Ausland
Kosovaren und Serben reden wieder miteinander
Von Enver Robelli. Aktualisiert am 10.03.2011 13 Kommentare
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Das erste offizielle Treffen zwischen Vertretern beider Staaten seit der Unabhängigkeitserklärung Kosovos vor drei Jahren fand am Dienstag und Mittwoch in Brüssel statt. Die Interessen Belgrads vertritt Borko Stefanovic, Staatssekretär im Aussenministerium. Die Delegation aus Pristina leitet Vize-Ministerpräsidentin Edita Tahiri. Ziel ist ein Dialog, der Serbien und Kosovo näherbringen, das Leben der Menschen erleichtern und den Weg der beiden Länder in die EU ebnen soll. Es gibt keine Frist, keine Tagesordnung, nur vage Erwartungen, dass beide Seiten innert eines Jahres Lösungen für die Alltagsprobleme finden. Die EU will dabei die Rolle des ehrlichen Maklers spielen.
Schon vor Beginn der Gespräche haben beide Seiten klargemacht, worüber sie sich nicht einigen. Serbien lehnt die Unabhängigkeit ab und betrachtet Kosovo als abtrünnige Provinz. Die Regierung in Pristina behauptet, die Statusfrage sei endgültig gelöst, darüber wolle man nicht verhandeln. In dieser Frage werden die Kosovo-Albaner von der US-Diplomatie unterstützt; die EU dagegen hat keine klare Haltung, weil bisher fünf Mitgliedsländer – Spanien, Griechenland, die Slowakei, Rumänien und Zypern – den jungen Balkanstaat nicht anerkannt haben.
Nicht länger Serbien umfliegen
Zunächst will man über vermeintlich einfache Themen verhandeln. Dazu gehört der Luftverkehr. Seit Kriegsende 1999 ist der serbische Luftraum für Flugzeuge, die in Pristina landen wollen, gesperrt. Daher müssen die Maschinen einen Umweg rund um Serbien machen. Der Flughafen von Pristina spielt für die schwache Wirtschaft Kosovos eine zentrale Rolle.
Geklärt werden muss auch der Streit um Nummernschilder. Fahrzeuge mit kosovarischen Kennzeichen dürfen seit 1999 nicht nach Serbien einreisen. Dagegen geniessen serbische Autofahrer freie Fahrt durch Kosovo sogar mit Belgrader Autokennzeichen. In Pristina sieht man oft auf öffentlichen Parkplätzen Fahrzeuge mit serbischen Schildern.
Viele Themen zu besprechen
Für Serbiens Bauindustrie und Lebensmittelbranche ist Kosovo ein wichtiger Absatzmarkt. Kosovarische Produkte wie Wein oder Fruchtsäfte, die als solche deklariert werden, blockiert hingegen der serbische Zoll. Um den Kosovaren das Leben noch schwerer zu machen, anerkennt Serbien weder die von der UNO-Mission ausgestellten Ausweise noch die neuen kosovarischen Pässe. Es gibt also viele Themen, über die Serben und Kosovaren sprechen können.
Doch viele Beobachter in Kosovo befürchten, dass Serbien nur ein Ziel verfolgt: die territoriale Teilung des Gebiets. Aussenminister Vuk Jeremic sagte kürzlich, einige westliche Länder würden eine Teilung unterstützen. Offiziell lehnen Washington und Brüssel jede Grenzänderung auf dem Balkan ab. Dennoch ist eine Auseinandersetzung über die Zukunft des serbisch dominierten Nordens mit der geteilten Stadt Mitrovica zu erwarten. Dort leben etwa 40 000 Serben, die direkt unter dem Einfluss Belgrads stehen und den kosovarischen Staat auch künftig kaum akzeptieren werden.
Funktionsunfähiger Staat wie Bosnien
Als mögliche Lösung wird die Autonomie für den Norden erwogen und noch mehr Selbstverwaltungsrechte für die Serben im Süden des Landes. Sollte der Westen das durchsetzen, wäre Kosovo ein funktionsunfähiger Staat wie Bosnien, meinte diese Woche der Oppositionspolitiker Albin Kurti im Parlament. Die politische Führung könne die Interessen Kosovos kaum verteidigen, weil sie korrupt und erpressbar sei. Das sagen auch westliche Diplomaten – aber nur hinter vorgehaltener Hand. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 09.03.2011, 23:05 Uhr
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13 Kommentare
@R.J. - Kosovo ist ein unabhängiger Staat seit dem 17.02.2008 :-) Die Serben sollten das nun endlich begreifen, nachdem sie rund 100 Jahre das albanische resp. kosovarische Volk unterdrückt haben. Zudem sind es die Serben die die Wirtschaft blockieren, da sie den Luftraum sperren, Produkte aus dem Kosovo blockieren und die Pässe nicht anerkennen. Korrupte serbische Zöllner zocken ab, etc. Antworten
Ich hoffe für beide Seiten das es Lösungen findet um das Volk zu entlasten. Aber es wird unmöglich sein. Kosovo wird genau so da stehen wie Bosnien, und Serbien wird noch lange nicht in die EU gehen. Liebe Unabhängigkeitserklärer: Da habt ihr euren Salat. Null Wachstum, Null Perspektive. Und von was soll die Wirtschaft im Kosovo wachsen? leider weiter 100 jahre konflikt sind vorprogrammiert! Antworten
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