Ausland
IAEA-Chef lobt Sinneswandel in Teheran
Wenn Iraner und Ausländer über Atomtechnologie reden, ist das Fazit in der Regel so unterschiedlich, als ob über zwei verschiedene Anlässe berichtet wird. Am Sonntag war das in Teheran für einmal anders. Der Chef der Atomenergiebehörde der Uno (IAEA), Mohammed al-Baradei, und der Chef der iranischen Atombehörde, Ali Akbar Salehi, waren sich einig. Baradei konstatierte einen Sinneswandel der iranischen Regierung von Konfrontation hin zu mehr Transparenz und Zusammenarbeit.
Die beiden vereinbarten, dass die IAEA am 25. Oktober mit der Inspektion der im Bau befindlichen zweiten Urananreicherungsanlage, 160 Kilometer südlich von Teheran in Fordo bei der heiligen Stadt Qom, beginnen wird. Teheran hat die IAEA am 21. September über die Einrichtung in Fordo informiert und beharrt darauf, keine Regeln verletzt zu haben, weil die Anlage angeblich erst in 18 Monaten ihren Betrieb aufnimmt.
Unstimmigkeit bleibt
Präsident Mahmoud Ahmadinejad, über dessen angeblich jüdische Wurzeln in einer englischen Zeitung am Wochenende wieder einmal spekuliert wurde, hat erneut erwähnt, der amerikanische Präsidenten Barack Obama habe mit seinen Vorwürfen einen grossen Fehler gemacht. Es habe sich herausgestellt, dass Obamas Informationen falsch gewesen seien und es keine iranischen Geheimnisse gebe. Laut Einschätzung von Baradei, der in Teheran auch mit Ahmadinejad zusammentraf, hätte der Iran dagegen über die Anlage bereits im Stadium der Planung informieren müssen.
Am 19. Oktober kommt es in Wien zu einem Treffen mit dem Iran, um die Details für die Anreicherung von Uran in Russland abzustimmen, das für einen Versuchsreaktor in Teheran benötigt wird. Dieses Programm hat aber nichts mit dem umstrittenen Atomprogramm des Iran zu tun, das Gegenstand der Verhandlungen zwischen dem Iran und den fünf Vetomächten des Uno-Sicherheitsrats und Deutschland vergangene Woche in Genf gewesen war.
Neuer Geheimbericht
Während Baradei in Teheran ein positives Fazit zog, berichtete die «New York Times» von einer vertraulichen Analyse der IAEA, die zum Schluss kommen soll, dass der Iran sich genügend Kenntnisse beschafft habe, um eine Atombombe zu entwerfen und zu bauen. Der Bericht, ein Puzzle aus Informationen von Geheimdiensten und eigenen Recherchen, sei vorläufig Gegenstand weiterer Überprüfungen.
In der IAEA soll es Unstimmigkeiten darüber geben, ob die Analyse veröffentlich werden soll oder nicht, so die «New York Times» weiter. Baradei habe Zweifel an der Vollständigkeit und der Verlässlichkeit geäussert und deshalb gegen die eigenen Mitarbeiter und mehrere Länder, die den Druck auf Teheran erhöhen wollen, entschieden, sie nicht publik zu machen.
Erstellt: 04.10.2009, 23:22 Uhr
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