Ausland
Der neue jugoslawische Frühling
Von Enver Robelli. Aktualisiert am 22.07.2010 2 Kommentare
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So viel Eintracht gab es auf dem Balkan seit dem Zerfall Jugoslawiens vor 20?Jahren noch nie. Auf der Tagesordnung steht nicht mehr die Kriegsrhetorik, sondern die Versöhnung. Man will in die Zukunft blicken, damit die Region so schnell wie möglich Teil der Europäischen Union wird und die Bürger endlich auf ein besseres Leben hoffen können. Für diesen Aufbruch stehen zwei Politiker: Kroatiens Präsident Ivo Josipovic und sein serbischer Amtskollege Boris Tadic. Beide sind entschlossen, die Vergangenheit abzuschütteln und durch politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit die sogenannte Jugosphäre, das ehemalige Jugoslawien, voranzubringen.
Zwei Länder, ein Panzer
Dass auf dem Balkan ein frischer Wind weht, zeigte sich beim ersten Besuch von Ivo Josipovic in Serbien in den letzten zwei Tagen. Der neue kroatische Präsident ist erst seit sechs Monaten im Amt. Während dieser Zeit hat der Juraprofessor und Komponist Josipovic den richtigen Ton zu den Nachbarn gefunden. Er hat sich für die Rolle seines Landes im Bosnienkrieg entschuldigt und den Opfern aller Seiten Respekt gezollt. Immer wieder betont Josipovic, wie wichtig es sei, auch mit dem ehemaligen Aggressor Serbien eine Ära der Verständigung einzuleiten. Dazu scheint auch der serbische Staatschef Boris Tadic bereit zu sein.
Die beiden Präsidenten sind sich einig, dass für das Blutvergiessen der 90er-Jahre nicht die heute regierenden Politiker mitschuldig sind. Sie müssen aber die Probleme der Vergangenheit aus dem Weg räumen, bevor sie andie EU-Tür klopfen. Dieses Bewusstsein ist auf dem Balkan erst in jüngsterZeit geweckt worden. Die weltweite Finanzkrise und die zunehmende Erweiterungsskepsis in der EU zwingen die ehemaligen jugoslawischen Republiken, wieder näher zu rücken. EU-Diplomaten machen bei jeder Gelegenheit klar, dass ohne die Lösung von Streitfragen eine Aufnahme der Balkanländer kaum möglich sei.
Freundschaft auch auf dem Fussballfeld
Kroatien und Serbien gehen nun mit gutem Beispiel voran. Im Vordergrund steht die wirtschaftliche Kooperation. In den letzten zehn Jahren haben kroatische Firmen über eine halbe Milliarde Euro in Serbien investiert. Diese Zusammenarbeit wollen die Staatschefs jetzt ausbauen. Anfang Juni unterzeichneten Belgrad und Zagreb ein Militärabkommen, das gemeinsame Manöver der ehemaligen Kriegsfeinde vorsieht. Auch die Waffenindustrie soll wiederbelebt werden, um die globalen Exportmärkte zu erschliessen. Geplant ist die gemeinsame Produktion eines Panzers für die kuwaitische Armee.Bei der Bekämpfung der organisierten Kriminalität haben die Polizeikräfteder beiden Länder wichtige Erfolge erzielt. Dank der Kooperation konnten allein in den letzten Wochen mehrere serbische Mafia-Paten in Zagreb verhaftet werden.
Die neue kroatisch-serbische Freundschaft soll auch auf dem Fussballfeld gepflegt werden. Beide Präsidenten unterstützen die Gründung einer gemeinsamen Fussballliga, die sich sportlich und wirtschaftlich lohnen würde. Noch überwiegt aber die Angst, dass es zu Ausschreitungen zwischen den Fans kommen könnte. Noch ist die Erinnerung an den 13. Mai 1990 frisch. An diesem Tag hätte im Stadion Maksimir in Zagreb der Klassiker der jugoslawischen Meisterschaft zwischen Dinamo Zagreb und Roter Stern Belgrad ausgetragen werden sollen. Der Match wurde nicht angepfiffen, weil Nationalisten wüste Schlägereien angezettelt hatten. Der 13. Mai 1990 gilt als der Tag, an dem Jugoslawien beerdigt wurde.
Hoffnungsvolle Versprechen
Die Vergangenheit können die Politiker trotz guten Willens nicht wegzaubern. Es klingt aber hoffnungsvoll, dass Tadic und Josipovic die Probleme offen ansprechen. Beide erklärten sich bereit, die gegenseitigen Völkermord-Klagen vor dem Internationalen Gerichtshof zurückzuziehen, um die Beziehungen nicht zu belasten. Tadic, der vor zehn Tagen die Opfer von Srebrenica ehrte, sagte, er werde das Gleiche auch in Vukovar tun. Serbische Truppen hatten im Herbst 1991 die kroatische Stadt zerstört und 261 Menschen niedergemetzelt. Josipovic versprach im Gegenzug, er werde sich für die Rückkehr der vertriebenen Serben einsetzen. Nun müssen Taten folgen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 19.07.2010, 23:13 Uhr
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2 Kommentare
Ach ja und was ich ausserordentlich intelligent (von beiden Präsidenten) finde, ist das Anknüpfen an den Fussball! Fast schon ironisch könnte man sagen: "Der Fussball hat uns am 13. Mai auseinander geführt und könnte uns wieder versöhnen." Ich habe nur so meine Zweifel ob die Liga funktionieren würde, da wir Serben sowie Kroaten, für hirnlose Hooligans bekannt sind. Jedoch super Idee. Antworten
Hut ab Tadicu und Josipovicu. Bin froh, dass mal endlich intelligente Politiker an der Macht sind die kein nationalistisches, sondern zukunftsweisendes Gedankengut vertreten! Keiner von uns wünscht sich ein neues SFRJ (Jugoslawien)! Aber ich finde es schön und wichtig, dass sich diese beiden Völker wieder näher kommen! Diese Partnerschaft ist für uns Serben genauso wichtig wie für die Kroaten. Antworten
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.





