Ausland
E-Mail-Affäre überschattet Kopenhagen
Von Peter Nonnenmacher. Aktualisiert am 06.12.2009 2 Kommentare
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Klimaforscher studieren seit den 80er-Jahren die Erderwärmung
Das Klimaforschungs-Institut der Universität von East Anglia (Climatic Research Unit, CRU) in Norwich betrachtet sich als «eine der weltweit führenden Institutionen zum Studium des natürlichen wie des vom Menschen verursachten Klimawandels». Es wurde schon 1972 gegründet, um Klimamuster rund um den Erdball zu identifizieren. Seit 1978 produziert das Zentrum seine berühmte Weltkarte mit globalen Temperaturdaten. Es war federführend bei der Entwicklung neuer statistischer Methoden wie der historischen Wärmebestimmung durch Wachstumsringe bei Bäumen. In den 80er-Jahren konzentrierte es sich auf die globale Erwärmung, deren Ursachen und Folgen.
Die CRU-Mitarbeiter trugen wesentlich zu den grossen Klima-Bestandesaufnahmen des Uno-Klimarates (IPCC) zwischen 1990 und 2007 bei. Inzwischen ist CRU zum prominentesten Teil der Universität von East Anglia geworden. Es bietet Magisterkurse und Doktorate in Klimaforschung an und beschäftigt mehr als drei Dutzend Wissenschaftler und Doktoranden. Sein nun suspendierter Leiter, Professor Phil Jones, war Ko-Direktor des Instituts seit 1998 und alleiniger Verantwortlicher seit 2004.
Als Phil Jones sich 1999 über die gelungene Anwendung eines wissenschaftlichen «Tricks» freute, hätte er wohl kaum gedacht, dass zehn Jahre später die Uno diese Bemerkung zum Thema einer Untersuchung machen und sich Kollegen vor einem der wichtigsten Umweltgipfel die Haare raufen würden.
Inzwischen geniesst der Professor von der englischen Universität East Anglia Polizeischutz, weil er Todesdrohungen erhalten hat. Er selbst, bisher Chef einer der renommiertesten Forschungseinrichtungen in Klimafragen, hat sich suspendieren lassen, um einer hochschulinternen Untersuchung «nicht im Weg zu stehen». Zwar hält der Leiter des Klimaforschungs-Instituts (Climatic Research Unit, CRU) der ostenglischen Universität, was gegen ihn vorgebracht wird, für «vollkommenen Unsinn». Aber Jones hat einsehen müssen, dass seine Worte von damals inzwischen schwerwiegende und nun gar globale Folgen nach sich ziehen.
Studien aus Klimaberichten herausgehalten
Dankbar haben sich Politiker, die den Klimawandel für ein lästiges Hirngespinst halten, auf die Jones-Affäre gestürzt und ihr das Etikett «Climategate» aufgeklebt. Unbekannte hatten vor zwei Wochen Hunderte vertraulicher E-Mails ins Internet gesetzt, in denen CRU-Forscher während 15 Jahren Probleme mit auswärtigen Kapazitäten erörterten. So hatte Jones seinem Kollegen Michael Mann von der Universität Pennsylvania berichtet, ihm sei es gelungen, bei einem Diagramm einen zeitweisen Temperaturrückgang «zu verdecken». Die Methode bezeichnete Jones als «Mikes Naturtrick». Er bestand darin, eine mehr als 1000 Jahre abdeckende Analyse von Wachstumsringen in Bäumen für die letzten, noch fehlenden Jahrzehnte durch real gemessene Temperaturen zu ergänzen. In einer «streng vertraulichen» Mail von 2004 schlug Jones seinem Kollegen Mann ausserdem vor, die Studien zweier «Klimaskeptiker» aus weiteren Klimaberichten der Uno «irgendwie herauszuhalten». Die beiden, angeblich Stephen McIntyre und Ross McKitrick, hatten mehrere Studien in der diskreditierten Zeitschrift «Climate Research» veröffentlicht, die mit der Öl- und Kohle-Industrie im Bunde stand.
Der politischen Rechten in Grossbritannien, aus deren Reihen sich die Skeptiker hauptsächlich rekrutieren, jubelten: Jones und seine Leute hätten mit allerlei «Tricks» Daten manipuliert und versucht, Kritiker mundtot zu machen. Das zeige, wie wenig Vertrauen man dem «hysterischen» Geschrei über den Klimawandel schenken könne, fand der Direktor der jüngst in London gegründeten «Stiftung für Politik zur globalen Erwärmung», Benny Peiser.
Kritiker nahe bei Ölkonzernen
Der Präsident des Verbandes, der frühere Tory-Schatzkanzler Lord Nigel Lawson, mit mehreren Ölkonzernen geschäftlich eng verbunden, fand seine Skepsis ebenfalls bestätigt. Sein Parteikollege David Davis kritisierte die «Fixierung der grünen Bewegung» auf wirtschaftlich riskante CO²-Vorgaben für die Industrie. Das Boulevardblatt «Daily Express» schrieb auf der Titelseite vom «Betrug» in Sachen Klimawandel. Und aus den USA tönte es entsprechend zurück. Er habe ja «schon immer gewusst»», dass «die ganze Geschichte erfunden» sei, verkündete Radiosprecher Rush Limbaugh.
Schockiert standen britische Klimaforscher dieser hinterlistigen Attacke auf ihre Glaubwürdigkeit gegenüber. Etliche Kommentatoren rieten Professor Jones zum raschen Rücktritt. Von einer akademischen «Verschwörung» könne keine Rede sein, wehrte der Umweltforscher und Regierungsratgeber Andrew Watson weitere Verdächtigungen ab: Die Debatte der vergangenen Jahre habe «klar ergeben», dass das Klima sich wandle und dies nur mit menschlichen Aktivitäten erklärt werden könne.
Meteorologen bestätigen Jones
Wie andere Experten wiesen auch die Forscher des Meteorologischen Amtes Grossbritanniens darauf hin, dass die CRU-Daten immerhin mit denen führender Klima-Institute in den USA übereinstimmten, der Vorwurf der Manipulation also unhaltbar sei: «Das Ganze nimmt sich doch sehr wie ein Versuch aus, die robuste Forschung einiger der respektiertesten Wissenschaftler der Welt zu diskreditieren.»
Die «andere Seite» habe sich zu einer «unappetitlichen Schmierenkampagne» herabgelassen, klagte Michael Mann aus Pennsylvania. Die Londoner «Times» berichtete, die E-Mail-Hacker hätten sich gemäss Polizei mehrere Wochen Zeit gelassen mit ihrer Veröffentlichung – um vor dem Kopenhagener Gipfel einen maximalen Effekt zu erzielen.
Uno kündigt Untersuchung an
Dass sie den nun auch haben, verdanken sie dem saudischen Unterhändler beim Gipfel, Mohammad al-Sabban, der am Donnerstag sagte, die E-Mails aus East Anglia würden eine Vereinbarung zur Begrenzung von Treibhausgasen zunichte machen: Diese Mails zeigten, «dass es absolut keinen Zusammenhang zwischen menschlichen Aktivitäten und Klimawandel gibt».
Am Freitag kündigten die Uno ihre Untersuchung der Affäre an. «Wir wollen auf keinen Fall irgendetwas unter den Teppich kehren», beteuerte der Vorsitzende des Klimawandelforums der Uno, Rajendra Pachauri. «Das ist eine ernste Sache. Wir werden uns das im Einzelnen ansehen.»
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 06.12.2009, 20:46 Uhr
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2 Kommentare
Die ganze Geschichte passt zu den Mitteilungen der WMO vor zwei Wochen, die CO2 Daten aus dem Jahre 1750 postuliert, obwohl das Molekül erst 1754 gefunden wurde. Es scheint also üblich zu sein, dass man Daten aus verschiedenen Quellen mischt. Welche Effekte dies haben wird, kann man den Fachleuten überlassen, aber glaubwürdiger wird die Klimmadebatte dabei sicher nicht. Antworten
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