Ausland
Hollande weist seine First Lady in die Schranken
Aktualisiert am 15.07.2012 4 Kommentare
Sparplan von Peugeot «nicht akzeptabel»
Der französische Präsident François Hollande will eine Änderung des Sparplanes beim angeschlagenen französischen Autobauer PSA Peugeot-Citroën durchsetzen. «Dieser Plan ist nicht akzeptabel, er muss neu verhandelt werden», sagte Hollande am Samstag in einem Fernsehinterview anlässlich des französischen Nationalfeiertages.
Die Streichung von 8000 Stellen in Frankreich sei ein «Schock». Der Staat werde dies nicht zulassen. Der Präsident erinnerte daran, dass die neue sozialistische Regierung am 25. Juli einen Plan für die Automobilindustrie vorlegen werde.
Den Verkauf von in seinem Land hergestellten Autos will Hollande demnach mit staatlichen Anreizen ankurbeln. Ansonsten nannte er keine weitere Einzelheiten zum Plan, machte aber seine Ablehnung einer Neuauflage der Abwrackprämie deutlich.
Die Prämie habe den Steuerzahler viel Geld gekostet, dann aber seien neue Autos im Ausland gekauft worden. Jetzt solle der Plan «möglichst effektiv» sein und den Steuerzahler möglichst wenig kosten. Das Ziel sei, dass in Frankreich produzierte Autos gekauft würden, darunter etwa französische Hybridautos.
PSA-Management der Lüge bezichtigt
Hart ging Hollande mit der Unternehmensleitung von PSA Peugeot-Citroën ins Gericht, der er «Lüge» vorhielt. Der Stellenstreichungsplan sei bereits seit 2011 klar gewesen, sei aber erst nach den Wahlen in Frankreich verkündet worden.
Er widersprach auch der Einschätzung von PSA-Chef Philippe Varin, der die hohen Arbeitskosten in Frankreich für die schwierige Lage des Konzerns mitverantwortlich gemacht hatte. Hollande erinnerte daran, dass das Unternehmen Dividenden an die Aktionäre ausgeschüttet habe, statt das Geld zu investieren.
PSA will die Produktion in seinem traditionsreichen Werk in Aulnay-sous-Bois bei Paris mit mehr als 3000 Mitarbeitern 2014 ganz einstellen und im westfranzösischen Rennes 1400 der 5600 Stellen abbauen. Ausserdem sollen ausserhalb der Autoproduktion 3600 Stellen etwa in der Entwicklung wegfallen.
Das Unternehmen gab den drastischen Absatzeinbruch am europäischen Automarkt als Grund für den Stellenabbau an. Der Konzern verliert nach eigenen Angaben seit einem Jahr rund 200 Millionen Euro pro Monat. Im ersten Halbjahr 2012 verkaufte Peugeot weltweit 13 Prozent weniger Fahrzeuge. Beim heimischen Konkurrenten Renault sank der Absatz in der gleichen Zeit um 3,3 Prozent. (sda)
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Zwei Monate nach seiner Wahl hat der französische Staatspräsident François Hollande zum ersten Mal die Militärparade zum Nationalfeiertag abgenommen. In einem Fernseh-Interview bekräftigte er seine Absicht, in Zukunft Privates und Öffentliches strikter zu trennen.
Kampfjets flogen am Vormittag in Formation über die Pariser Champs-Élysées. Am bedeckten Himmel hinterliessen sie eine Spur in den französischen Nationalfarben blau-weiss-rot, während am Boden Einheiten der Streitkräfte die Prachtstrasse entlang marschierten und in mehreren Versionen die Marseillaise gespielt wurde. Tausende Schaulustige verfolgten die Militärparade. Nahezu 5000 Mitglieder des Heeres, der Luftwaffe, der Marine und des Zivilschutzes nahmen daran teil, hunderte Pferde und Militärfahrzeuge, Dutzende Kampfflugzeuge und Helikopter vervollständigten das Bild.
Wirtschaft und Arbeit als Schwerpunkte
In einem Fernsehinterview bezeichnete Hollande danach die Themen Wirtschaft und Arbeit als seine Prioritäten. Er nannte zwar keine Einzelheiten, erklärte aber, dass er keinen rigorosen Sparkurs, sondern eine «gerechte Anstrengung» der Franzosen wolle. Insbesondere die Besserverdienenden sollten ihren Beitrag leisten, sagte er im Interview mit den Sendern TF1 und France 2.
«Die oberste Priorität ist die Arbeit», sagte der Präsident. «Es muss alles dafür getan werden, damit die Beschäftigungsrate am Ende meiner fünfjährigen Amtszeit so hoch wie möglich ist», sagte Hollande. Um sein Ziel zur Reduzierung des Haushaltsdefizits zu erreichen, schliesse er im steuerlichen Bereich «nichts aus», betonte Hollande. Er wolle nicht nur die allgemeine Sozialsteuer CSG «als einziges Mittel» in Betracht ziehen. Profitieren sollten vor allem kleine und mittelständische Unternehmen.
Privates «peinlich genau» privat halten
Und schliesslich kommentierte Hollande knapp, aber bestimmt den bisher grössten Eklat seiner zweimonatigen Amtszeit: «Ich bin für eine klare Abgrenzung zwischen öffentlichem und privatem Leben.» Seinen Familienangehörigen habe er gesagt, dass sie «peinlich genau» Privates auch Privat halten sollten.
Der Staatschef ging damit erstmals öffentlich auf die Twitter-Affäre ein, mit der seine Lebensgefährtin Valérie Trierweiler für Empörung gesorgt hatte. Die 47-jährige First Lady hatte mitten im Parlamentswahlkampf klar Position gegen Hollandes Ex-Lebensgefährtin Ségolène Royal bezogen, die im westfranzösischen La Rochelle einen Parlamentssitz erobern wollte.
Seitdem hing nicht nur der Haussegen im Elysée-Palast schief, ganz Frankreich diskutierte auch über die angemessene Rolle für eine First Lady. Hollande soll nach Medienberichten tagelang nicht mehr mit seiner Lebensgefährtin geredet haben. Trierweiler war seither bei keinem wichtigen, öffentlichen Auftritt des Präsidenten mehr dabei, auch nicht beim Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Anfang Juli in Reims.
Die vier Kinder, die Hollande gemeinsam mit Ex-Partnerin Royal hat, verweigern nun den Kontakt zur First Lady. Sohn Thomas wurde vom Magazin «Le Point» mit der Einschätzung zu Trierweiler zitiert: «Ich wusste, dass von ihr eines Tages etwas kommen könnte, aber nicht ein solcher Hammer. Das ist unfassbar.» Bei einem Abendessen habe Vater Hollande versprochen, dass er sich zu der Twitter-Botschaft öffentlich äussern und die Rolle der Première Dame klarstellen werde. Im Gegenzug solle die Familie aber nicht weiter Öl ins Feuer giessen.
Sohn heizt den Konflikt weiter an
Die erst diese Woche verbreiteten Aussagen des Sohnes, der einen Teil davon bestritt und versicherte, sie seien «aus dem Zusammenhang gerissen», lösten erneut erheblichen Wirbel aus. So hatte der 27-Jährige laut «Le Point» auch kritisiert, dass Trierweiler das kaputt gemacht habe, was sein Vater mühsam aufgebaut habe: Sein Image als «normaler» Präsident, der anders als sein konservativer Vorgänger Nicolas Sarkozy nicht ständig mit seinem Privatleben in der Presse präsent sein wollte.
Nun versicherte Hollande in dem Fernsehinterview, dass sich ein Vorfall wie die Twitter-Affäre nicht wiederholen werde. Die Trennung von Privatem und Politik werde von seinen Familienangehörigen strikt eingehalten werden, hob er hervor. «Die Franzosen wollen, dass die Sachen klar sind, dass der Staat von dem geführt wird, den sie gewählt haben und dass es keine Vermischung gibt.»
Trierweiler bleibt im Hintergrund
Die Rolle von Trierweiler, die als First Lady fulminant gestartet war, stutzte der Präsident gleich auch noch zurecht. Sie wolle weiter beruflich tätig sein, sagte Hollande. «Ich verstehe das. Ansonsten wird sie an meiner Seite dabei sein, wenn es das Protokoll erfordert.»
Die Journalistin, die nach Hollandes Wahl angekündigt hatte, nicht nur «Dekoration» für den Präsidenten sein zu wollen, sondern eigenständig ihr Leben weiterführen zu wollen, trat am Nationalfeiertag zwar erstmals seit langem wieder öffentlich auf. Die elegante Blonde hielt sich aber auffällig im Hintergrund. Es sei nicht einfach für «Valérie», den Platz an seiner Seite einzunehmen, sagte Hollande. Trocken fügte er aber hinzu: «Es muss Regeln geben.» (fko/dapd/sda)
Erstellt: 14.07.2012, 17:15 Uhr
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4 Kommentare
Mit Recht unterstützte Trierweiler Falorni gegen Royal. Warum soll Sie nicht Ihre Ansicht darlegen?
Intern bei der PS sind div. "Sachen" nicht lupenrein, angefangen von Abstimmungen in offenen Schuhkartons od. verteilen nur eines Wahlzettels, denn man verwechselt -oft- Abstimmen mit Bestätigen.
Hollande wird weiterhin zwischen Trierweiler und Royal stehen. Schwer zu verwalten auch für Hollande..
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