
Nein, im Gegenteil. Die wütende Abwehr meiner Befunde auch bei denen, die im kleinen Kreis dieselben Entdeckungen am Politikstil von Frau Merkel austauschen, hat mir bestätigt, wie wichtig ein solches Buch ist.

Können Sie diese Aussage erläutern: Warum ist Ihr Merkel-Buch wichtig?
Weil es Schweigende zum Reden bringt. Und weil es die Leute mit der Faust in der Tasche ermuntert zu sagen, was sie sehen, und die eigene Verantwortung zu begreifen. Der Staat gehört den Bürgern, nicht die Bürger dem Staat – das sagt mein Buch. Und viele erinnern sich plötzlich: «Stimmt!»

Etliche Kommentatoren haben in Ihrem Buch eine persönliche Fehde zwischen Ihnen und Kanzlerin Merkel herausgelesen. Dadurch ist Ihre Kritik am System Merkel kaum wahrgenommen worden. Wie sehr ärgert Sie das? Und was werden Sie tun, um dies zu ändern?
Es ändert sich bereits. Das Ausweichen auf den Boulevard, wo es keine Ideen, sondern nur Tiefschläge und Racheakte gibt, ist nur ein Vorspiel. Auch auf dem Boulevard melden sich schon jetzt die Mutigen, die nicht glauben, dass Europa käuflich sei.

Sie kritisieren Merkel als Politikerin, die knallhart ihre Machtansprüche durchsetzt. Aber: Waren nicht alle Kanzler Machtmenschen, nicht zuletzt Helmut Kohl, den Sie positiv beurteilen?
Merkel ist im Gegensatz zu ihren Vorgängern ohne ein Bekenntnis, ohne ein Credo unterwegs. Man kann ihre Haltung unideologisch nennen, da Werte für sie disponibel, Rechtsnormen situativ abzuräumen sind, wenn sie nicht ins Machtkonzept passen. Machtpolitik, die Berechenbarkeit überflüssig macht, verlässt den Grundkonsens der Demokraten, dass wir Versprechen halten und einander Rechenschaft schuldig sind. Macht ist eine Droge, die ohne Kontrolle nach Steigerung der Dosis verlangt.

Merkel als Zerstörerin der Demokratie, auch als Patin mit mafiösem Gebaren: Ihre Kritik ist doch arg übertrieben?
Die Anklänge an Geheimbünde sind zahlreich: das Schweigen, die unideologische Haltung, das Einsickern illegaler Praktiken in die legalen Systeme. Der radikalste Rettungsschirm, ESM, wird von «Paten» gesteuert, die – strafrechtlich immun und zur Geheimhaltung verpflichtet – ungenannte Geldtransfers auslösen, die Haftung ohne Kontrolle vorsehen.

Ist Ihre Merkel-Kritik nicht auch Ausdruck einer gewissen Trauer, dass es die gute alte Bundesrepublik Deutschland nicht mehr gibt?
Es gibt entbehrliche und unentbehrliche Traditionen. Nichts bleibt, wenn sich nichts ändert. Wenn es aber um den Kern jener Versprechen geht, die wir uns in unserer Verfassung gegenseitig geben, die unsere Würde vor Käuflichkeit schützen und unsere Freiheitsrechte sichern, dann müssen wir Einspruch anmelden.

Wer sind für Sie die Hoffnungsträger in der CDU? Etwa die zum «Berliner Kreis» gehörenden Politiker, die ein konservatives Manifest angekündigt haben?
Nein, die Konservativen haben keinen Code gefunden, der sie zu Winnern macht. Sie reklamieren, was fehlt, ohne eine mitreissende Vision zu liefern. Aufgeschobene Manifeste sind Sprengladungen für eine Win-win-Position.

Kritiker rücken Sie in die Nähe einer möglicherweise entstehenden Tea-Party-Bewegung in der CDU. Was sagen Sie dazu?
Das ist Unfug. Erlauben Sie mir eine Spassantwort: kein Tea, keine Party. Wer mein Buch liest, wird nicht auf solche Ideen verfallen.

Das Interview mit Gertrud Höhler wurde schriftlich geführt. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.09.2012, 17:11 Uhr

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98 Kommentare

Markus Sennheiser

13.09.2012, 13:55 Uhr
Melden 258 Empfehlung 0

Auch der TA personalisiert hier und geht nicht auf die Aurgumenten der Autorin ein. Immer brav an der Hülle herumfragen. Man könnte sich ja die Finger verbrennen. Somit sagt ein solcher Beitrag gar nichts aus. Schade!! Und wer dem nachgehen will muss selber recherchieren. Aber zum Glück wird man durch alternativen und unabhängigen Medien auch fündig. Antworten


Arnold Ganz

13.09.2012, 14:40 Uhr
Melden 257 Empfehlung 0

Die Reaktionen erinnern an die Veröffentlichungen von Thilo Sarrazin. Auch er wurde sofort mit persönlichen Angriffen eingedeckt, nur weil er seine Meinungen sachlich und schriftlich dargelegt hat. So ist es wohl, wenn unabhängige Leute es sich leisten können, dem Mainstream und dem journalistischen Einheitsbrei entgegenzutreten. Antworten



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