Ausland

Lässt Murdoch «News of the World» gleich wieder auferstehen?

Aktualisiert am 08.07.2011 1 Kommentar

Die dramatische Einstellung des skandalerschütterten Skandalblattes überraschte gestern alle. Nun wird bereits darüber spekuliert, ob der Medienmogul schon bald eine neue Zeitung lanciert.

1/

   

Cameron kündigt Untersuchung an

Der britische Premierminister David Cameron hat Freitag eine umfassende öffentliche Untersuchung zum Abhörskandal um das Boulevardblatt «News of the World» angekündigt. Die Leitung soll ein Richter übernehmen.

Weil das bisherige System der Presseaufsicht versagt habe, müsse ein neues geschafften werden, erklärte Cameron. Die Zeitung «News of the World» soll am Sonntag nach 168 Jahren zum letzten Mal erscheinen.

In dem Skandal steht auch Cameron selbst unter Druck, weil er den früheren Chefredaktor der Zeitung, Andy Coulson, zu seinem Kommunikationschef berufen hatte.

Dieser trat erst im Januar angesichts des öffentlichen Drucks durch die Ermittlungen über die Abhöraffäre von diesem Amt zurück. Coulson war von 2003 bis 2007 Chefredaktor des Boulevardblatts. (sda)

Artikel zum Thema

Links

Artikel zum Thema

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Mit der Entscheidung, eines seiner bisher erfolgreichsten britischen Blätter zu schliessen, hat der Medien-Tycoon Rupert Murdoch gestern Rivalen, Mitarbeiter und Leser in Grossbritannien überrascht. Die von einem schweren Skandal erschütterte Sonntagszeitung «News of the World», ein Boulevardblatt mit einer Auflage von 2,6 Millionen, wird am Sonntag zum letzten Mal erscheinen.

Der Beschluss, den Murdoch-Sohn und News-International-Präsident James Murdoch bekannt gab, war eine Reaktion des Medien-Konzerns auf die wachsende Kritik an den Praktiken des Blattes in Grossbritannien und auf zunehmenden kommerziellen und politischen Druck auf den Verlag. Das 168 Jahre alte Blatt habe sich durch seine illegalen Methoden selbst «beschmutzt», erklärte James Murdoch.

Spekulationen über neue Sonntagszeitung

Britische Beobachter gehen allerdings davon aus, dass die Murdochs bereits eine neue Sonntagszeitung planen – möglicherweise eine Sonntagsausgabe der «Sun», die ebenfalls zum Konzern gehört. Laut der Tageszeitung «The Guardian», die den Skandal vor Monaten aufgedeckt und ins Rollen gebracht hatte, seien die Domains TheSunOnSunday.co.uk, TheSunOnSunday.com und SunOnSunday.co.uk seit Dienstag reserviert.

Die rund 200 Angestellten von «News of the World» wurden gestern von der Schliessung des Blattes überrascht. Nicht einmal Mitglieder des Kaders hätten davon eine Ahnung gehabt, wie ein leitender Redaktor gegenüber der «New York Times» sagte. Chefredaktor Colin Myler wird mit den Worten zitiert, die Nation verliere «einen Teil des Stoffs, aus dem das britische Leben gemacht ist».

Rebekah Brooks bleibt im Amt

Der britische Oppositionsführer und Labour-Vorsitzende Ed Miliband beharrte darauf, dass Murdoch mit dieser Aktion «das Problem keineswegs gelöst hat». Lord Prescott, ein früherer Vizepremierminister, sprach von einem «Management-Stunt». Tory-Justizminister Ken Clarke meinte: «Das Einzige, was hier passiert, ist, dass man der Sache einen neuen Namen verpasst.»

James Murdoch nannte die Aktion dagegen «den richtigen Schritt». Die von vielen Seiten geforderte Entlassung der Generaldirektorin des Unternehmens, Rebekah Brooks, lehnte die Murdoch-Familie unterdessen ab (vgl. TA vom Donnerstag). Brooks war zu einer Zeit Chefredaktorin des Blattes, in der ein Teil der Abhöraktionen stattfand. Sie hatte laut der «New York Times» diese Woche zweimal ihren Rücktritt angeboten.

Brooks und ihr Nachfolger Andy Coulson, der später Pressesprecher des heutigen Premierministers David Cameron wurde, werden von Kritikern für den Skandal verantwortlich gemacht. Wie der «Guardian» gestern berichtete, soll Coulson heute Morgen verhaftet werden.

«Scheusslich» und «ekelhaft»

Zuletzt war die «News of the World» unter scharfen Beschuss der britischen Streitkräfte und empörter Veteranen gekommen, nachdem bekannt wurde, dass die Zeitung ausser den Angehörigen von Terroropfern und ermordeten Kindern offenbar auch Familien gefallener britischer Soldaten belauschen liess.

Zu dieser Enthüllung erklärte General Sir David Richards, der Stabschef der Streitkräfte, die Sache sei schlicht «scheusslich» und «ekelhaft». Auch der britische Veteranenverband, die Royal British Legion, die besonderen Respekt geniesst, zeigte sich «zutiefst schockiert» über die Enthüllung. Der Verband stoppte jede Zusammenarbeit.

Die «besten Freunde» der Soldaten

In der Vergangenheit waren Murdochs Londoner Boulevardblätter – «News of the World» und «Sun» – als die «besten Freunde» der Soldaten aufgetreten. Auf ihren Seiten waren die Gefallenen stets als «Helden der Nation» gefeiert worden. Den letzten Enthüllungen zufolge liess das Blatt aber die Mobiltelefone trauernder Angehöriger von Soldaten abhören, die im Irak oder in Afghanistan getötet worden waren. Auch Verteidigungsminister Liam Fox nannte die Abhöraktion einen «unerhörten Vertrauensbruch».

Der Murdoch-Konzern geriet wegen des Abhörskandals diese Woche in wachsende Bedrängnis. «News of the World»-Leser kündigten an, dass sie das Blatt nicht länger kaufen würden. Auch weitere Grossunternehmen wie die Mobiltelefon-Firma O2, das Energieunternehmen Npower und die Drogeriekette Boots entzogen der Zeitung bedeutende Werbeaufträge. (pn/ami)

Erstellt: 08.07.2011, 10:24 Uhr

1

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

1 Kommentar

Markus Fischer

08.07.2011, 10:51 Uhr
Melden 12 Empfehlung

Hier wird der Sack geschlagen, obwohl der Esel gemeint ist: Der Murdoch'sche Journalismus sollte abgestellt werden und nicht eine Zeitung mit grosser Tradition seit den Anfängen des Victorianischen Zeitalters. Antworten



Ausland

Populär auf Facebook Privatsphäre


Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.