Guttenberg hat auch seinen Lebenslauf geschönt

Der deutsche Verteidigungsminister schmückt sich nicht nur in seiner Doktorarbeit mit fremden Federn.

Karl-Theodor zu Guttenbergs Lebenslauf verspricht mit «Freier Journalist bei der Welt» ein wenig zu viel: Der 39-jährige Verteidigungsminister war Praktikant bei der «Welt» und schrieb acht kleinere Beiträge.

Karl-Theodor zu Guttenbergs Lebenslauf verspricht mit «Freier Journalist bei der Welt» ein wenig zu viel: Der 39-jährige Verteidigungsminister war Praktikant bei der «Welt» und schrieb acht kleinere Beiträge. Bild: Keystone

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Karl-Theodor zu Guttenberg ist wegen Plagiatsvorwürfen bei Passagen seiner Doktorarbeit unter Druck geraten; jetzt soll er auch noch bei seinem Werdegang geblufft haben: Auf seiner Website berichtet der Baron von «beruflichen Stationen in Frankfurt und New York». Auch will er als «Freier Journalist bei der Tageszeitung ‹Die Welt›» tätig gewesen sein.

Das sind zumindest Übertreibungen, wie die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung» aufdeckte. Bei den Berufserfahrungen in den USA und Frankfurt handelt es sich um mehrwöchige Studentenpraktika, die Guttenberg in jungen Jahren bei Anwaltskanzleien absolvierte. Auch bei der «Welt» kann nicht von einer regulären Mitarbeit die Rede sein. Guttenberg war im Sommer 2001 als Praktikant auf der Redaktion; insgesamt schrieb er in dieser Zeit acht kleinere Beiträge – nur vier davon alleine.

Bildung im Adel weniger wichtig

Die Abfassung einer Doktorarbeit passt in dieses Bild. Guttenberg, der aus einem reichen bayrischen Adelsgeschlecht stammt, hat als Jurist das sogenannte Erste Staatsexamen abgeschlossen. In Deutschland gilt er damit nur als «halber Jurist», hat etwa keine Berechtigung, als Richter zu arbeiten. Ein Makel, der sich mit dem aufwendigen Zweiten Staatsexamen beheben liesse – oder für das Renommee mit einem Doktortitel.

Die «FAZ am Sonntag» bemerkt dazu, dass Bildung für den Adel nie eine herausragende Rolle gespielt habe. Wichtiger seien Werte wie Haltung, Einsatz, Auftreten und Manieren. Gleichwohl wollte Guttenberg offenbar in der bürgerlichen Leistungsgesellschaft nicht abfallen – und frisierte sich seinen Lebenslauf entsprechend.

Gab es einen Ghostwriter?

Auch unabhängig davon sind die Angriffe auf Deutschlands beliebtesten Politiker schärfer geworden. Auf zwei Dritteln der Seiten von Guttenbergs Doktorarbeit soll abgeschrieben worden sein, meldete am Sonntag die Website «GuttenPlag Wiki». Der «Spiegel» enthüllte zudem, dass der Politiker einen Text fast vollständig übernahm, den in seinem Auftrag der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags verfasst hatte. Die Opposition reagierte prompt scharf: «Es entsteht der Eindruck, dass Teile der Doktorarbeit von Ghostwritern geschrieben wurden», schimpfte Thomas Oppermann, der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion.

Sollte sich diese Ghostwriter-These bestätigen, dürfte es eng werden für den Minister. Die Wortführer in Medien und Politik würden ihm eine so dreiste Schummelei kaum durchgehen lassen. Die Bevölkerung scheint nachsichtiger zu sein: Nur 28 Prozent der Deutschen halten den Politiker für einen Schwindler, wie eine Umfrage des Springer-Konzerns ergab. 57 Prozent finden die Plagiatsvorwürfe nicht gravierend. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 20.02.2011, 23:37 Uhr)

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