Ausland
Die Bruchlandung der Rebekah Brooks
Von Nina Merli. Aktualisiert am 19.07.2011 11 Kommentare
Live-Berichterstattung
Gemeinsam mit weiteren Schlüsselfiguren des britischen Abhörskandals wird Medienmogul Rupert Murdoch heute vor britischen Parlamentariern aussagen. Die Abgeordneten wollen von dem 80-Jährigen wissen, was er von den illegalen Abhörpraktiken gewusst hat. Tagesanzeiger.ch/Newsnetz berichtet mit einem Live-Ticker ab 15.30 Uhr.
Ebenfalls vorgeladen sind Murdochs Sohn James und die frühere Verlagsmanagerin Rebekah Brooks.
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Sie stellte die Menschen gern an den Pranger. Und bei ihren Mitarbeitern, so heisst es, habe Rebekah Brooks, ehemalige Chefredaktorin des Skandalblattes «News of the World», einen strengen und ungnädigen Führungsstil praktiziert. Jetzt erlebt die zurückgetretene «News International»-Chefin am eigenen Leib, was es heisst, in den Medien vorgeführt zu werden. Denn das Blatt hat sich für die einst mächtigste Medienfrau der Welt drastisch gewendet. Am vergangenen Freitag gab die Murdoch-Protegée ihren Rücktritt als Geschäftsführerin vom «News International»-Medienimperium bekannt, am Sonntag wurde sie in London verhaftet und während neun Stunden von der Polizei verhört. Heute Dienstag wird sie sich – eine Stunde nach Rupert und James Murdoch – ebenfalls einer Anhörung im Parlament stellen.
Jüngste Chefredaktorin Grossbritanniens
Brooks, die ihre Karriere mit ihrem Mädchennamen Wade startete, stieg 1989 als Reporterin beim Skandalblatt «News of the World» ein. Dort fiel die ehrgeizige junge Frau schon bald dem damaligen Chefredaktor Piers Morgan auf (Morgan trat im Januar dieses Jahres mit seiner Sendung «Piers Morgan Tonight» die Nachfolge von Larry King an), der sie zur stellvertretenden Chefredakteurin beförderte. Es heisst, sie habe sich während ihrer Zeit als «News of the World»-Journalistin einmal als Putzfrau verkleidet und sei so in die Redaktion der «Sunday Times» eingedrungen, um zu sehen, woran die Konkurrenz arbeitet.
Nach einem zweijährige Intermezzo bei «The Sun» (die Boulevardzeitung gehört ebenfalls zu Murdochs Medienimperium) übernahm Brooks, damals knapp 32 Jahre alt, als jüngste Chefredaktorin Grossbritanniens die Führung bei «News of the World» übernahm.
Kinderschänder an den Pranger gestellt
Legendär ist Brooks Aktion aus dem Jahr 2000, als sie 50 mutmassliche Sexualstraftäter mit Name und Foto auf die Titelseite des Blattes hievte. Eine öffentliche Hetzjagd, die zur Folge hatte, dass einige der Kinderschänder körperlich angegriffen wurden. Mit der Aktion, die ausserdem die Veröffentlichung von 110'000 verurteilten Kinderschändern beinhaltete, sollte der Mordfall an der kleinen Sarah Payne medial begleitet werden.
Skandale waren das täglich Brot der «News of the World»-Redaktion, und um diese zu recherchieren war anscheinend jedes Mittel recht. Nebst Abhöraktionen von Handy-Mailboxen verschiedenster Promis wie etwa Hugh Grant, der in den Ermittlungen als Zeuge aussagen soll, sollen auch die Mailboxen von Normalsterblichen abgehört und sogar manipuliert worden sein. Wie etwa im Fall des Entführungsopfers Milly Downer – der Fall ereignete sich im Jahr 2002, als Rebekah Brooks Chefredaktorin war. Bisher dementierte sie, etwas von den Abhöraktionen im Zusammenhang mit Milly Dowler gewusst zu haben, dennoch hat sie letzten Freitag, nachdem der Zorn und der Druck aus der Bevölkerung stetig gewachsen waren, ihren Rücktritt bekannt gegeben.
Verheiratet mit einem Soapstar
Brooks hatte nicht nur beruflich mit Prominenten zu tun, sondern gab sich auch privat gern mit ihnen ab. So war sie in erster Ehe mit dem britischen Soap-Darsteller Ross Kemp («The Eastenders») verheiratet. Seit 2009 ist sie mit dem ehemaligen Rennpferdetrainer Charlie Brooks verheiratet – ein gut und gern gesehener Gast an Society-Anlässen. Die mit grossem Pomp veranstaltete Hochzeitsfeier des Powercouple Wade-Brooks wies eine ansehnliche Gästeliste auf: Nebst Rupert Murdoch, Guy Ritchie, den Osbornes, Stevie Winwood, «Top Gear»-Mann Jeremy Clarkson waren auch namhafte Politiker wie Gordon Brown oder der britische Premierminister David Cameron eingeladen.
Letzter zählt ohnehin zu den engen Freunden des Ehepaars Brooks. Vergangene Weihnachten dinierten die Brooks und Camerons sogar noch gemeinsam. Eine Freundschaft, die den Premier teuer zu stehen kommen könnte und von der er sich zu distanzieren versucht. Die Enthüllungen seien schockierend, liess er in der Tageszeitung «The Guardian» verlauten: «Wir reden hier nicht mehr nur über Politiker und Prominente, wir reden hier über Mordopfer und möglicherweise Terroropfer, deren Handys gehackt wurden. Es ist abscheulich, was hier vorgefallen ist.»
(baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 19.07.2011, 08:25 Uhr
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11 Kommentare
Nun ja, jetzt wird sie das bisher gewohnte soziale Umfeld verlassen (müssen), wird von dieser feinen Gesellschaft geächtet werden..... vielleicht wird sie jetzt als Putzfrau bei der Prominenz Erfüllung finden.....wäre doch wirklich eine wertvolle Erfahrung..... Antworten
Der Markt/die Menschen bestimmen, was geschrieben wird und sie gern lesen. R.Brooks ist eine Ausführende, die das gewünschte umsetzt. Neustes Beispiel unseres(!) Revolverblatts (Mörgeli 18.7.11). Kirchensteuerzahler und „Medizinhistoriker“ Dr. Mörgeli gibt bei der Ausländerfrage wieder einmal Gas:.... Nächstenliebe. Ein Algerier ist nicht mein „Nächster“... Unter Applaus der Kommentatoren. Antworten
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