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Seit mehr als 20 Jahren ist Leon Laclau mit seiner Marga zusammen, teilt mit ihr sein Leben und häufig auch das Bett. Das Problem: Den grössten Teil dieser Zeit diente Laclau als katholischer Priester in einer Stadt in den französischen Pyrenäen. Mittlerweile haben ihn seine Vorgesetzten des Amtes enthoben, was in seiner Gemeinde massive Proteste auslöste. Landesweit outeten sich daraufhin weitere Priester mit Partnerinnen und stellten - wie in anderen europäischen Ländern auch - das Zwangszölibat infrage.
Die Kritiker des Zölibats machen geltend, dass die Verpflichtung zur Ehelosigkeit zu einem deutlichen Einbruch bei den Priesteranwärtern führt. Befeuert wird die Debatte von den jüngsten Missbrauchsfällen in ganz Europa. Der Vatikan sieht keinen Zusammenhang zwischen Zölibat und den sexuellen Übergriffen auf Kinder und Jugendliche. Über das Thema Priester in festen Partnerschaften wird jedoch der Mantel des Schweigens gebreitet.
Gläubig trotz Liebe
«Meine Liebe zu Marga hat mich niemals davon abgehalten, Glauben zu haben. Im Gegenteil, sie hat mich dazu sogar noch ermutigt», sagt Laclau und fügt hinzu: «Ich lebte mein Liebesleben mit Marga, und ich behielt meine Leidenschaft für die Kirche.»
Kennengelernt haben sich die beiden im Jahr 1985. Laclau hielt den Trauergottesdienst für Margas ersten Ehemann. Als sich ihre Liebe entwickelte, versuchten sie zunächst, das zu verbergen. Stück für Stück erfuhren ihre Freunde von der Beziehung, reagierten «mit Schweigen, aber nicht aus Missbilligung, sondern um sich nicht einzumischen», wie Laclau erklärt.
Beim Einzug ins Pfarrhaus endete die Toleranz
Die stillschweigende Toleranz der Kirche begann jedoch zu bröckeln, als Marga im Jahr 2001 im Pfarrhaus einzog. Laclaus Vorgesetzter, Vater Benat Oyhenart, forderte ihn auf, die «Beziehung zu reinigen» - also sich zwischen seiner Berufung und seiner Liebe zu entscheiden. «Was willst Du einem jungen Bräutigam sagen, der fragt: Wie kann ich mich vor einem Priester dem Sakrament der Ehe verpflichten, der sich selbst nicht an das Versprechen hält, das er für den Rest seines Lebens gegeben hat?», schrieb Oyhenart an Laclau.
Doch Oyhenart erhielt auch besorgte und sogar wütende Briefe von Kirchgängern. «Wenn ihr ihn (Laclau) ersetzt, werde ich meine Kinder zu Hause lassen - aus Angst davor, dass sein Nachfolger ein Pädophiler ist», hiess es in einem Schreiben. Solche Ängste haben zuletzt massiv Nahrung bekommen angesichts der Welle von Missbrauchsfällen in Europa, aber auch in Australien und den USA.
Theologen und Psychologen warnen davor, Zölibat und Pädophilie in einen direkten Zusammenhang zu setzen. Doch offenbar gibt es in der Kirche eine wachsende Bereitschaft darüber nachzudenken, ob es wirklich notwendig ist, Priester zur Ehelosigkeit zu zwingen.
Unbefangene Untersuchung des Themas
Bereits vor zwei Jahren sorgte der damals frischgewählte Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, für Aufsehen, als er erklärte, die Verbindung zwischen Priestertum und Ehelosigkeit sei nicht theologisch notwendig. Kürzlich forderte der österreichische Kardinal Christoph Schönborn, einer der engsten Vertrauten von Papst Benedikt XVI., eine unbefangene Untersuchung von Themen wie Zölibat und Priesterausbildung im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch.
Dabei geht es auch um das Problem, dass die katholische Kirche vielerorts massive Probleme beim Priesternachwuchs hat. Weltweit steigt laut Statistiken des Vatikans die Zahl der katholischen Priester zwar noch leicht. Das ist jedoch vor allem auf das starke Wachstum in Asien und Afrika zurückzuführen. In Europa und in den USA gibt es dagegen seit Jahren kontinuierlich immer weniger Priester.
Den Glauben muss man pflegen – wie die Liebe
Nach dem Kirchenrecht könnte der Papst die Vorschriften für das Zölibat mit einem Erlass ändern. Möglich wäre auch, dass solche Reformen in einem grösseren Forum diskutiert und verabschiedet werden - etwa in einem neuen Vatikanischen Konzil.
Ob sich dabei allerdings eine Mehrheit für eine Aufhebung des Zölibats finden wird, bezweifelt der amerikanische Vatikan-Experte Thomas Reese. Er verweist darauf, dass viele Gemeinden das Problem ohnehin bereits gelöst hätten - indem sie Partnerschaften von Priestern einfach ignorierten.
«Ein Ende des Zölibats ist nicht die einzige Antwort auf die Probleme», sagt Laclau. Die Kirche bekäme dadurch aber ein menschlicheres Antlitz. Er hat das Priesteramt nach mehr als 20 Jahren wilder Ehe verlassen und seine Marga geheiratet. Die Heilige Messe besuche er nach wie vor - zwar nicht regelmässig, aber doch immer wieder. «Es ist jedes Mal eine Freude, daran teilzunehmen», sagt Laclau. «Ich habe noch Glauben. Aber man muss ihn pflegen. Das ist so ähnlich wie mit der Liebe.» (sam/ddp)
Erstellt: 18.03.2010, 16:34 Uhr
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