Ausland

Deserteur bringt Premierminister in Bedrängnis

Aktualisiert am 04.09.2009 13 Kommentare

Der 27-jährige Brite Joe Glenton steht vor Gericht, weil er aus Afghanistan desertierte. Jetzt nutzte er die Anhörung, um intensive Worte an Premier Gordon Brown zu richten.

«Der Krieg ist weder sinnvoll noch richtig»: Joe Genton mit seiner Frau auf dem Weg zum Gericht.

«Der Krieg ist weder sinnvoll noch richtig»: Joe Genton mit seiner Frau auf dem Weg zum Gericht.
Bild: Keystone

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Brown bleibt hart

Ungeachtet zunehmender Verluste lehnt der britische Premierminister Gordon Brown einen Rückzug aus Afghanistan ab. In einer am Freitag in London vorab verbreiteten Grundsatzrede zum Afghanistan-Einsatz sagte Brown, Grossbritannien könne aus dem Land nicht einfach weggehen. «Die Leute fragen, welchen Erfolg wir in Afghanistan haben wollen», heisst es in den Redetext. «Die Antwort ist, dass wir Erfolg gehabt haben, wenn unsere Soldaten heimkommen, weil die Afghanen den Job selber machen.»

Brown ist nach dem Rücktritt seines VerteidigungsberatersEric Joycee am Donnerstagabend unter zusätzlichen Druck gekommen, den Afghanistan-Einsatz zu begründen. Joyce, ein früherer Major, hatte Brown öffentlich aufgefordert, mit dem Truppenrückzug aus Afghanistan zu beginnen. Die Gesamtzahl der getöteten Briten am Hindukusch stieg inzwischen auf 211 und liegt damit höher als im Irak.

Joe Glenton deponierte am Donnerstag einen Brief für Premierminister Gordon Brown an der Londoner Downing Street. Darin kritisiert der Soldat den Afghanistankrieg, den er hinter sich gelassen hat, heftig. Er fordert Brown auf, die britischen Truppen sofort aus Afghanistan abzuziehen – weil diese lediglich im Dienste amerikanischer Aussenpolitik kämpften.

Der Deserteur erwartet heute sein Urteil. Er war 2007 von der Front in Afghanistan geflohen. Erst vor wenigen Wochen hatte er sich den Militärbehörden gestellt. «Ich schreibe Ihnen als Soldat der britischen Armee, um ihnen meine Ansicht und meine Sorgen über den aktuellen Konflikt in Afghanistan darzulegen», beginnt sein Schreiben an Brown, das in verschiedenen britischen Medien zitiert wird.

Es enthält harte Kritik an die Adresse der Regierung: «Es ist meine Hauptsorge, dass der Mut und die Zähigkeit meiner Kameraden zum Werkzeug amerikanischer Aussenpolitik geworden sind», schreibt Glenton. Dieses unethische Verhalten habe nicht nur «unermessliches Leid» über die Familien mancher britischen Soldaten gebracht, sondern auch über «die grossmütigen Menschen von Afghanistan».

«Nur Tod und Zerstörung»

Der Krieg in Afghanistan vermindere weder das Risiko des Terrorismus noch verbessere er die Leben der Afghanen – stattdessen bringe er ihnen «Tod und Zerstörung». Das Fazit des jungen Kämpfers: Der britische Krieg in Afghanistan sei weder sinnvoll noch richtig. «Ich bitte Sie, Sir, bringen Sie unsere Soldaten heim.»

Glentons Verteidiger John Tipples nannte den Soldaten öffentlich einen «aussergewöhnlichen Menschen». Glenton sei alles andere als ein Feigling, der abgehauen sei: «Er rennt nicht weg von seiner Verantwortung. Im Gegenteil, er steht für sie ein.» Der Soldat setzte sich für das ein, was er für moralisch richtig halte. Falls Glenton als Deserteur schuldig gesprochen wird, muss er bis zu zwei Jahre ins Gefängnis. (oku)

Erstellt: 04.09.2009, 12:46 Uhr

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13 Kommentare

Hans Bleiker

04.09.2009, 11:55 Uhr
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Dafür gibt es nur ein Wort : ZIVILCOURAGE Antworten


thomas saxer

04.09.2009, 11:55 Uhr
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Soweit mir bekannt ist, meldet man sich freiwillig zur Armee in GB. Wer sich also zur Armee meldet, sollte schon damit rechnen in einem Krisengebiet zu landen. Ich sage nicht, der Krieg sei richtig oder sinnvoll, aber was Mr. Glenton da gemacht hat war schlicht daneben. Einerseits hat er sein Land verraten (das ginge ja noch) aber vorallem hat er seine Kameraden im Stich gelassen.Feigheit pur. Antworten




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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.