Ausland

Die Haremswärterin

Von Nina Merli. Aktualisiert am 30.05.2011 2 Kommentare

Morgen beginnt in Italien der «Prozess des Jahres» rund um Ruby, Berlusconi und Bunga-Bunga. Eine Schlüsselfigur ist Nicole Minetti. Deren Leben wurde in Kürze komplett auf den Kopf gestellt.

1/5 18. Januar 2011: Nicole Minetti langweilt sich während einer Session im Regionalparlament der Lombardei.
Bild: Keystone

   

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Italiens Premierminister Silvio Berlusconi: Morgen beginnt der Prozess im Fall Ruby. Berlusconi muss sich wegen Sex mit einer Minderjährigen und Amtsmissbrauch vor Gericht verantworten. (Bild: Keystone )

Rubygate-Prozess

Genau sieben Minuten dauerte die erste Anhörung im «Fall Ruby» am vergangenen 6. April. Sieben Minuten, um den Prozess auf den 31.Mai, also morgen, zu vertagen.
Das Verfahren gilt als «der Prozess des Jahres» und wird mit grosser Spannung erwartet: Der italienische Ministerpräsidenten muss sich wegen seiner Affäre mit der minderjährigen Prostituierten, Karima El-Mahroug alias «Ruby Rubacuori» und dem Vorwurf des Amtsmissbrauchs vor Gericht verantworten. Dies weil Berlusconi mit einem Telefonanruf das marokkanische Escort-Girl vor dem Gefängnis bewahrt haben soll. Im Falle einer Verurteilung drohen Silvio Berlusconi bis zu 15 Jahre Haft.
Der Prozess wird im Mailänder Gerichtssaal ohne Fernsehkameras und Fotografen abgehalten, allerdings werden Journalisten im Gerichtsaal zugelassen sein. Geführt wird der Prozess von drei Richterinnen: Giulia Turri, Carmen und Orsola De Cristofaro.

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«Ich fühle mich, als ob man mich in einen Mixer gesteckt hätte.» In einem Interview mit der italienischen Tageszeitung «La Stampa» beklagt sich die 26-jährige Neo-Politikerin, dass man gerade im Begriff ist ihr «Leben zu ruinieren». Dass sie einst in einen der grössten Sex-Skandale der italienischen Geschichte verwickelt sein würde, hätte die italienische Regionalparlamentarierin Nicole Minetti nicht gedacht, als sie vor einem Jahr ihre Politkarriere startete.

Berlusconi-Verehrung gehört zur Familientradition

Dabei hatte alles so gut begonnen. Die Studentin arbeitete, um ihrer «Familie finanziell nicht zur Last zu fallen», wie sie in einem Interview auf ihrer Homepage nicoleminetti.it sagt, nebenbei als TV-Tänzerin. Doch die zielstrebige Nicole («Fragen Sie mich nicht wieso, aber ich habe schon immer gewusst, dass ich den Politweg einschlagen würde») finanzierte sich ihr Kurzstudium der Dentalhygiene nicht nur mit Showeinlagen in TV-Shows, sondern auch als Messe-Hostess. Und genau während eines Einsatzes als Hostess, lernt sie ihr grosses Idol Silvio Berlusconi kennen und darf ihm zum ersten Mal die Hand drücken.

Eine Schwärmerei, die übrigens Tradition hat im Hause Minetti, wie auf der Homepage weiter zu lesen ist: «Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der die Grossmutter, der Vater, die Schwester – also wirklich alle – grosse Verehrung für Silvio Berlusconi empfinden.» In den Medien wurde geschrieben, Minetti hätte den Premier in ihrer Funktion als Dentalhygienikerin kennengelernt, als dieser nach einer Attacke auf ihn seine Zähne habe richten lassen. «Alles Lügen», behauptet Minetti. Besagter Händedruck und ihre ihm vermittelte Begeisterung für die Politik hätten ihren Weg zur Parlamentarierin geebnet.

Lügen haben schöne Beine

Nun sind es aber ihre eigenen Lügen über die die Politikerin zu stolpern scheint. Im Fall «Ruby Rubacuori» ist Nicole Minetti, nebst Emilio Fede, Chefredaktor der Tagessschau des Berlusconi-Senders TG4 und Lele Mora, Showgirl-Manager, der Beihilfe zur Prostitution beschuldigt. Sie soll junge Frauen für die berüchtigten Bunga-Bunga-Parties des Premiers in dessen Privatsitz in Arcore bei Mailand rekrutiert haben.

So war es auch Nicole Minetti, die das marokkanische Escortgirl vom Polizeiposten abholte, nachdem der Premier persönlich für Rubys Freilassung gesorgt hatte. Und wie gewisse Untersuchungsberichte der Mailänder Staatsanwaltschaft belegen, soll Nicole Minetti laut Abhörberichten dem Premier auch nicht gänzlich abgeneigt gewesen sein: «… und die Minetti mit entblösster Brust küsste Berlusconi fortwährend, eigentlich eine Hurerei, nicht?» ist den Protokollen zu entnehmen.

«Ich bin keine Haremswärterin»

Seither steht Minettis Leben Kopf. Die Politikerin weist zwar alle Vorwürfe von sich. Sie sei nicht Berlusconis Haremswärterin, will dann aber doch nicht erklären, wieso vier Wohnungen der Via Olgettina 65, wo einige Berlusconis «Papi-Girls» untergebracht waren auf ihren Namen laufen, genauso wie die Strom- und Telefonrechnungen. In der aktuellen Ausgabe der italienischen GQ gibt die Politikerin inzwischen eine «emotionale Bindung» zu Berlusconi zu.

Denn öffentlich steht Nicole Minetti voll und ganz hinter Berlusconi und auch auf ihrer Homepage findet sie nur lobende Worte, beschreibt ihn wie einen Vater, der keine Angst hat von seinen Kindern überholt zu werden und ihnen stattdessen sein Wissen grosszügig weitergibt. Die Abhörprotokolle zeichnen ein etwas anderes Bild als das der schwärmenden, leicht naiven aber auch sehr ehrgeizigen und engagierten Vollblutpolitikerin.

In einem Gespräch mit Barbara Faggiolo, ehemaliges Playboy-Bunny und ebenfalls eine Habituée der Berlusconi-Parties, spricht Minetti Klartext: «Es ist mir scheissegal. Ich lass mich doch nicht verarschen. Er benimmt sich wie ein Stück Scheisse, nur um seinen verwelkten Arsch zu retten. Er hat mich in eine Situation gebracht, in die ich allein nie geraten wäre, auch wenn ich mich voll reingehängt hätte.» Eine Situation, in der der 26-Jährigen nun plötzlich alles über den Kopf wächst – und sie sich wie in einem Mixer fühlt. Eine Situation, die mit dem morgigen Prozessbeginn ihr Leben wohl erst recht durchschütteln wird. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.05.2011, 14:31 Uhr

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2 Kommentare

Roland Peter

30.05.2011, 17:18 Uhr
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Man langt sich nicht einmal an den Kopf. Man muss es nicht einmal hinterfragen, mit welchen Mitteln Frau Minetti es geschafft hat, in das reg. Parlament zu kommen. Antworten


Marc Oesterle

30.05.2011, 18:14 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Offenbar kann man sich in der italienischen Politik durch das Bett hochdienen. Antworten




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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.