Die Festung der Neonazis

Aktualisiert am 24.02.2010

Im sächsischen Dorf Trebnitz haben Neonazis ein altes Schloss gekauft. Sie wollen es zur Schulungsbastion umfunktionieren – fernab neugieriger Blicke.

1/4 Schloss Trebnitz in Sachsen-Anhalt wurde im 17. Jahrhundert erbaut. Nun haben es zwei hohe Neonazi-Funktionäre der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) gekauft.

   

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Trebnitz

Viel gibt es im Dorf Trebnitz mit seinem knapp 1000 Einwohnern nicht zu sehen: Die Online-Enzyklopädie Wikipedia vermerkt gerade mal die Evangelische Kirche als Bauwerk von Bedeutung. Gut versteckt hinter bröckelnden Mauern und rostenden Eisenzäunen steht jedoch ein Juwel aus dem 17. Jahrhundert: Schloss Trebnitz. Dieses verzaubert die Herzen von Nostalgikern – und von Neonazis. Die beiden deutschen Rechtsextremen Thomas Wulff und Axel Schunk haben das 8000 Quadratmeter grosse Anwesen kürzlich gekauft, für gerade mal 80'000 Euro. Wulff und Schunk sind hohe Funktionäre der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD).

NPD-Sprecher Klaus Beyer betont jedoch, das er von einem Kauf nichts wisse. «Das Schloss wurde von Privatpersonen gekauft, nicht von unserer Partei», sagt er der polnischen Zeitung «Rzeczpospolita». Das glaubt in Sachsen-Anhalt jedoch keiner: Es muss laut der Nachrichtenagentur ddp damit gerechnet werden, dass Trebnitz von überregionaler Bedeutung für die Rechtsextremen werde, ein nationales Schulungszentrum für Neonazis. «Eine private Nutzung kann ausgeschlossen werden», sagt Martin Krems vom Innenministerium des ostdeutschen Bundeslands.

Niemand will der NPD Räume vermieten

Die abgeschiedene Lage wäre ideal, um im Schloss Geheimtreffen durchzuführen. Denn die NDP hat seit Jahren Probleme, Räumlichkeiten für ihre Versammlungen und Schulungen zu finden: Die Berliner Zentrale der rechtsextremen Partei befindet sich unter ständiger Beobachtung und eignet sich daher nicht dafür, und die Gemeinden hüten sich davor, der NPD öffentliche Gebäude zu vermieten. «Es ist für uns schwierig, für Parteitreffen Räume zu finden», gibt Beyer zu.

Dass sich in Trebnitz allerdings so bald Tausende Neonazis versammeln werden, ist wenig wahrscheinlich. Die NPD kämpft schon lange mit Finanzproblemen: Es werden folglich auch die Mittel fehlen, um das baufällige Schloss zu renovieren. Bereits 2001 hatte ein lokaler Neonazi das Schloss gekauft, um darin ein Schulungszentrum einzurichten. Passiert ist jedoch lange nichts. (cha)

Erstellt: 24.02.2010, 13:30 Uhr

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