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Guttenberg hat auch seinen Lebenslauf geschönt
Von David Nauer, Berlin. Aktualisiert am 21.02.2011 100 Kommentare
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Karl-Theodor zu Guttenberg ist wegen Plagiatsvorwürfen bei Passagen seiner Doktorarbeit unter Druck geraten; jetzt soll er auch noch bei seinem Werdegang geblufft haben: Auf seiner Website berichtet der Baron von «beruflichen Stationen in Frankfurt und New York». Auch will er als «Freier Journalist bei der Tageszeitung ‹Die Welt›» tätig gewesen sein.
Das sind zumindest Übertreibungen, wie die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung» aufdeckte. Bei den Berufserfahrungen in den USA und Frankfurt handelt es sich um mehrwöchige Studentenpraktika, die Guttenberg in jungen Jahren bei Anwaltskanzleien absolvierte. Auch bei der «Welt» kann nicht von einer regulären Mitarbeit die Rede sein. Guttenberg war im Sommer 2001 als Praktikant auf der Redaktion; insgesamt schrieb er in dieser Zeit acht kleinere Beiträge – nur vier davon alleine.
Bildung im Adel weniger wichtig
Die Abfassung einer Doktorarbeit passt in dieses Bild. Guttenberg, der aus einem reichen bayrischen Adelsgeschlecht stammt, hat als Jurist das sogenannte Erste Staatsexamen abgeschlossen. In Deutschland gilt er damit nur als «halber Jurist», hat etwa keine Berechtigung, als Richter zu arbeiten. Ein Makel, der sich mit dem aufwendigen Zweiten Staatsexamen beheben liesse – oder für das Renommee mit einem Doktortitel.
Die «FAZ am Sonntag» bemerkt dazu, dass Bildung für den Adel nie eine herausragende Rolle gespielt habe. Wichtiger seien Werte wie Haltung, Einsatz, Auftreten und Manieren. Gleichwohl wollte Guttenberg offenbar in der bürgerlichen Leistungsgesellschaft nicht abfallen – und frisierte sich seinen Lebenslauf entsprechend.
Gab es einen Ghostwriter?
Auch unabhängig davon sind die Angriffe auf Deutschlands beliebtesten Politiker schärfer geworden. Auf zwei Dritteln der Seiten von Guttenbergs Doktorarbeit soll abgeschrieben worden sein, meldete am Sonntag die Website «GuttenPlag Wiki». Der «Spiegel» enthüllte zudem, dass der Politiker einen Text fast vollständig übernahm, den in seinem Auftrag der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags verfasst hatte. Die Opposition reagierte prompt scharf: «Es entsteht der Eindruck, dass Teile der Doktorarbeit von Ghostwritern geschrieben wurden», schimpfte Thomas Oppermann, der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion.
Sollte sich diese Ghostwriter-These bestätigen, dürfte es eng werden für den Minister. Die Wortführer in Medien und Politik würden ihm eine so dreiste Schummelei kaum durchgehen lassen. Die Bevölkerung scheint nachsichtiger zu sein: Nur 28 Prozent der Deutschen halten den Politiker für einen Schwindler, wie eine Umfrage des Springer-Konzerns ergab. 57 Prozent finden die Plagiatsvorwürfe nicht gravierend. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 20.02.2011, 23:37 Uhr
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100 Kommentare
"Es wird so viel gelogen und betrogen, dass man ruhig alle lügen und betrügen lassen soll." Sind wir etwa schon so weit? Ist der Antiintellektualismus und der Geistessozialismus schon überall angekommen, so dass ein "Dr." einfach ein dämlicher Titel ist, der nichts aussagt? Dann lebt weiter in eurer Paris-Hilton-Traumwelt und fühlt euch "happy", dass ihr mit Lügen und Betrügen durchs Leben kommt. Antworten
Wieso redet niemand über seine grossartige Leistung, die Abschaffung der Wehrpflicht. Er brachte es fertig eine heute nur noch störende Tradition innert kürzester Zeit abzuschaffen. Und das obwohl er damit vielen im öffentlichen Dienst ihre Pfründe entriss.Das hat vor ihm noch keiner geschafft. Und wieso spricht niemand von seinem Doktorvater, der hat seine Arbeit als korrekt befunden. Antworten
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