Ausland

«Es war die richtige Entscheidung»

Aktualisiert am 05.03.2010

Der britische Premierminister Gordon Brown hat sich hinter die Entscheidung seines Vorgängers Tony Blair für den Irak-Krieg gestellt – und die USA scharf kritisiert.

Unter Druck: Auch die Kunden eines TV-Geschäfts im schottischen Edinburgh verfolgten die Aussage von Brown.

Unter Druck: Auch die Kunden eines TV-Geschäfts im schottischen Edinburgh verfolgten die Aussage von Brown.
Bild: Reuters

«Es war die richtige Entscheidung und es gab die richtigen Gründe dafür», sagte der Labour-Politiker am Freitag vor dem Londoner Untersuchungsausschuss. Der Regierungschef, der vor einer schwierigen Parlamentswahl steht, versuchte aber zugleich, sich von Fehlern der Kriegsplaner zu distanzieren.

So übte Brown scharfe Kritik an der damaligen Regierung der USA wegen einer Nachkriegsstrategie, die aus seiner Sicht fehlte. Brown, der zu Beginn des Krieges im März 2003 Finanzminister war, sagte vor dem fünfköpfigen Ausschuss, er habe vor der Invasion viel Wert auf Planungen für den Wiederaufbau des Iraks nach einem Militäreinsatz gelegt.

Machtlos gegen Vereinigten Staaten?

Die USA, so der Premier weiter, hätten aber nicht auf die britischen Warnungen gehört, dass eine klare Strategie für die Zeit nach einem militärischen Sieg notwendig sei, um ein Chaos in dem Land zu verhindern. Er bedauere, dass er nicht in der Lage gewesen sei, in dieser Sache mehr Druck auf die Amerikaner auszuüben, sagte Brown.

Im Verlauf der vierstündigen Anhörung wandte sich Brown auch gegen den Vorwurf, er habe als Finanzminister nicht genug Mittel für den Militäreinsatz im Irak bereitgestellt – und britische Soldaten ohne hinreichende Ausrüstung in den Krieg geschickt. Die Kommandeure hätten zu jeder Zeit um Geld für notwendige Ausrüstung nachsuchen können, sagte der Premierminister. Er kenne keinen Fall, in dem Mittel verweigert worden wären. Brown würdigte die 179 britischen Soldaten, die im Irak ihr Leben verloren.

Im Visier von Demonstranten

Unter dem Eindruck anhaltender Kritik hatte Brown die Untersuchung zum Irak-Krieg im vergangenen Jahr in Auftrag gegeben. Ursprünglich wollte er selbst erst nach der Unterhauswahl aussagen, die für den 6. Mai erwartet wird. Unter dem Druck der konservativen Opposition stimmte er dann aber einer früheren Befragung zu.

Bei seiner Ankunft zu der Anhörung wurde Brown von einer Gruppe von Demonstranten bedrängt. Der Mitgründer der Organisation Stop The War Coalition, John Rees, sagte: «Gordon Brown war der Zahlmeister für diesen unpopulärsten aller Kriege und der zweitwichtigste Mann in der Regierung.»

Aufwändiges Verfahren zur Klärung

Die Untersuchung ist die dritte und bisher umfangreichste in Grossbritannien zur Aufklärung der damaligen Vorgänge. Die Kommission strebt keine juristisch verwertbaren Ergebnisse an, sondern will dazu beitragen, in künftigen Konflikten Fehler zu vermeiden. Ende Januar hatte Blair die britische Mitwirkung an der Invasion im Irak verteidigt und mit einer regionalen wie globalen Bedrohung durch Saddam Hussein begründet. (raa/ddp)

Erstellt: 05.03.2010, 18:35 Uhr


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