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«Es gibt Versuche, den Papst in den Missbrauchsskandal zu ziehen»
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«In den letzten Tagen gab es einige Personen, die mit einer gewissen Verbissenheit in Regensburg und in München nach Elementen gesucht haben, um den Heiligen Vater persönlich in die Missbrauchsfragen mit hineinzuziehen», sagte Vatikan-Sprecher Lombardi am Samstag in Rom. Für jeden objektiven Beobachter sei aber klar, «dass diese Versuche gescheitert sind».
In Regensburg geht es um Missbrauchsfälle bei den Domspatzen, die Benedikts Bruder Georg Ratzinger lange Zeit geleitet hatte. Auch im jüngsten Münchner Fall sei deutlich, dass der damalige Erzbischof Joseph Ratzinger nichts zu tun hatte mit Entscheidungen, «nach denen es später dann zu den Missbräuchen kommen konnte».
«Kirche geht deutlich ihren Weg»
Ratzinger hatte der Versetzung eines wegen Kindsmissbrauchs vorbelasteten Priesters von Essen nach München zugestimmt. Der Mann wurde in München wieder in einer Gemeinde eingesetzt, fiel nach einiger Zeit erneut mit pädophilen Handlungen auf und wurde deshalb auch verurteilt.
Lombardi hielt fest, das Erzbistum München habe mit einem ausführlichen und detaillierten Statement auf die Fragen zu dem Priester geantwortet, der sich des Missbrauchs schuldig gemacht hatte. «Trotz des Sturms hat die Kirche deutlich den Weg, den sie gehen soll, vor Augen - unter der sicheren und strengen Führung des Heiligen Vaters.»
3000 Missbrauchsfälle in 50 Jahren
Der Vatikan erfuhr seit 2001 von rund 3000 Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche aus den vergangenen 50 Jahren. In rund 60 Prozent der Fälle sei es um gleichgeschlechtliche Kontakte gegangen, sagte ein Vertreter der päpstlichen Glaubenskongregation, Charles Scicluna, der italienischen Bischofszeitung «Avvenire».
Bei 30 Prozent der Beschwerden habe es sich um heterosexuelle Kontakte gehandelt und in nur zehn Prozent der Fälle um pädophile Übergriffe. Insgesamt seien in neun Jahren also nur 300 von 400'000 Priestern weltweit der Pädophilie bezichtigt worden.
In zehn Prozent der Beschuldigungen, bei denen es sich laut Scicluna um «besonders schwere Fälle mit unzweifelhaften Beweisen» handelte, wurde den beschuldigten Priestern das Recht entzogen, Sakramente wie die Beichte zu spenden. Weitere zehn Prozent hätten selbst darum gebeten.
Gegen 60 Prozent der Betroffenen strengte die Kirche keine Prozesse, sondern lediglich disziplinarische Massnahmen an. Der Grund war laut Scicluna meistens das «fortgeschrittene Alter» der Beschuldigten. (vin/sda)
Erstellt: 13.03.2010, 13:14 Uhr
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