Ausland
Deutschlands brauner Schatten
Ein kleines Dorf in Ostdeutschland erschreckt bei Wahlen regelmässig die Bundesrepublik Deutschland. Nirgends erzielt die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) bessere Wahlergebnisse. Reinhardtsdorf-Schöna heisst die Ortschaft, die 40 Kilometer südlich von Dresden nahe der tschechischen Grenze liegt. Im 1575-Seelen-Dorf, das im Bundesland Sachsen ein bekannter Erholungsort ist, lebt kein einziger Ausländer. Und solche wären in Teilen der Bevölkerung vermutlich nicht willkommen.
Bei den Gemeinderatswahlen im letzten Juni stimmten 22 Prozent für die NPD. Wieder mehr als 20 Prozent erzielte die rechtsradikale Partei bei den Wahlen zum Sächsischen Landtag, die Ende August stattfanden. In der Zwischenzeit hat ein Reporter der Zeitung «Welt» die NPD-Hochburg in Reinhardtsdorf-Schöna besucht, um nach Gründen für den Erfolg der NPD zu suchen.
Die meisten Einwohner schweigen
«Die Leute in Reinhardtsdorf-Schöna reden sowieso nicht viel, sowieso nicht mit Fremden, und über diese Sache erst recht nicht», schreibt der Reporter. «Ist alles so unangenehm, eine Dorfangelegenheit.» Von vielen Befragten hätten nur zwei Personen Auskunft über ihre Sympathie für die NPD gegeben. Ein NPD-Wähler gab zu Protokoll, dass er eine «grosse Wut» auf die Regierung habe, die keine Arbeitsplätze schaffe. Die andere Auskunftsperson bezog sich auf den NPD-Spitzenkandidaten, der ein «guter Kerl» sei. Eine NPD-Sympathisantin antwortete auf die Frage nach den vielen Stimmen: «Ist die Partei denn verboten?»
Menschen mit Glatzen und Nazi-Kleidung sieht man nicht auf den Strassen von Reinhardtsdorf-Schöna. Die neonazistische Kameradschaft «Skinheads Sächsische Schweiz» gibt es nicht mehr, nachdem sie vor acht Jahren vom deutschen Verfassungsschutz verboten worden war.
NPD ist gut integriert
Laut dem «Welt»-Reporter haben fast alle Bewohner von Reinhardtsdorf-Schöna mit der NPD «kein Problem». In diese Dörfer müsse man «passen». «Die NPD passt, sie hält sich an die Regeln und ist überall dabei – beim Krippenspiel, bei Sportveranstaltungen und bei der Feuerwehr. So hat sich die Basis der Partei gefestigt.» Dass das Dorf wegen der NPD-Erfolge für negative Schlagzeilen sorgt, schweisst die Einwohner zusammen.
Ein möglicher Grund für den Erfolg von nationalistischen und fremdenfeindlichen Parteien ist immer eine hohe Arbeitslosigkeit. Im Fall von Reinhardtsdorf-Schöna liegt die Arbeitslosenquote bei rund elf Prozent. Ein weiterer Grund ist die Parteienverdrossenheit, die Ablehnung der grossen Volksparteien wie SPD und CDU. Nach dem Wahlerfolg der NPD in Ostdeutschland meinte ein deutscher Zeitungskommentator: «Viele Wähler machen ihr Kreuz bei der NPD nicht mehr nur, weil sie den etablierten Parteien, wie es im NPD-Sprech heisst, einen Denkzettel verpassen wollen. Die Partei hat Stammwähler, die eine offen neonazistische Weltanschauung nicht schreckt, sondern vielleicht sogar gerade anzieht.»
Minderheit kämpft gegen NPD
In Reinhardtsdorf-Schöna wehrt sich nur eine Minderheit offen gegen die starke Position der NPD. Ein paar Einwohner haben die Bürgerinitiative «Demokratie anstiften» begründet, die der NDP entgegentreten will. Bei den letzten Gemeinderatswahlen trat die Bürgerinitiative an und holte 97 Stimmen - das waren ein Viertel der Stimmen der NPD. (vin)
Erstellt: 17.09.2009, 13:45 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.





