Ausland

Irak-Krieg: London wollte eine friedliche Lösung

Aktualisiert am 19.01.2010

Der britische Ex-Verteidigungsminister Geoff Hoon sagt, dass die Regierung stets eine diplomatische Lösung im Irak anstrebte. Den USA wirft er eine schlechte Planung des Irak-Kriegs vor.

Wenig zu lachen: Geoff Hoon hatte heute im Irak-Ausschuss einen schweren Stand.

Wenig zu lachen: Geoff Hoon hatte heute im Irak-Ausschuss einen schweren Stand.
Bild: Keystone

Der britische Ex-Verteidigungsminister Geoff Hoon hat als erstes ehemaliges Kabinettsmitglied vor dem Untersuchungsausschuss zum Irak-Krieg ausgesagt. Grossbritannien habe noch bis kurz vor dem Einmarsch 2003 auf eine diplomatische Lösung gehofft, sagte Hoon in London.

Er zog zudem in Zweifel, dass Ex-Premierminister Tony Blair dem damaligen US-Präsidenten George W. Bush die bedingungslose Unterstützung Grossbritanniens für einen Militäreinsatz zusicherte. Das hatte Blairs damaliger Sprecher Alastair Campbell in der vergangenen Woche ausgesagt.

Bis zu einer Abstimmung im britischen Parlament im März 2003 sei die britische Einstellung zu einem Einmarsch im Irak immer an Bedingungen geknüpft gewesen, erklärte Hoon.

Saddam Hussein wurde von den USA als Bedrohung empfunden

Der britischen Regierung wurde seinen Angaben zufolge im Sommer 2002 klar, dass es die Regierung in Washington beim Irak «ernst meinte».

Die USA hätten den irakischen Machthaber Saddam Hussein nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 als weitere Bedrohung empfunden, sagte Hoon, der von 1999 bis 2005 Verteidigungsminister war. Er habe Blair daher bereits im Oktober zu einer Entscheidung geraten, um den Streitkräften Zeit zur Vorbereitung zu geben.

Hoon wirft USA schlechte Planung vor

Geoff Hoon hat vor der Kommission den USA Fehler bei der Planung des Irak-Kriegs vorgeworfen. Die Vorbereitungen für den Angriff im März 2003 seien weniger «detailliert und umfassend gewesen, als wir uns das gewünscht hätten», erklärte Hoon.

Er habe seine Bedenken einen Monat vor Kriegsbeginn dem damaligen US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld mitgeteilt.

Zugleich räumte Hoon auch eigene Fehler ein. Der britischen Regierung sei das Ausmass der Probleme, mit denen die Soldaten im Irak zu kämpfen hatten, vorab nicht klar gewesen. Auch seien zu spät zivile Aufbauhelfer ins Zweistromland geschickt worden.

179 Briten starben im Irak

Grossbritannien war der wichtigste Verbündete der USA, als diese im März 2003 im Irak einmarschierten. Anfangs waren dort 46'000 britische Soldaten stationiert - das grösste ausländische Truppenkontingent nach den US-Streitkräften. 179 britische Soldaten starben im Irak. Der Einsatz der Briten endete offiziell im Juli.

Am 29. Januar soll auch Blair vor dem Untersuchungsausschuss aussagen, der sich mit der Beteiligung Grossbritanniens am Irak- Krieg auseinandersetzt. (lps/beu/sda/ddp)

Erstellt: 19.01.2010, 20:02 Uhr

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