Ausland
Libyer erhöhen Anteile an Italiens grösster Bank
Von René Lenzin, Mailand. Aktualisiert am 07.09.2010 1 Kommentar
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Die Polemiken um libysche Investitionen in Italien reissen nicht ab. Ausgelöst durch den kürzlichen Staatsbesuch von Muammar al-Ghadhafi bei seinem Freund Berlusconi in Rom, drehen sie sich hauptsächlich um Beteiligungen an Italiens grösster und internationalster Bank Unicredit. Die libysche Zentralbank hält 4,99 Prozent der Aktien von Unicredit, und im Sommer hat der libysche Staatsfonds LIA seinen vorher unbedeutenden Anteil auf 2,1 Prozent aufgestockt. Vor allem bei der Lega Nord hat der steigende libysche Einfluss Abwehrreflexe ausgelöst.
Vordergründig operiert die Lega mit antimuslimischen Ängsten. Aber im Grunde geht es ihr vor allem um handfeste wirtschaftspolitische Interessen. Ihre zum Teil heftigen Reaktionen erklären sich einerseits mit der wachsenden Bedeutung der beiden grossen Banken Italiens. Unicredit und Intesa Sanpaolo haben ihren Anteil am heimischen Markt in den vergangenen zehn Jahren von 26,3 auf 33,4 Prozent gesteigert. Anderseits geht es aber auch um die Besitzverhältnisse der Banken. Der italienische Teil von Unicredit ist aus der Fusion von zahlreichen lokalen Ersparniskassen entstanden, die via Bankenstiftungen zu grossen Aktionären geworden sind. Über diese Stiftungen üben auch Vertreter der politischen Parteien direkten Einfluss auf die Banken aus.
Bankenaufsicht stellt Fragen
Seit ihren Wahlsiegen pocht die Lega auf mehr Sitze in diesen Gremien – sieht aber ihren potenziellen Einfluss gleich wieder in Gefahr, weil die Stiftungen gegenüber ausländischen Investoren an Bedeutung verlieren könnten. Einer der grössten Aktionäre von Unicredit ist die Stiftung der Ersparniskasse von Verona, Vicenza, Belluno und Ancona. Und einer der schärfsten Kritiker der libyschen Beteiligung ist Veronas Bürgermeister Flavio Tosi von der Lega Nord. Zusätzlich angeheizt wird die Stimmung durch ein Restrukturierungsprogramm, das Unicredit kürzlich ankündigt hat und dem in den nächsten drei Jahren 4700 Stellen zum Opfer fallen sollen. Gerade bei solchen Fragen seien ausländische Aktionäre viel weniger sensibel als lokal verankerte, polemisierte Tosi.
Solche Befürchtungen weist Alessandro Profumo, der Verwaltungsratsdelegierte von Unicredit, zurück. Er nahm gestern erstmals öffentlich Stellung zu den libyschen Beteiligungen. Zur Kritik der Lega mochte er sich dabei nur indirekt äussern. Er sehe keinen Grund für Ängste vor den libyschen Aktionären, sagte er. Mehr Sorgen als die politischen Aspekte bereiten ihm derzeit sowieso börsenrechtliche und statutarische Fragen im Zusammenhang mit den libyschen Beteiligungen. Sowohl die Börsenaufsicht Consob als auch die Zentralbank als Bankenaufsichtsbehörde haben sich mit dem Fall befasst. Und gemäss italienischen Medienberichten soll es auch im Verwaltungsrat von Unicredit zu Unstimmigkeiten gekommen sein.
Legen Investoren Pläne offen?
Das Statut der Bank beschränkt den Stimmanteil der Aktionäre auf fünf Prozent. Diese Bestimmungen könnten die Libyer aushebeln, indem sie zwar als eigenständige Eigner auftreten, aber ihr Vorgehen koordinieren. Solche Vermutungen nähren sich aus dem Umstand, dass die libysche Regierung und damit Staatschef Ghadhafi letztlich über beide Investoren gebiete. Ein weiteres Indiz ist, dass der Gouverneur der libyschen Zentralbank und Vizepräsident von Unicredit, Farhat Omar Bengdara, auch im Aufsichtsrat des Fonds LIA sitzt.
Profumo war gestern bemüht, sich aus solchen Spekulationen herauszuhalten. Es liege nicht an ihm, die Absichten der Aktionäre zu beurteilen. Vielmehr müssten diese ihre Pläne selber offenlegen. Man werde nun bei beiden Investoren eine Dokumentation zuhanden von Consob und Zentralbank einfordern. Diese soll Aufschluss darüber geben, ob es sich um einen gemeinsamen oder zwei getrennte Aktionäre handle.
Über eine Verletzung der statutarisch beschränkten Stimmmacht könne auch nicht er entscheiden, sondern nur eine Aktionärsversammlung, sagte Profumo weiter. Falls andere Aktionäre der Meinung seien, die Libyer verstiessen gegen diese Bestimmung, müssten sie halt die Gerichte anrufen. So weit ist es allerdings noch nicht. Vorerst wird wohl noch weiter spekuliert – und polemisiert. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 07.09.2010, 06:18 Uhr
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1 Kommentar
Ist eigentlich nicht verwunderlich und auch nichts neues wenn sich die italienischen und auch andere Politiker gegenüber den Freiern aus Lybien prostituieren. Wenn man seine Ehre verloren hat spielt es keine Rolle mehr von wem das Geld kommt. Auch nicht wenn einer wie Ghadhafi Blut hat an den Händen bis zu den Schultern. Antworten
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