Ausland
Der Krieg hat Damaskus erreicht
Aktualisiert am 16.07.2012 88 Kommentare
Krieg in Damaskus
Die heftigsten Kämpfe seit Beginn des Aufstandes: Schüsse und Explosionen in Damaskus, 16. Juli 2012. (Youtube/Storyful)
«Spuren von Artillerie- und Mörsereinsatz»: Eine Sprecherin der UNO-Beobachtermission erläutert die Beobachtungen in Tremse. (Video: Reuters)
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Die Kämpfe in Syrien greifen zunehmend auch auf die Hauptstadt Damaskus über. Regierungstruppen und bewaffnete Anhänger der Opposition liefern sich dort den zweiten Tag in Folge Gefechte. Aktivisten erklären, die Kämpfe zählten zu den heftigsten seit Beginn des Aufstands vor 16 Monaten. Kurzzeitig sei deswegen erstmals auch die Strasse zwischen Damaskus und dem Internationalen Flughafen geschlossen gewesen, sagte der in Syrien lebende Aktivist Mustafa Osso.
Besonders heftig seien die Kämpfe in den Stadtteilen Kfar Suse, Midan und Tadamon gewesen, erklärte die in Grossbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Nach Angaben eines Anwohners, der anonym bleiben wollte, waren anders als zuletzt Schüsse und sporadische Explosionen auch tagsüber zu hören. Osso sagte, es scheine sich um eine neue Strategie der in der Freien Syrischen Armee zusammengeschlossenen Rebellen zu handeln. «Die Hauptstadt war immer sicher. Dies wird das Regime beunruhigen.» Anders als Teile der syrischen Provinz war Damaskus bisher fest in der Hand der Truppen von Präsident Baschar Assad.
Im historischen Stadtviertel Midan haben nach Angaben von Aktivisten erstmals Panzer und Truppentransporter der syrischen Armee Stellung bezogen. Zuvor seien stets syrische Sicherheitskräfte in das Viertel in der Innenstadt geschickt worden, sagte der Leiter der Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman. «Jetzt ist es das erste Mal, dass in Midan Panzer und Truppentransporter sind», sagte er. Die Fahrzeuge seien mit schweren Maschinengewehren ausgerüstet, sagte ein Augenzeuge.
Russland wirft Westen Erpressung vor
Unterdessen gingen die internationalen Bemühungen zur Beilegung des Konflikts weiter, den das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) mittlerweile offiziell als Bürgerkrieg einstuft. Der Iran bot sich als Vermittler zwischen dem Regime und Oppositionellen an. Teheran sei bereit, Opposition und Regierungsvertreter zu Gesprächen einzuladen, meldete die halbamtliche iranische Nachrichtenagentur Isna unter Berufung auf Aussenminister Ali Akbar Salehi. Die Aufständischen dürften der Einladung aus Teheran allerdings kaum folgen. Sie lehnen Verhandlungen mit dem Assad-Regime ab und kritisieren die Regierung in Teheran für ihre Loyalität zu Damaskus.
Der russische Aussenminister Sergej Lawrow warf dem Westen im Ringen um eine gemeinsame internationale Strategie zur Lösung des Konflikts in Syrien Erpressung vor. Die westlichen Länder drohen, das Mandat für die Mission unbewaffneter UN-Beobachter nicht zu verlängern, falls Russland ihnen nicht seine Zustimmung zu einer UN-Resolution geben würde, die letztlich auch den Einsatz militärischer Mittel ermöglichen würde. Dies sei schlicht Erpressung, sagte Lawrow in Moskau. Der internationale Sondergesandte für Syrien, Kofi Annan, wird noch heute in Moskau erwartet.
Der Beobachtungsstelle zufolge kamen gestern landesweit mehr als 115 Menschen ums Leben. Sechs Menschen sollen in Damaskus getötet worden sein, darunter ein Kind. Das Aktivistennetzwerk stellte ein Video ins Netz, das die Folter eines desertierten Soldaten in Al Schadadi in der Provinz Hasake zeigen soll.
UN untersuchen Gewalt in Tremse
Die Vereinten Nationen widersprachen indes sowohl der Darstellung des Assad-Regimes als auch der Rebellen über die Gewalt in Tremse. Den UN-Beobachtern zufolge galt der Angriff am Donnerstag auf die Ortschaft in der Provinz Hama vor allem desertierten Soldaten und Regimegegnern. Nach einem zweiten Besuch am Sonntag hiess es vonseiten des UN-Teams, syrische Regierungstruppen seien nach dem Bombardement von Tremse mit schweren Waffen und Kampfhubschraubern von Tür zu Tür gegangen und hätten die Identität der Bewohner überprüft. Einige seien getötet, andere mitgenommen worden.
Die Opposition hatte den Angriff auf Tremse als folgenschwerstes Massaker seit Beginn der Proteste gegen Assad im März vergangenen Jahres bezeichnet, bei dem zwischen 100 und 200 Menschen ums Leben gekommen seien - vorwiegend Zivilisten.
Der syrische Aussenministeriumssprecher Jihad Makdissi erklärte am Sonntag in Damaskus, der Angriff habe nicht Zivilisten gegolten. Vielmehr habe es sich um eine Militäraktion gegen bewaffnete Kämpfer gehandelt, die Kontrolle über die Ortschaft ergriffen hätten. 37 Bewaffnete und zwei Zivilisten seien getötet worden. «Was über den Gebrauch von schweren Waffen gesagt wurde, entbehrt jeder Grundlage», fügte er hinzu.
Marokko weist syrischen Botschafter aus
Das IKRK stuft den Syrien-Konflikt fortan als Bürgerkrieg ein. Sprecher Hicham Hassan sagte, Kampfhandlungen hätten sich von den Konfliktherden Idlib, Homs und Hama auf andere Landesteile ausgeweitet. Humanitäres Völkerrecht gelte nun für alle Gebiete, wo Kampfhandlungen stattfänden.
Marokko erklärte den syrischen Botschafter in Rabat zur unerwünschten Person. Der Diplomat Nabih Ismael sei aufgefordert worden, das Land zu verlassen, sagte der marokkanische Kommunikationsminister Mustapha Chalfi der Nachrichtenagentur AP. Ob auch der eigene Botschafter aus Damaskus abgezogen werde, sei noch nicht entschieden. (kle/mw/fko/sda/dapd)
Erstellt: 15.07.2012, 13:38 Uhr
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88 Kommentare
Tja, das ist ein Bürgerkrieg.. ein Resultat des Versuchs alle diese arabischen Regime zu destablisieren. Bin kein Freund von Assad, v.a. auch nicht weil er auch gegen Israel drohte, aber was nach ihm kommt wird wohl noch viel schlimmer, dann werden Sunniten die Allewiten, Christen, Drusen und andere Minderheiten umbringen und es könnte auf den Libanon überschwappen. Antworten
Find ich immer unterhaltsam wenn die Turkei einen "Voelkermord" in Syrien kritisiert, aber gleichzeitig den armenischen Genozid durch die Tuerken selbst bestreitet und sich jede Kritik verbietet. Ich glaube, das nennt man Hypokrisie. Ich kann die Tuerkei deshalb nicht ganz ernst nehmen. Antworten
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