Hamster oder 3000 Arbeitsplätze?

Aktualisiert am 19.03.2010

Im Elsass ist ein neuer Streit um den Schutz der vom Aussterben bedrohten Feldhamster entbrannt. Einem Bürgermeister ist wegen der kleinen Tierchen der Kragen geplatzt.

Auch Feldhamster genannt: Cricetus cricetus.

Auch Feldhamster genannt: Cricetus cricetus.

Feldhamster

Das Verbreitungsgebiet der Feldhamster reicht von Belgien über Mittel- und Osteuropa bis in die russische Altairegion und das nordwestliche China. Ursprünglich war der Feldhamster in den Steppen Osteuropas beheimatet und breitete sich im Zuge der Landwirtschaftsintensivierung nach Westeuropa aus. Archäologen fanden 2000 Jahre alte Hamsterskelette im Rhein-Neckar-Raum (Quelle: Wikipedia).

Anlass ist ein geplantes Gewerbebiet nahe dem Städtchen Brumath westlich von Strassburg, gegen das fünf Naturschutzorganisationen geklagt haben. Der Bürgermeister von Brumath, Etienne Wolf, machte am Donnerstag seiner Wut über die Klagen Luft: Mit dem geplanten 120 Hektar grossen Gewerbegebiet könnten 2000 bis 3000 Arbeitsplätze geschaffen werden. «Und nun blockiert man uns, weil das Gelände angeblich für Hamster geeignet ist».

Die Kläger fordern, dass von dem fraglichen Gebiet 20 Hektar für die Wiederansiedlung von Feldhamstern genutzt werden. Die fragliche Zone sei ein idealer Lebensraum für die kleinen Säugetiere, betont Maurice Wintz von der Umweltschutzorganisation Alsace Nature.

Tummelplatz für zehntausende Feldhamster

Der mangelhafte Schutz der Feldhamster (Cricetus cricetus) hat Frankreich bereits eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg beschert. Die EU-Kommission wirft Paris vor, keine ausreichenden Lebensräume für die putzigen Säugetiere geschaffen und damit gegen die EU-Richtlinie «Habitat» zum Schutz bedrohter Tier- und Pflanzenarten zu verstossen. Über die Klage hat der EuGH noch nicht entschieden.

Noch in den 60er Jahren war die elsässische Rheinebene ein Tummelplatz für zehntausende Feldhamster. Die Nager galten aber jahrzehntelang als Schädlinge und wurden vor allem von Landwirten massiv ausgerottet. In der Gegend um Strassburg wurden zuletzt nur noch 160 gezählt. Überall sonst in Frankreich sind die Hamster bereits ausgestorben. (sam/sda)

Erstellt: 19.03.2010, 09:55 Uhr

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