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«General, wir warten auf Ihre Befehle»

Aktualisiert am 15.04.2011 5 Kommentare

Ante Gotovina wurde heute wegen Kriegsverbrechen verurteilt. Für viele Kroaten ist der Ex-General jedoch ein Volksheld. Sie fassen den Entscheid des UNO-Tribunals als «Urteil gegen den kroatischen Staat» auf.

1/8 Der ehemalige kroatische General Ante Gotovina (hinten links) und der ebenfalls angeklagte Ex-Genaral Ivan Cermak (hinten rechts) während der Urteilsverkündung im Gerichtssaal des UNO-Tribunals für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag am Freitag, 15. April 2011.
Bild: Keystone

   

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Ein UN-Gericht hat heute den ehemaligen kroatischen General Ante Gotovina wegen Kriegsverbrechen zu einer Freiheitsstrafe von 24 Jahren verurteilt. Der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien sah es als erwiesen an, dass Gotovina 1995 für Gewalttaten gegen die Zivilbevölkerung in der serbischen Enklave Krajina verantwortlich war.

Der Mitangeklagte Ex-General Mladen Markac wurde zu 18 Jahren Haft verurteilt, während der frühere General Ivan Cermak freigesprochen wurde. Die Richter warfen auch dem bereits verstorbenen damaligen kroatischen Präsidenten Franjo Tudjman eine Verwicklung in die Kriegsverbrechen vor. Er habe eine «kriminelle Verschwörung» geführt, um nach der Vertreibung von Serben aus der Krajina Kroaten in der Region anzusiedeln, hiess es in dem Urteil. Tudjman war 1999 während der Ermittlungen gegen ihn gestorben.

Kriegshandwerk in Fremdenlegion gelernt

Gotovina wurde 1955 auf der Insel Pasman unweit des Küstenortes Zadar im Süden Jugoslawiens geboren. Mit 16 Jahren verliess er seine Heimat, arbeitete zunächst als Matrose für eine internationale Transportgesellschaft und schloss sich wenig später der französischen Fremdenlegion an.

Diese verliess er 1979 wieder, bekam aber die französische Staatsbürgerschaft. Als Mitarbeiter einer privaten Sicherheitsfirma trainierte er später Paramilitärs in Argentinien und in Guatemala.

Vertreibung zehntausender Serben

Gotovina kehrte 1991, nach der Unabhängigkeitserklärung Kroatiens von Jugoslawien in seine Heimat zurück. Die überwiegend von Serben bewohnte Krajina wurde zunächst von serbischen Truppen besetzt. 1995 eroberte Kroatien das Gebiet zurück.

Der schnell zum General aufgestiegene Gotovina war in führender Position an der «Operation Sturm» zur Eroberung der Krajina beteiligt. Viele meinen, dass er damit den Grundstein für das Ende des verlustreichen Kroatien-Kriegs der von 1992 bis 1995 dauerte, legte.

Der Sieg der Kroaten kam den Serben teuer zu stehen: Über 90'000 Serben wurden vertrieben, mehr als 320 serbische Zivilisten und kampfunfähige Soldaten wurden nach Erkenntnissen des UNO- Kriegsverbrechertribunals getötet. Dafür musste sich Gotovina jetzt verantworten.

Flucht nach Spanien

Seit das Gericht Mitte 2001 die Anklageschrift gegen ihn veröffentlichte, war Gotovina auf der Flucht. Bis zu seiner Festnahme auf der spanischen Kanareninsel Teneriffa Ende 2005 tauchte er unter und gab unregelmässig Interviews, um seine Unschuld zu beteuern.

Verhandlungen über den Beitritt Kroatiens zur Europäischen Union kamen erst nach Gotovinas Festnahme in Gang. Gegen Gotovinas Festnahme und seine Auslieferung an das UNO-Tribunal protestierten damals in Kroatien hunderte Menschen.

Ungetrübte Loyalität

Der 55-jährige Gotovina wurde in Kroatien zum Symbol für den Widerstand gegen die Aggressionen der Serben und wird bis heute von vielen als Volksheld verehrt. Auf einem zentralen Platz in der kroatischen Hauptstadt Zagreb verfolgten am Freitag mehrere Tausend Kriegsveteranen den Prozess auf einer grossen Videoleinwand.

«Dies ist ein Urteil gegen den kroatischen Staat», sagte Branko Borkovic, ein früherer Kommandeur der kroatischen Streitkräfte. Der frühere kroatische Aussenminister Mate Granic sagte, das Urteil sei eine Schande und spiegle nicht die Beweislage wider. Gotovinas Verteidiger Greg Kehoe kündigte an, Berufung gegen das Urteil einzulegen. Stunden vor der Verkündung des Urteils in Den Haag hing an der Brücke von Zadar ein grosses Banner mit der Aufschrift: «General, wir warten auf Ihre Befehle».

(lcv/sda)

Erstellt: 15.04.2011, 20:15 Uhr

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5 Kommentare

Roland Moser

16.04.2011, 07:15 Uhr
Melden 14 Empfehlung

Wenn der Angriff der USA auf den Irak seinzerzeit auch völkerrechtswidrig war, müsste doch Bush auch vor Gericht. Antworten


Stephan Huber

15.04.2011, 20:59 Uhr
Melden 4 Empfehlung

Naja, als der Führer "gefallen" war, weinten ihm auch viele Unverbesserliche nach. Aber nach einer sanften Entwöhnung legten die meisten Ihren National(sozial)ismus irgendwann auch mal ab. Heldenverehrung schräger Vögel scheint in Ländern mit Kompassrichtung süd-ost immer noch eine kurios schlechte Angewohnheit zu sein, aber mit der Zeit gibt sich das wohl auch. Willkommen im 21. Jahrhundert. Antworten



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