Jubel, aber auch Buh-Rufe für die Obamas in Oslo
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Ein scheuer Wink am Abend aus dem Hotelzimmer.
Bild: Reuters
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Nach der Verleihung des Friedensnobelpreises an US- Präsident Barack Obama haben am Donnerstagabend in Oslo mehrere tausend Menschen gegen den Krieg in Afghanistan demonstriert. Einige Demonstranten forderten auf Transparenten: «Yes we can - stop the war in Afghanistan.» Andere verlangten ein Verbot von Atomwaffen, den Stopp der Blockade des Gazastreifens und ein Ende des israelischen Siedlungsbaus in den Palästinensergebieten.
Wie es am Tag der Nobelpreis-Zeremonie Tradition ist, zeigte sich Obama zusammen mit seiner Frau Michelle kurz auf dem Balkon des Hotels und winkte den Menschen auf dem Platz zu. Das Präsidentenpaar wurde mit Beifall, aber auch mit Pfiffen begrüsst. Nach drei Minuten schlossen sich die Fenster wieder - Michelle und Barack Obama waren bereits in Abendgarderobe und auf dem Weg zu einem festlichen Bankett mit dem König.
Apropos Garderobe. Amerikanische Medien machten sich einen Spass daraus, zu zählen, wie oft First Lady Michelle Obama am Donnerstag ihre Kleider wechseln musste. Fünf Mal war es nach Angaben der «HuffingtonPost».
Verweis auf Hitler
Am Nachmittag hatte Barack Obama mit einer Dankesrede den Friedensnobelpreis angenommen. «Wir müssen die harte Wahrheit anerkennen, dass wir während unseres Lebens gewaltsame Konflikte nicht ausmerzen werden», meinte Obama in seiner Rede an das Nobelpreiskomitee. Obama würdigte zwar gewaltlose Aktionen wie die von Mahatma Gandhi oder Martin Luther King. «Aber als Staatsoberhaupt, das geschworen hat, meine Nation zu schützen und zu verteidigen, kann ich mich nicht nur von deren Beispiel leiten lassen.»
Obama nutze weite Passagen seiner Rede, um Kritik an seiner Afghanistan-Politik grundsätzlich zu begegnen. «Eine gewaltlose Bewegung hätte Hitlers Armeen nicht gestoppt und Verhandlungen werden die Anführer von Al-Kaida nicht überzeugen, die Waffen niederzulegen.»
Die Vergabe des Preises an den US-Präsidenten, der gerade zusätzliche 30'000 Soldaten in den Afghanistan-Krieg schickt, war in den USA und international auch auf Kritik gestossen.
Komitee verteidigt Wahl
Das Nobelkomitee hatte die mit umgerechnet 1,45 Millionen Franken dotierte Auszeichnung für den US-Präsidenten mit dessen «aussergewöhnlichem Einsatz zur Stärkung der internationalen Diplomatie und der Zusammenarbeit zwischen den Völkern» begründet. Hervorgehoben wurde insbesondere Obamas Vision einer Welt ohne Atomwaffen.
Während der feierlichen Zeremonie im Rathaus von Oslo, an der auch Norwegens König Harald V. und Königin Sonja teilnahmen, verteidigte das Nobel-Komitee noch einmal seine Wahl. Der Vorsitzende des Komitees, Thorbjörn Jagland, sagte, Obama selbst habe den Preis als einen «Aufruf zum Handeln» bezeichnet.
«Präsident Obama hat das norwegische Nobel-Komitee perfekt verstanden», sagte Jagland. Vom ersten Augenblick seiner Präsidentschaft an habe Obama versucht, ein kooperativeres Klima zu schaffen und die «Temperatur in der Welt zu senken». «Obama ist ein politischer Führer, der weiss, dass selbst die Mächtigsten verletzbar sind, wenn sie allein stehen.»
Andere verdienten den Preis mehr
Obama bezeichnete die Auszeichnung als Ansporn und Ermutigung. Er könne denjenigen aber nichts erwidern, die darauf verwiesen, das andere Menschen «die Ehre sehr viel mehr verdient haben als ich». Es gebe Männer und Frauen rund um den Erdball, die im Gefängnis sässen und geschlagen würden, weil sie nach Gerechtigkeit strebten.
Als vorrangige Ziele nannte Obama eine Welt frei von Atomwaffen, effektive Massnahmen gegen den Klimawandel, die Stabilisierung Afghanistans und den Kampf gegen den internationalen Terrorismus «im Einklang mit unseren Werten und Idealen». Einige Initiativen würden bereits Früchte tragen. «Aber wenn ich keinen Erfolg habe, kann dies kein Preis der Welt verschleiern.» (cpm/sda)
Erstellt: 10.12.2009, 21:33 Uhr
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