Ausland

EU warnt USA davor, Eintrittsgeld zu verlangen

Von Stephan Israel. Aktualisiert am 08.09.2009

Brüssel protestiert gegen neue Hürden für Reisende nach Amerika: Die USA wollen den Europäern für die Einreise bis zu 20 Dollar abknöpfen.

Fingerabdruck genügt nicht, jetzt wollen sie auch noch Geld: Einreise in die USA.

Fingerabdruck genügt nicht, jetzt wollen sie auch noch Geld: Einreise in die USA.

Touristen und Geschäftsleute aus Europa müssen sich bei der Einreise in die USA auf neue Überraschungen einstellen: Demnächst könnten die US-Einreisebehörden von Besuchern aus Staaten ohne Visumspflicht eine Gebühr von 10 bis 20 Dollar verlangen. Die Europäer seien alarmiert, warnt EU-Botschafter John Bruton in Washington. Das Eintrittsgeld sei eine weitere Hürde. Damit der Tourist aus Europa in den USA seine Euro ausgeben dürfe, müsse er künftig noch eine Gebühr entrichten, wundert sich der Diplomat.

Der Ire Bruton spricht in seinem Brief an die 100 US-Senatoren Klartext. Die Zahl der Besucher aus Europa sei ohnehin rückläufig, im letzten Jahr waren es noch knapp 13 Millionen. Die Wirtschaftskrise spiele sicher eine Rolle, doch die strengen Einreisevorschriften und Wartezeiten an den Grenzen wirkten auf USA-Reisende abschreckend. Auch die Tatsache, dass bei der Einreise Fingerabdrücke genommen werden, kommt bei Reisenden aus Europa nicht gut an. Das neue Eintrittsgeld für die USA ist im «Travel Promotion Act of 2009» vorgesehen, einem Gesetz mit dem Ziel der Tourismusförderung, das demnächst im US-Kongress diskutiert wird.

Bruton ist erstaunt darüber, dass die Gebühr zum Zweck der Tourismusförderung erhoben werden soll. Im Gesetzesentwurf ist eine Summe von 10 Dollar vorgesehen, laut einem Änderungsvorschlag könnte die Einreise in die USA am Ende 20 Dollar kosten. Das Geld soll in eine Werbekampagne von Nichtregierungsorganisationen fliessen, um die Einreisepolitik der USA gegenüber internationalen Geschäftsleuten, Touristen und Studierenden besser zu verkaufen. Nur in einer irrealen Welt wie im Märchen von «Alice im Wunderland» sei eine Strafgebühr für jene Aktivität vorstellbar, die man fördern wolle, schreibt Bruton an die Senatoren. Der EU-Botschafter befürchtet, dass am Ende nicht mehr, sondern weniger Europäer in die USA reisen werden.

Auch bei der EU-Kommission in Brüssel stossen die Pläne der US-Regierung auf Unverständnis. Bürger fast aller EU-Staaten wie auch der Schweiz profitieren vom «Visa Waiver Program» und können visumsfrei nach Amerika. Seit Anfang Jahr müssen sich allerdings alle USA-Besucher aus Staaten ohne Visumspflicht 72 Stunden vor der Einreise per Internet anmelden und eine elektronische Reisegenehmigung einholen. Die Registrierung über das «Electronic System for Travel Authorization» (Esta) ist Voraussetzung, dass ein Passagier in Europa überhaupt in eine Maschine mit Ziel USA steigen kann.

Bis jetzt keine Gebühr für US-Bürger

«Man hat uns versprochen, dass die Online-Registrierung bei Esta kostenlos sein wird», sagt Michele Cercone, Sprecher von Justizkommissar Jacques Barrot. Sollte sich dies ändern, müsse die EU-Kommission über die Bücher. Sie werde überprüfen müssen, ob die elektronische Reisegenehmigung Esta mit Gebühr nicht doch eine versteckte Wiedereinführung der Visumspflicht bedeuten, schreibt auch Bruton. Er warnt vor dem Ruf in der EU, von Amerikanern ähnliche Gebühren bei der Einreise nach Europa abzuverlangen: «Das könnte noch mehr Besucher von Reisen über den Atlantik abschrecken.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.09.2009, 06:52 Uhr

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