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Mit Gummischrot gegen Schüler – 290 Jugendliche verhaftet

Aktualisiert am 18.10.2010 35 Kommentare

Die Druck gegen die Rentenreform wächst an: Inzwischen leidet Frankreich unter massivem Spritmangel. Die Sicherheitskräfte gehen hart gegen die Demostranten vor.

1/33 Entspannung beim Treibstoff: Ein Tanklastwagen verlässt eine Raffinerie in Donges.
Bild: Keystone

   

Fast 300 Festnahmen

Bei gewalttätigen Protesten von Schülern gegen die Rentenreform in Frankreich hat die Polizei am Montag rund 290 Jugendliche festgenommen. Davon seien 231 in Gewahrsam genommen worden, teilte das Innenministerium am Abend mit.

Am Nachmittag hatte das Ministerium von knapp 200 Festnahmen gesprochen. Fünf Polizisten seien verletzt worden.

Bei Schülerprotesten in mehreren Städten des Landes war es zu Zusammenstössen mit Steinwürfen und dem Einsatz von Tränengas durch die Polizei gekommen. Laut Regierung wurden landesweit ingesamt 261 Schulen bestreikt, während der Schülerverband UNL von 850 Schulen sprach, von denen 550 blockiert worden seien.

Für einen Protesttag am Dienstag sind auch die Studenten aufgerufen, sich den Demonstrationen anzuschliessen. Die Rentenreform der konservativen Regierung, die eine Erhöhung des Renteneintrittsalters von 60 auf 62 Jahre vorsieht, wurde unterdessen weiter im Senat beraten. Ob abschliessend am Mittwoch abgestimmt werden würde, war jedoch unklar, weil immer noch rund 500 Änderungsanträge vorlagen.

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In Frankeich leidet der Verkehr trotz gegenteiliger Bekundungen der Regierung immer deutlicher unter den Auswirkungen der landesweiten Streiks. Die Gewerkschaften reagierten am Montag ablehnend auf den Appell, die Arbeit in den Raffinerien wieder aufzunehmen. Die Proteste gegen die Rentenreform nahmen eher noch an Intensität zu. Die Flugaufsichtsbehörde forderte die Airlines auf, ihre Flüge von und nach Paris am Dienstag drastisch einzuschränken. Unterdessen streikten auch die Eisenbahner in Belgien, alle Bahnhöfe blieben geschlossen.

Die französischen Gewerkschaften haben gezielt die Spritversorgung im Land ins Visier genommen. Seit mehreren Tagen streiken die Arbeiter in allen zwölf Raffinerien, auch zahlreiche Treibstoffdepots werden blockiert. Im Mittelmeer ankern derzeit Dutzende von Öltankern, weil sie nicht die beiden bestreikten Ölhäfen von Marseille anlaufen können.

In Grandpuits östlich von Paris stellten sich Mitarbeiter einer Raffinerie offen gegen die rechtliche Anweisung der Regierung, die Arbeit wieder aufzunehmen. Sie stapelten Reifen vor dem Eingang und bildeten eine Menschenkette, um mögliche Streikbrecher am Zutritt zum Gelände zu hindern. Gewerkschaftsführer erwarteten das baldige Einschreiten der Polizei. Die Regierung eröffnete angesichts der Krise am Montag ein Koordinierungszentrum, das im Innenministerium ansässig ist und sich vor allem um den Konflikt im Öl-Sektor kümmern soll.

Gummigeschosse gegen Schüler

Die Flugaufsichtsbehörde DGAC forderte die Airlines auf, am Dienstag den Luftverkehr am Pariser Flughafen Orly um die Hälfte zu reduzieren. An den anderen Flughäfen im Grossraum Paris sollten 30 Prozent der Flüge ausfallen. Die Eisenbahngesellschaft SNCF konnte am Montag die Hälfte ihrer Hochgeschwindigkeitszüge TGV nicht fahren lassen. Die Eurostar-Verbindung zwischen Paris und London sei aber nicht betroffen gewesen, erklärte das Unternehmen.

Am Morgen schlossen sich Lastwagenfahrer den Protesten an und blockierten mehrere Autobahnen, darunter die zwischen Paris und Lille. Die Kraftfahrer steuerten ihre Fahrzeuge im Schneckentempo über die Strassen, so dass der nachfolgende Verkehr aufgehalten wurde. Auch Frankreichs Jugend zeigte sich kampfeslustig und zündete Autoreifen und Fahrzeuge an, errichtete Blockaden und lieferte sich Auseinandersetzungen mit der Polizei. Als Schüler im Pariser Vorort Nanterre ihre Schule blockieren wollten, setzten die Sicherheitskräfte Gummigeschosse ein. Insgesamt wurden nach Mitteilung des Bildungsministeriums am Montag 261 Schulen blockiert.

Massenproteste als Druck

Die Streiks und Blockaden richten sich gegen das Vorhaben der Regierung von Präsident Nicolas Sarkozy, das Rentenalter von 60 auf 62 Jahre zu erhöhen. Die entscheidende Abstimmung über die Reform soll am Mittwoch im Senat stattfinden. Die Massenproteste sollen die Regierung dazu bringen, das Gesetz doch noch fallenzulassen.

In Belgien richtet sich der Streik der Eisenbahner gegen die Reform des Güterverkehrs. Die Auswirkungen betrafen auch den Zugverkehr nach Deutschland und in andere Nachbarländer. Der Eurostar zwischen Brüssel und London fiel aus. Die Auswirkungen des 24-stündigen Streiks dürften auch noch am Dienstag zu spüren sein, wenn der reguläre Betrieb wieder aufgenommen werden soll. (mrs/AFP)

Erstellt: 18.10.2010, 17:05 Uhr

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35 Kommentare

Richard Kunz

18.10.2010, 19:54 Uhr
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Auch wenn die Proteste für die Wirtschaft des Landes kontraproduktiv sind, verstehe ich all die Leute auf der Strasse. Wahrscheinlich geht es nicht darum, dass die Menschen die Notwendigkeit zur Erhöhung des Rentenalters nicht begreifen. Nein, ich denke die Menschen haben in sämtlichen Länder der Welt einfach genug von der Ungerechtigkeit welche immer die Kleinen Bürger trifft. Die Elite???Nie!!! Antworten


Eric Greney

18.10.2010, 19:23 Uhr
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Steuergeschenke für die von ganz Oben und (entgegen Sarkozys vollmündige Versprechungen) mehr arbeiten für weniger Geld für die da unten......So stellen sich die Prediger des Neoliberalismus die Welt vor. Die Rentenreform (welche absolut nötig ist) ist zwar der Zankapfel, steht aber nur stellvertretend für den ganzen angestauten Volkszorn auf die da Oben. Bye Bye Nicolas Antworten



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