Ausland

Der mysteriöse Tod von Zeuge X

Von Enver Robelli. Aktualisiert am 05.10.2011 12 Kommentare

Kosovos Ex-Minister Fatmir Limaj soll wegen Kriegsverbrechen vor Gericht. Der Hauptzeuge hat sich umgebracht. Seine Aussage soll aber gültig bleiben.

UCK-Pressekonferenz 1999: Fatmir Limaj (links, sitzend), Hashim Thaci (Mitte).

UCK-Pressekonferenz 1999: Fatmir Limaj (links, sitzend), Hashim Thaci (Mitte).
Bild: Reuters

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Es war eine Beisetzung im kleinen Kreis. Am Wochenende trugen ein paar Bewohner des kosovarischen Dorfes Nashec die Leiche eines Mannes zu Grabe, der in der Öffentlichkeit bisher nur als «Zeuge X» bekannt gewesen war. Nun hat der Tote einen Namen: Agim Zogaj. Der 54-jährige Vater von vier Kindern und ehemalige Kämpfer der kosovo-albanischen Untergrundarmee UCK war der wichtigste Zeuge in einem grossen Kriegsverbrecherprozess, der Ende Oktober in der Hauptstadt Pristina beginnen sollte.

Zogaj lebte seit etwa drei Monaten in Deutschland. Da Zeugen von Kriegsverbrechen in Kosovo um ihre Sicherheit fürchten müssen, wurde der Mann ausser Landes gebracht. Deutsche Behörden nahmen ihn auf Bitte der in Kosovo tätigen EU-Rechtsstaatsmission Eulex in ein Zeugenschutzprogramm auf. Der ehemalige Aufseher eines UCK-Gefangenenlagers konnte bei seinem Bruder in Duisburg wohnen, ab und zu machten deutsche Polizisten einen Kontrollgang.

Suizid per SMS angekündigt

Am vergangenen Dienstag verliess Agim Zogaj gegen Abend die Wohnung des Bruders in Richtung Duisburger Stadtteil Homberg. Dort, in einem Park am Essenberger See, beging er Suizid. Den Schritt hatte er per SMS an seinen Bruder angekündigt. Die Polizei fand die Leiche gegen Mitternacht. Man habe nicht den geringsten Hinweis auf ein Fremdverschulden gefunden, sagte ein Polizeisprecher, die Obduktion habe ergeben, dass Zogaj freiwillig aus dem Leben geschieden sei.

Dennoch wirft der Tod von Zogaj Fragen auf. Wurde er in den Suizid getrieben? Hatte er psychische Probleme? Hat der Mann womöglich doch mehr gewusst über die mutmasslichen Kriegsverbrechen der UCK, als er den Ermittlern erzählte? In der Kritik stehen vor allem die EU-Rechtsstaatsmission in Kosovo und die deutschen Behörden, die offensichtlich nicht in der Lage waren, den Kronzeugen vom Suizid abzuhalten. Der UNO-Menschenrechtsrat äusserte sich besorgt über den Vorfall und hob die Notwendigkeit effektiver Zeugenschutzprogramme hervor.

Politische Laufbahn vorerst zu Ende

Zeuge X hatte im Juni in einer etwa 200 Seiten umfassenden Aussage, die dem «Tages-Anzeiger» vorliegt, seinen ehemaligen Befehlshaber Fatmir Limaj schwer belastet. Limaj soll während des Krieges 1998/99 im Dorf Klecka in Zentralkosovo gefangene Serben und kosovo-albanische Kollaborateure getötet und misshandelt haben. Damals war er als «Kommandant Stahl» gefürchtet und geachtet. Der Mann ist nicht irgendwer in der kosovarischen Politik: Nach dem Krieg machte Limaj Karriere in der sogenannten Demokratischen Partei (PDK) des heutigen Ministerpräsidenten Hashim Thaci. In den vergangenen drei Jahren war Fatmir Limaj Verkehrsminister und damit verantwortlich für den Strassenbau. Als er im Frühjahr bekannt gab, dass der US-Konzern Bechtel die Ausschreibung für den Bau einer Autobahn gewonnen hatte, wurde er von US-Botschafter Christopher Dell öffentlich umarmt, obwohl die EU-Mission inzwischen Ermittlungen wegen Korruption gegen Limaj aufgenommen hatte. Die derzeit im Bau befindliche Strasse soll Kosovo mit Albanien verbinden.

Die politische Laufbahn von Limaj ist vorerst zu Ende. Der Prozess gegen ihn soll auch nach dem Tod des wichtigsten Zeugen nicht gefährdet sein: Die Aussage von Agim Zogaj sei genau protokolliert und auf Video aufgezeichnet. Sie bleibe gültig, heisst es bei Eulex. Limaj, der Parlamentsabgeordneter und Vizeparteichef ist, steht seit zwei Wochen unter Hausarrest. Die Anklagebehörde wirft ihm und neun weiteren ehemaligen UCK-Kämpfern Kriegsverbrechen gegen Zivilisten und Kriegsgefangene vor. Limajs Untergebene wurden bereits im Frühjahr festgenommen. Einer der mutmasslichen Kriegsverbrecher war vor den Augen der internationalen Beobachter vor Ort zum Polizeichef der südkosovarischen Stadt Prizren aufgestiegen, ein anderer konnte in der Schweiz verhaftet werden.

Über die Gräueltaten Tagebuch geführt

Laut den Aussagen von Agim Zogaj, die er gegenüber dem italienischen Eulex-Staatsanwalt Maurizio Salustro gemacht hatte, soll die UCK während des Krieges im Dorf Klecka ein Gefangenenlager unterhalten haben. Zeuge X beschreibt in seiner Aussage, wie UCK-Kämpfer vier Serben exekutierten, die vermutlich für das örtliche Elektrizitätswerk gearbeitet hatten und von den serbischen Behörden für den Kampf gegen die UCK zwangsrekrutiert worden waren. Besonders bestialisch war die Tötung eines Serben, der zuvor laut Zogaj von UCK-Befehlshaber Limaj befragt und misshandelt worden war. Nach der Befragung habe Limaj gesagt: «Schafft das Schwein weg», woraufhin ein UCK-Soldat den Serben mit einer alten Sense massakriert habe. In einem anderen Fall sei er gezwungen worden, zwei Serben hinzurichten, sagte Zogaj aus. Über die Geschehnisse im Gefangenenlager Klecka führte er Tagebuch. Der Ankläger Salustro schreibt, der Zeuge X habe während seiner Aussage geweint.

Die UCK hatte nicht nur serbische Sicherheitskräfte und Zivilisten zu Zielscheiben erklärt. Auch sogenannte kosovo-albanische Kollaborateure wurden verfolgt und getötet. Dabei handelte es sich meist um Förster, Polizisten und Zivilstandesbeamte, die im Sold des serbischen Regimes standen. Zeuge X berichtete auch von einem Zwangsbordell bei Klecka: Dorthin hätten UCK-Soldaten Mädchen und Frauen verschleppt und vergewaltigt.

Über all diese Gräueltaten wurde in Kosovo nie öffentlich gesprochen. Seit Kriegsende wird in Kosovo nur der Mythos vom «ruhmreichen Krieg» gegen die serbischen Besatzer gepflegt. Wer die UCK nach dem Krieg kritisierte, wurde vom illegalen Geheimdienst SHIK entweder liquidiert oder eingeschüchtert. Limaj stand schon einmal vor Gericht: In einem Verfahren vor dem UNO-Tribunal in Den Haag wurde er 2007 freigesprochen, weil damals niemand bereit war, über seine mutmasslichen Gräueltaten auszusagen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.10.2011, 18:03 Uhr

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12 Kommentare

Lukas Frey

05.10.2011, 11:17 Uhr
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Diese Steyr und sig Waffen sind gestohlen genau wie dass Land in dem sie ihre illegale Unabhängigkeits erklärung ausriefen,diese Leute aufzunehmen war ein sehr grosse fehler und dass sehen heute die meisten so Antworten


Marco Köhl

05.10.2011, 10:56 Uhr
Melden 6 Empfehlung

Bei jedem Bericht über die Verbrecherbande UCK, sieht man Fotos wie sie mit dem Schweizer Sturmgewehr 90 Possieren, ich möchte nicht daran denken wie die sogenannten Freiheitskämpfer an das Moderne Schweizer Stgw 90 gekommen sind, Antworten




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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.