Ausland

«Frau Tsipras» oder die Möglichkeiten einer Frau

Von Michael Bahnerth. Aktualisiert am 24.06.2015 42 Kommentare

Betty Baziana, die Lebenspartnerin des griechischen Ministerpräsidenten soll gleichzeitig sein Gehirn sein. Die «linke Hexe», wie sie genannt wird, liebt Che Guevara und soll Sex als Argument einsetzen.

Mächtigste Frau Griechenlands? Peristera «Betty» Baziana (38).
Bild: Keystone

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Seit bekannt ist, dass Frau Tsipras, die Betty Baziana heisst, weil sie heiraten als ideologisch unkorrekt empfindet, offenbar die politischen Leitlinien ihres Mannes in den Verhandlungen mit der EU massgebend mitbestimmen und ein Abweichen von ihren Vorgaben je nach Schwere entweder mit Sexentzug oder Verlassen bestrafen soll, scheint der griechische Verhandlungsstil verständlicher. Er trägt im Grunde ja eindeutig weibliche Eigenschaften; manipulative Subversion, berechnendes Zögern, unglaubliche Behauptungen, strategische Missachtung des gesunden Menschenverstandes, kalkulierter Gebrauch emotionaler Werkzeuge wie Schuld und Gewissen. Einzig Gott kam noch nicht ins Spiel, aber das liegt daran, dass Baziana Kommunistin ist.

Wir verdanken den Blick in die familiären tsiprasischen Machtverhältnisse dem französischen Präsidenten und glücklosen Liebhaber François Hollande. Tsipras solle, so berichtet Le Canard enchainé, Hollande zugeflüstert haben, dass wenn er, Tsipras, den Forderungen der Troika zu sehr nachgebe, er nicht nur seine Partei, sondern auch seine Lebensgefährtin verlieren würde. Was der französische Präsident darauf erwidert hat, ist leider nicht bekannt. Die Antwort: «Alexis, unterschreib einfach alles und du bist nicht nur zwei Probleme, sondern auch noch Griechenland los, c’est une situation de win-win», scheint Gerücht zu sein.

Frau Baziana, die in den Medien mittlerweile die «rote Betty», die «linke Hexe» oder die «Jeanne d’Arc Athens» genannt wird, ist eine Frau, die entfernt an den Stadtteil «Exarchia» erinnert, die Hochburg der Linken, die ein wenig schmuddelig ist und an jeder Hauswand voller politischer Botschaften (Smash Troika, Fuck the Police, Merkel is the rebirth of Adolf, Kapitalismus tötet dich, Freiheit für Mustafa usw.). Betty, deren Vorname eigentlich Peristera ist, ist 38 Jahre alt, gerade hochschwanger mit dem zweiten Kind von Alexis, sehr öffentlichkeitsscheu, sie hasst sichtbar Shopping, und sie geht nicht gern zum Frisör. Sie ist physisch und intellektuell die radikale Antithese zur Barbiepuppe, der immer noch gängigen Idealvorstellung des griechischen Mannes von einer Frau.

Willen, Militanz, Dynamik

Baziana hat einen Doktortitel als Elektro- und Computer-Ingenieurin und sich in einer Diplomarbeit den Kopf zerbrochen über «Design and Implementation of Subsystems for Receiver Front-End with Application in Personal Communications Systems». Einen Professor, der ihre These zum obigen Themenbereich nicht gelten lassen wollte (oder sie selber), klagte Baziana an. Es kam zur Gerichtsverhandlung, sie gewann. Das war der Moment in ihrem Leben, als sie entdeckte, dass Freiheit sich im Kampf erwirbt. Studienkollegen bescheinigen ihr einen «starken Willen», «Militanz» und «Dynamik».

Sie gilt in Griechenland bei jenem Teil der weiblichen Bevölkerung, für den feminine Schönheit ausschliesslich aus dem Intellekt und dem inneren Wesen besteht, der sich deshalb nicht gerne schminkt, kaum die Körperhaare rasiert und aus ideologisch-feministisch-moralisch-ethischen Gründen nie hohe Schuhe trägt, um befreit zu sein von in Männerhirnen entworfenen Unterdrückungsmechanismen, also bei diesen in einem pubertären sozialistischen Feminismus hängen gebliebenen Frauen gilt Betty als Fleisch gewordene Emanzipation und Lifestyle-Ikone. Die anderen Frauen und die meisten Männer in Griechenland halten sie nur biologisch für eine Frau.

Flirten mit Kommunismus

Offenbar lernte Alexis Tsipras sie 1987 kennen, als er noch lieber Sport als Politik hatte. Tsipras verletzte sich am Knie, er hing unsportlich herum und lernte Betty kennen, eine Schulkollegin, die damals gerade sehr in den Kommunismus verliebt war. Tsipras begann unverzüglich, für den Kommunismus zu trainieren mit der Absicht, dass Betty sich dann auch für ihn interessieren würde, was funktionierte. 1991 organisierten sie, beide im lokalen Zentralkomitee der Jung-Kommunisten inzwischen, die Studentenrevolte gegen eine unpopuläre Erziehungsreform an ihrer Uni, und es war so, dass Betty im Hintergrund dachte und Alexis im Vordergrund sprach, was sich sich gedacht hatte. Tsipras wurde Populist, Betty sein programmatischer Leiter.

Dann wurden sie ein bisschen erwachsen und Sozialisten. Betty kümmerte sich um ihre Receiver-Front-End-Problematik und Alexis wurde Jungsekretär eines linksökologischen, sozialistischen Bündnisses, des «Synaspismos», aus dem 2004 die Syriza spross.

Sex und linke Politik

20 Jahre sind sie jetzt zusammen, ein Paradebeispiel für eine erfolgreiche Partnerschaft im Sinne des Socialismo und im Geiste von Che Guevara auch, für den Betty wahrscheinlich Alexis verlassen würde, wäre Che noch am Leben, und Alexis Betty vermutlich auch. Ihre gemeinsame Hingabe an den lebendig-­toten Verfechter einer gerechten Welt gipfelt im zweiten Vornamen ihres ersten Kindes, der der erste von Che ist: Ernesto.

Sie sind jetzt ganz oben angekommen, Alexis, der natürlich mehr ist als nur Bettys intellektuelles Faktotum, und Betty, die ein bisschen weniger ist als Alexis’ Politdomina. Betty ist klug, klar, und sie hat Alexis im Griff, das auch, und zwar, weil sie die wahre Macht der Frau erkannt hat und sie auch gelegentlich als Tauschware einsetzt: Sex. Das Innehaben des Monopols auf Sex, das nur am Rande, ist wahrscheinlich die machtvollste Errungenschaft der Emanzipation und der bitterste Verlust für den Mann.

Wenn alles stimmt, was diverse Zeitungen (denen fast alles hier entnommen ist) berichten, dann ist Betty eine Frau, die Sex an linke Politik knüpft und Liebe wahrscheinlich auch, und Alexis ein Mann, der ohne sie nicht kann. Keine grosse Geschichte im Grunde, vielleicht nur die, wenn man ein Klischee bemühen möchte, dass hinter einem starken Mann eine noch stärkere Frau steht, aber nicht hinter jeder starken Frau ein noch stärkerer Mann. (Basler Zeitung)

Erstellt: 24.06.2015, 16:25 Uhr

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42 Kommentare

Jonas Weber

24.06.2015, 16:46 Uhr
Melden 486 Empfehlung 97

Nur dumm der Artikel (und wohl auch der Autor). Antworten


Chritsoph Collins

24.06.2015, 17:38 Uhr
Melden 381 Empfehlung 83

Weibliche Eigenschaften...?!
"Er trägt im Grunde ja eindeutig weibliche Eigenschaften; manipulative Subversion, berechnendes Zögern, unglaubliche Behauptungen, strategische Missachtung des gesunden Menschenverstandes, kalkulierter Gebrauch emotionaler Werkzeuge wie Schuld und Gewissen. Einzig Gott kam noch nicht ins Spiel, aber das liegt daran, dass Baziana Kommunistin ist"
Ein Journalist der so etwas schreibt ist wohl im falschen Beruf gelandet...!!!
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