Ausland

«Die Pläne für Fessenheim sind mehr als nur ein Bluff»

Von Vincenzo Capodici. Aktualisiert am 15.04.2011 6 Kommentare

Die Chancen, dass das französische AKW nördlich von Basel abgestellt wird, waren noch nie so gut. Die Hoffnung der AKW-Gegner nährt auch ausgerechnet ein Verfechter der Atomenergie, Präsident Nicolas Sarkozy.

Er erwägt die Stilllegung des AKW Fessenheim: Nicolas Sarkozy.

Er erwägt die Stilllegung des AKW Fessenheim: Nicolas Sarkozy.
Bild: Keystone

Fessenheim

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Seit der Fukushima-Katastrophe wächst der Widerstand gegen das AKW Fessenheim im Elsass. Das ist auch im Elysée-Palast in Paris zur Kenntnis genommen worden. Mehr noch: Präsident Nicolas Sarkozy kündigte an, den Atommeiler vom Netz zu nehmen, sollte dieser die bereits laufenden Tests nicht bestehen. Zur Diskussion steht eine Laufzeitverlängerung für das Kernkraftwerk.

Das AKW Fessenheim ist aus mehreren Gründen umstritten: Es ist das älteste AKW Frankreichs, und es liegt im erdbebengefährdeten Oberrheingraben und tiefer als der Wasserspiegel des Rheins.

Atomkonsens auf dem Prüfstand

Die Debatte um die Reaktorsicherheit ist in Frankreich plötzlich wieder ein Thema, das in der Politik wahrgenommen wird. Weil der Atomkonsens bröckelt, ist Sarkozy – nach Ansicht von Beobachtern – bereit, die Abschaltung von Fessenheim als Bauernopfer in Erwägung zu ziehen. Meint es Sarkozy ernst mit seiner Ankündigung? «Die Pläne für Fessenheim sind mehr als nur ein Bluff», sagt Frank Baasner, Direktor des Deutsch-Französischen Instituts (DSI) in Ludwigsburg, gegenüber baz.ch/Newsnet. Aufgrund der neuen AKW-Debatte müsse sich Sarkozy eine Strategie überlegen, wie er an dem französischen Atomkurs festhalten, aber doch Anpassungsfähigkeit unter Beweis stellen kann.

«Durch Fukushima und die dauernden Bilder kann heute niemand mehr behaupten, dass man nicht über Atompolitik reden müsste», sagt Baasner. «Aber es ist nicht damit zu rechnen, dass Frankreich seine gesamte Strategie schnell ändert.»

«Interessen sind zu gross, wirtschaftliche Kosten auch»

Oliver Meiler, «Tages-Anzeiger»-Korrespondent in Frankreich, beurteilt die Situation ähnlich. Sarkozy sei ein absolut überzeugter Atompolitiker, sagte er auf Anfrage von baz.ch/Newsnet. «Die Regierung ist bedacht darauf, die Expertise Frankreichs in den Vordergrund zu stellen, was Technologie und Sicherheit betrifft. Und da sind die Franzosen tatsächlich führend.» Laut Meiler wird sich in der Atompolitik nicht viel ändern, obschon nach den Grünen neuerdings auch die Sozialisten eine kritische Haltung einnehmen. «Die Interessen sind zu gross, die wirtschaftlichen Kosten auch.»

«Wenn mit der Stilllegung von Fessenheim allein die Stimmung im Land beruhigt wäre, dann wäre es ein überschaubares Opfer für Sarkozy», sagt TA-Korrespondent Meiler. Frankreich habe insgesamt 58 Reaktoren (inklusive der 4 Reaktoren von Fessenheim).

«Präsidentenwahlkampf 2012 kann viel verändern»

Gemäss einem Bericht der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (FAZ) dürfte die Abschaltung von Fessenheim nicht zuletzt wirtschaftlichen Interessen geschuldet sein. Denn nach einer Verschärfung der Sicherheitsstandards könnten die Wartungs- und Modernisierungsarbeiten so teuer werden, dass eine Laufzeitverlängerung für Fessenheim sich nicht mehr rechnen würde.

Mit Ausnahme von Strassburg und den umliegenden Gemeinden, die in der Nähe des AKW Fessenheim liegen, ist die Stimmung in Frankreich nicht aufgeheizt. Dies könnte sich allerdings noch ändern. «Der Wahlkampf für die Präsidentenwahl 2012 kann viel verändern», meint Frank Baasner. Wenn Nicolas Hulot als Kandidat der Ökologie-Bewegung Erfolg habe, könne der Anti-AKW-Kurs wahlentscheidend werden. «Und dann wäre die Bewegung sehr stark, auch wenn sie heute noch nicht die Diskussion beherrscht oder anführt.» In einem solchen Fall müsste Präsident Sarkozy, der unbedingt wiedergewählt werden möchte, den AKW-Gegnern wohl entgegenkommen. Dazu sagt TA-Korrespondent Meiler: «Sarkozy kann auch umschwenken, wenn es der Volkswille so wollte.»

Auch Basel verlangt Stilllegung des AKW Fessenheim

Inzwischen wächst der Widerstand gegen das AKW Fessenheim. Diese Woche verlangte der Stadtrat von Strassburg die Schliessung des AKW – das war eine Premiere. Dieser Forderung, die auch von Mitgliedern der Sarkozy-Partei UMP mitgetragen wird, hat sich nun eine weitere elsässische Gemeinde angeschlossen.

Bereits vor drei Wochen hatten die Regierungen von Basel-Stadt und Basel-Landschaft die sofortige Stilllegung des AKW Fessenheim gefordert. In einer heute veröffentlichten Mitteilung verlangt dies auch die Gemeinde Riehen (BS). Damit folgte Riehen einem Aufruf des Trinationalen Atomschutzverbandes von Atomenergiegegnern am Oberrhein. Auch aus dem deutschen Bundesland Baden-Württemberg kommt Widerstand. Schliesslich machen auch die Anti-AKW-Bewegungen in der Schweiz, Deutschland und Frankreich Druck, damit Fessenheim vom Netz genommen wird. Die Chancen waren noch nie so gut, dass das 1978 in Betrieb genommene AKW abgestellt wird. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.04.2011, 16:04 Uhr

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6 Kommentare

Eric Cerf

15.04.2011, 17:20 Uhr
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Na klar, Stecker raus bei Fessenheim, nicht nur wir Bebbis haben Schiss vor dem Krückenmeiler. Sicher muss auch Mühleberg vom Netz, dieses AKW ist auch altersschwach und morsch, trotz Nachrüstung. Genau so in den Abfallkübel gehören Beznau 1 + 2, Uraltmeiler der ersten Generation, 40 Jahre alt, es längt, Abbruch und entsorgen. Antworten


Arnold Peter

15.04.2011, 16:19 Uhr
Melden 37 Empfehlung

Sollte man unbedingt abschalten Antworten




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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.