Ausland
Liebesnacht in Putins Bett
Artikel zum Thema
- Opa Silvio auf Stippvisite in Lugano
- «Ich bin stolz darauf, fast ein Wunder vollbracht zu haben»
- Europas Medien schimpfen über Berlusconi
Berlusconi und Patrizia plaudern
Audio: L'Espresso
Den G-8-Gipfel in L'Aquila hat Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi souverän gemeistert – für einmal sorgte er nicht für Peinlichkeiten. Er machte durchaus eine «bella figura», er gab ein gutes Bild eines Gastgebers ab.
Die Ruhe, die er in der letzten Woche geniessen konnte, ist schon wieder vorbei. Anlass dafür sind Aufnahmen, die das italienische Magazin «L'Espresso» veröffentlicht hat. Die Tondokumente, welche die Zeitschrift am Wochenende auszugsweise als Transkript veröffentlichte, stammen von Patrizia D'Addario. Das 42-jährige Callgirl ist eine der Frauen, mit denen sich Italiens Ministerpräsident vergnügte. Die Partys, die der Cavaliere mit Freunden und vor allem mit vielen Frauen feierte, sind in Italien längst ein Politikum.
Zuerst nur für die Staatsanwaltschaft
Berlusconi bestritt stets die in Medien verbreiteten Geschichten über sein privates Treiben in der Villa Certosa auf Sardinien und im Palazzo Grazioli, einer Berlusconi-Residenz in Rom. Das Callgirl D'Addario verunglimpfte er als Lügnerin. Sie sei bezahlt worden, um zu lügen. Diesen Vorwurf kontert nun das Callgirl mit Tonaufnahmen, die ihre Begegnungen mit dem italienischen Regierungschef belegen. Sie hatte heimlich Tonaufnahmen von diversen Gesprächen gemacht.
Ursprünglich hatte sie die Audiofiles nur der Staatsanwaltschaft zur Verfügung gestellt, die gegen einen süditalienischen Geschäftsmann und Compagnon von Berlusconi ermittelt - dies im Zusammenhang mit einem illegalen Callgirl-Ring, der den Ministerpräsidenten mit Frauen bedient haben soll. Die Tonbänder, die inzwischen als Audiofiles auf der Webseite von «L'Espresso» zu hören sind, dokumentieren mehrere Begegnungen des Politikers mit D'Addario. Die Inhalte der Tonbänder lassen sich wie folgt zusammenfassen.
Mitte Oktober 2008: Die Audioaufnahmen dokumentieren, dass ein Fest mit vielen Frauen im Gange ist. Berlusconi begrüsst einzelne Gäste und macht Sprüche. Es wird viel gelacht. «Für unser Theater habe ich 22 Kostüme organisiert...», sagt Berlusconi. Aus Medienberichten ist bekannt, dass sich Frauen bei Berlusconi-Parties oft verkleiden mussten, in einem Fall als Samichläuse. Berlusconi spricht d'Addario an. «Ich lebe in Mailand, komme aber aus Bari. Zurzeit beschäftigt mich ein Hausprojekt. Es geht aber nicht gut, weil ich es allein durchziehen muss», sagt das Callgirl.
4. November 2008:Berlusconi und d'Addario befinden sich im Palazzo Grazioli in Rom, sie sind offensichtlich alleine. Es ist die Nacht, in der Barack Obama die US-Präsidentenwahl gewinnen wird. Berlusconi zeigt ihr Zeichnungen, die er selber gemacht habe. D'Addario lobt ihn. Längere Zeit sprechen sie über Zeichnungen. Dann ein abrupter Themawechsel: «Ich gehe jetzt unter die Dusche», sagt Berlusconi. «Du gehst auch duschen. Und wenn du früher fertig bist, kannst du im grossen Bett auf mich warten.» D'Addario fragt: «Welches Bett? Das Bett von Putin?» «Ja, das Bett von Putin», antwortet Berlusconi. Das Callgirl scheint zu wissen, um welches Bett es sich im grossen Haus handelt. Das Himmelbett wurde vermutlich nach Putin benannt, weil der russische Regierungschef und Berlusconi-Freund bei Italien-Besuchen ausgerechnet in diesem Bett genächtigt haben soll.
5. November 2008: Am Tag danach telefoniert D'Addario mit Giampaolo Tarantini. Er ist der obskure Geschäftsmann hinter dem Callgirlring, der die Liebesdienste für Berlusconi organisiert. «Wir haben die ganze Nacht kein Auge zugemacht, es ist gut gegangen», berichtet die 42-Jährige. «Ich habe aber kein Couvert bekommen.» Gemeint war ein Couvert mit Geld. Für einen kurzen Moment herrscht Irritation. «Er hat mir eine kleine Schildkröte geschenkt. Und er hat mir versprochen, dass er mir bei meinem Hausprojekt helfen will. Er wird Arbeiter auf die Baustelle schicken». Berlusconi habe sie um ihre Telefonnummer und ihren Nachnamen gebeten, sagte D'Addario. «Und er hat mich gefragt, ob wir uns wieder sehen können, vielleicht noch mit einer Freundin von mir.»
Die Tonbänder des Callgirls liefern insgesamt keine spektakulären Informationen. Sie beweisen aber, dass sich D'Addario und Berlusconi sehr wohl begegnet sind. Insofern fällt der Lügenvorwurf, mit dem Berlusconi d'Addario diffamieren wollte, auf ihn zurück. Und dies kommt seinen politischen Gegnern sehr gelegen.
Opposition attackiert Berlusconi
Die italienische Opposition hat inzwischen Ministerpräsident Berlusconi wegen der Medienberichte über sein Sexleben scharf angegriffen. Der Skandal habe «das Ansehen und die Autorität der italienischen Regierung geschwächt», hiess es in einem am Dienstag im Senat eingebrachten Antrag. Regierungsvertreter werden darin aufgefordert, ihr Privatleben im Einklang mit ihren öffentlichen Äusserungen zu gestalten.
Der Skandal um den Ministerpräsidenten begann bereits Ende Januar, als seine Frau Veronica Lario öffentlich eine Entschuldigung von ihrem Mann verlangte und danach auch ihre Absicht ankündigte, sich scheiden zu lassen. Damals ging es vor allem um die Teilnahme Berlusconis an einer Geburtstagsparty für ein 18-jähriges Mädchen. (vin)
Erstellt: 21.07.2009, 21:33 Uhr
Ausland
- 11:17Plant Berlusconi einen Anlauf mit neuer Partei?
- 06:36Mob wirft Steine auf Präsidentschaftskandidaten
- 06:23Unterstützte der Bieler Gymnasiast eine Terrorgruppe?
- 23:08Grosser Andrang vor ägyptischen Wahllokalen
- 21:28«Dieses Ungleichgewicht zerstört die Europäische Union»
- 19:31Weil er die Spur zu Osama bin Laden legte: Arzt muss ins Gefängnis
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.




