Ausland

Minarettverbot: «Sarkozy hätte diese Schandtat verurteilen sollen»

Aktualisiert am 09.12.2009

Zahlreiche Leser haben Nicolas Sarkozys Artikel in der Pariser Zeitung «Le Monde» kommentiert: Die meisten halten nichts vom Schulterschluss des Präsidenten mit der Schweiz.

Verteidigt die Schweiz nach dem Ja zur Anti-Minarett-Initiative: Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy.

Verteidigt die Schweiz nach dem Ja zur Anti-Minarett-Initiative: Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy.
Bild: Keystone

Die Medienoffensive von Präsident Nicolas Sarkozy scheint in Frankreich nicht goutiert zu werden: Sein Artikel zum Schweizer Minarettverbot in der Zeitung «Le Monde» ruft mehrheitlich kritische Reaktionen hervor. Viele Leser hinterfragen, warum Sarkozy – in seinem Beitrag verteidigt er die Schweiz und zeigt Verständnis für die Sorgen des Volkes gegenüber dem Islam – politischen Gewinn aus dem Schweizer Votum ziehen will. Jacques V. schreibt beispielsweise: «Toleranz muss allen zuteil werden. Man kann sie nicht nur von den Muslimen erwarten.»

Alexandre P. stellt trocken fest: «Sarkozy sagt uns, die Schweizer haben richtig abgestimmt, sie zeigen uns den Weg.» Er befürchtet, dass das Minarettverbot den französischen Rechtsextremen unter Jean-Marie Le Pen Aufwind geben könnte. Sarkozy wolle gegenüber Ausländern nur tolerant sein, wenn sich diese assimilierten und unsichtbar würden. Deutlicher wird ein Leser mit dem Pseudonym pacré: «Sarkozy stützt sich auf das Schweizer Ergebnis, das von der extremen Rechten organisiert wurde. Er hätte diese Schandtat verurteilen und keine politischen Schlüsse für sich daraus ziehen sollen».

Zweierlei Massstäbe

Claude L. versteht nicht, warum Sarkozy sich daran stört, dass man die Schweiz des Populismus bezichtige. «Es war ja eine populistische Partei, die dieses Referendum unterstützte». Einige Leser ärgern sich auch darüber, dass Sarkozy nun plötzlich ein offenes Ohr für Volkes Stimme hat. «Sarkozy scheint das Schweizer Abstimmungsergebnis besser zu respektieren und zu verstehen, als jenes der Iren nach deren Nein zum Lissaboner EU-Vertrag», schreibt der Leser jlecynique. Damals forderte der französische Präsident die irischen Stimmberechtigten auf, nochmals abzustimmen.

Für viele macht die ganze Debatte, die das Schweizer Votum in Frankreich ausgelöst hat, gar keinen Sinn: Sie sind Atheisten oder Nichtgläubige und wollen keine religiöse Identität aufgedrückt bekommen. Vereinzelt finden sich unter den Kommentaren Stimmen, die die Schweizer in Schutz nehmen. So stört sich Leser ruz an Sarkozys belehrendem Tonfall: «Der Präsident behandelt die Schweiz herablassend: Er versucht das Land zu verstehen als wäre es ein ungezogenes Kind.» (cha)

Erstellt: 09.12.2009, 13:47 Uhr

Ausland

Populär auf Facebook Privatsphäre

Immobilien

Marktplatz
Wohnung/Haus suchen

Weitere Immo-Links
homegate TV
Hypotheken vergleichen
Umzug
Immobilie inserieren
Inserat erfassen
Grillsaison
homegate Besser grillieren mit unseren Experten-Tipps Mehr

In Partnerschaft mit:

Homegate

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.