Ausland
Die Trauerzüge von Wootton Bassett
Von Peter Nonnenmacher, Wootton Bassett (Wiltshire). Aktualisiert am 11.11.2009 5 Kommentare
Es ist ein grauer, bitterkalter Novembertag an der Hauptstrasse von Wootton Bassett. Rund 2000 Menschen haben sich am Strassenrand aufgestellt Anwohner, Auswärtige, Regimentskollegen, Veteranen mit bunten Bannern, den Schirm am Arm. Als die schwarzen Limousinen mit den sechs Särgen im Schritttempo in die Stadt rollen und der Nieselregen für ein paar Minuten aussetzt, neigen sich die Köpfe, senken sich die Banner. Die angetretenen Militärs nehmen Haltung an.
Die kleine Stadt in der Grafschaft Wiltshire, die auf dem Weg vom Militärflughafen Lyneham zur Leichenhalle der John-Radcliffe-Klinik in Oxford liegt, erweist den in Afghanistan gefallen Soldaten des Königreichs die letzte Ehre. Von St. Bartholomews und All Saints her läuten die Glocken. Kameralichter blitzen, ein paar Momente lang hört man nur das Brummen der Automotoren. Blumen werden auf sechs Autodächer geworfen. Danach bewegt sich der Konvoi weiter.
Ein Konvoi um den anderen
«Wenigstens kann man auf diese Weise seinen Respekt für diese Leute bekunden», erklärt ein Rentnerpaar seine Anwesenheit. «Wir sind zutiefst dankbar für diese Unterstützung», nickt Generalmajor William Cubitt, der die britische Militärführung vertritt. «Die Menschen hier unterstützen unsere Truppen obwohl es ihnen zunehmend schwerfällt zu verstehen, ob wir recht haben oder nicht mit unserem Einsatz.»
98-mal sind Trauerzüge dieser Art schon durch die kleine Stadt gerollt, die zwei Autostunden westlich von London liegt. Nach den Toten aus dem Irak-Krieg ist es die rasch wachsende Zahl der in Afghanistan Gefallenen, die nun in steten Schüben durch die Stadt rollen. Allein in diesem Jahr sind nahezu 100 britische Soldaten am Hindukusch ums Leben gekommen mehr als 230 sind es seit dem Jahr 2001.
Angehörige beunruhigt
Die steigende Zahl der Opfer, die Grossbritannien in diesem Konflikt verkraften muss, hat die Angehörigen der in Afghanistan stationierten 9000 Soldaten zutiefst beunruhigt. Er hat zugleich den Zorn derer verstärkt, die bereits gefallene Angehörige zu beklagen hatten zumal sich zunehmend Zweifel an der Strategie und am Sinn dieses Krieges regen. Schon während der jährlichen Feiern zum Gedenken der Kriegstoten musste sich die britische Regierung in den letzten Tagen fragen lassen, ob sie, statt für Frieden zu sorgen, nicht leichtfertig die Zahl der Toten vermehre.
Auch der immer kürzere Takt der Trauerzüge durch Wootton Bassett hat solche Fragen ausgelöst. Hier, in Wiltshire, wird der Nation immerhin konkret vor Augen geführt, welches die Konsequenzen ihrer Entscheidungen sind. Dabei war es reiner Zufall, dass dieses Städtchen stellvertretend für das Königreich zum Ort der Begegnung mit den Kriegstoten der Nation wurde.
«Anlieferung» verlegt
Vor 2007 wurden die toten Krieger noch zum Militärflughafen Brize Norton geflogen und von dort aus eher diskret weiterbefördert. Als die dortige Landebahn wegen Ausbesserungsarbeiten geschlossen werden musste, verlegte man die «Anlieferung» zum Flughafen Lyneham, von wo aus die Route der Konvois durch Wootton Bassett führt. An dieser Strasse standen, als der erste Konvoi durch die Stadt gerollt kam, zufällig drei Kriegsveteranen. Die zogen betroffen ihre Kappen und baten danach das Verteidigungsministerium in London, dem Veteranenverband doch Bescheid zu geben, falls weitere Konvois zu erwarten seien.
Das tat das Ministerium, und in der Folge sammelten sich ausser Mitgliedern der British Legion auch Bewohner der Stadt am Strassenrand, um den Gefallenen die letzte Ehre zu erweisen. Geschäfte schlossen. Glocken begannen zu läuten. Die Presse rückte an. Auswärtige mischten sich unter die Ortsansässigen. Wootton Bassett wurde zum Schauplatz eines neuen Rituals. Inzwischen fürchten die Anwohner allerdings, dass eine wachsende Zahl von «Trauertouristen» das Ritual in ein unleidliches Spektakel verwandelt. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 11.11.2009, 04:00 Uhr
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Die USA haben einen Kriegsgrund erlogen, sie haben ihre Bürger betrogen. Im Sarg ist nicht nur ein amerikanischer Soldat, sondern das amerikanische Gewissen. Obama befiehlt, dass der Täter im Jenseits bsetraft wird. Lieber Obama Gott (falls er existiert) befiehlt man nicht. Es ist gut möglich, dass gar Präsidenten mit Eisen an den Kaukasus geschlagen werden, oder einen Sisyphosstein erhalten. Antworten
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.





