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Karadzic erscheint nicht zu Prozessstart

Aktualisiert am 26.10.2009

Wie angekündigt, blieb der frühere bosnisch-serbische Anführer dem Kriegsverbrecherprozesses dem Haager Tribunal fern. Wie es weitergeht ist offen.

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Der angeklagte Radovan Karadzic bei seinem ersten Auftritt in Den Haag.
Bild: Reuters

   

«Ich stelle fest, dass Herr Karadzic nicht anwesend ist», sagte der Vorsitzende Richter O-Gon Kwon. Der Angeklagte habe sich trotz einer dringenden Aufforderung des Gerichtshofes entschieden, nicht an der Eröffnungssitzung teilzunehmen. Die Verhandlungen sollen nun am Dienstag weitergehen. Die deutsche Staatsanwältin Hildegard Uertz-Retzlaff beantragte im Namen der Anklage, dass Karadzic das Recht entzogen wird, sich selbst zu verteidigen. Das Gericht müsse stattdessen einen Pflichtverteidiger für ihn bestellen. Karadzic versuche mit einer Blockadehaltung, den Prozess gegen ihn massiv zu behindern. Die dürfe nicht hingenommen werden. Radovan Karadzic hatte seinen Boykott damit begründet, er habe nicht genug Zeit zur Vorbereitung erhalten.

Für den Prozessstart waren zunächst die Auftaktplädoyers der Anklage geplant. Der 64-Jährige, der im Juli vergangenen Jahres in Belgrad verhaftet worden war, muss sich in elf Anklagepunkten wegen Völkermordes und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnien-Krieges verantworten. Zu den Gräueltaten, die ihm zur Last gelegt werden, zählt das Massaker von Srebrenica, bei dem 1995 etwa 8000 muslimische Männern und Jungen ermordet wurden.

Ohne Anwalt

Karadzic lässt sich in Den Haag nicht von einem Anwalt vertreten, sondern verteidigt sich selbst. Er erklärte in seinem Brief, das Gericht hätte ihm mindestens zwei Jahre Vorbereitungszeit einräumen müssen. Schliesslich handle es sich um den «grössten, kompliziertesten, wichtigsten und heikelsten Fall», der jemals vor dem Uno-Tribunal verhandelt worden sei.

Karadzic wäre nicht der erste prominente Angeklagte, der zum Auftakt seines Kriegsverbrecher-Prozesses in der Zelle bleibt. Auch der ehemalige liberianische Präsident Charles Taylor weigerte sich im Juni 2007 zunächst, an der Verhandlung teilzunehmen, nachdem er am ersten Tag des Prozesses seine Verteidiger von ihrem Mandat entbunden hatte. (cpm/ap)

Erstellt: 26.10.2009, 11:08 Uhr

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