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Niederlage gegen Gauck? Wulff schliesst nichts mehr aus

Der Kandidat von Union und FDP für das Amt des Bundespräsidenten, Christian Wulff, würde gerne Ministerpräsident bleiben, wenn er die Wahl in der Bundesversammlung verliert.

Kopf-an-Kopf-Rennen: Der Kandidat der Regierung, Christian Wulff, und Joachim Gauck, der in Umfragen bei der Bevölkerung vorne liegt.

Kopf-an-Kopf-Rennen: Der Kandidat der Regierung, Christian Wulff, und Joachim Gauck, der in Umfragen bei der Bevölkerung vorne liegt.

«Es ist sehr ehrenhaft, wenn man als Ministerpräsident die Chance bekommt, Bundespräsident zu werden», sagte Christian Wulff der Hamburger Wochenzeitung «Die Zeit» in einem Beitrag, der am Mittwoch vorab veröffentlicht wurde. «Aber es wäre auch nicht unehrenhaft, Ministerpräsident zu bleiben», erklärte er weiter. Mit ihm sei auch dann weiter zu rechnen, wenn er nicht Bundespräsident werden sollte.

Wulff rechtfertigte in dem Beitrag seine Entscheidung, bis zur Wahl am 30. Juni im Amt zu bleiben. «Wenn ich meine Ämter jetzt aufgeben würde, sähe es doch so aus, als würde ich das Ergebnis der Wahl vorwegnehmen. Das wäre arrogant», sagte er. Zu der Kritik an seiner Kandidatur meinte der 50-Jährige, diese gelte zum Teil auch dem Start der Bundesregierung. Dass sein Gegenkandidat Joachim Gauck grosse Unterstützung erhalte, liege auch an dem starken Misstrauen Vieler gegenüber Politikern. Es gebe «eine starke Sehnsucht nach Seiteneinsteigern, die unbeschadet von der Tribüne auf das Spielfeld gehen», sagte Wulff. Ihn erfülle diese Entwicklung mit Sorge.

Gauck laut Umfrage deutlich beliebter

Nach dem überraschenden Rücktritt von Horst Köhler hatte die schwarz-gelbe Koalition in der vergangenen Woche den Niedersachsen Wulff als ihren Kandidaten präsentiert. SPD und Grüne schickten hingegen den ehemaligen DDR-Bürgerrechtler Gauck ins Rennen. Da dieser auch bei FDP-Politikern und in der Union auf Sympathien trifft, gilt Wulffs Wahl in der Bundesversammlung trotz einer bequemen Mehrheit von Schwarz-Gelb als nicht hundertprozentig gesichert. Die Linke tritt mit ihrer Abgeordneten Abgeordneten Luc Jochimsen zur Bundestagswahl an.

Der rot-grüne Präsidentschaftskandidat Joachim Gauck ist in der Bevölkerung laut einer Umfrage deutlich beliebter als der Bewerber von Schwarz-Gelb, Christian Wulff. 42 Prozent der Bundesbürger würden für den früheren Stasiakten-Beauftragten Gauck votieren, wenn sie den Bundespräsidenten selbst wählen könnten, wie aus der am Mittwoch vom Hamburger Magazin «Stern» veröffentlichten Forsa-Umfrage hervorgeht. 32 Prozent würden sich für den niedersächsischen CDU-Ministerpräsidenten entscheiden.

Wegen der Kanzlerin kurz gezögert

Gauck sagte dem «Stern», er habe eine «menschliche Sekunde» darüber nachgedacht, ob er aus Rücksicht auf Bundeskanzlerin Angela Merkel auf seine Kandidatur verzichten solle. «Warum soll ich jene ärgern, die mir eigentlich nahe stehen? Das ist doch schade», habe er sich gefragt. Dann habe er aber den Gedanken verworfen: «Wenn du davon die Entscheidung abhängig machst, ist das ein wenig verspielt und ganz sicher unerwachsen.» Gauck fügte hinzu: «Ich durfte nicht Nein sagen. Das hätte ich nicht verantworten können.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.06.2010, 13:23 Uhr

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5 Kommentare

Max Sutter

11.06.2010, 11:36 Uhr
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Dabei gäbe es bei der (politisch bedeutungslosen) Wahl des Bundespräsidenten sehr wohl das demokratisch-plebiszitäre Element. Die Hälfte der Stimmen sollte von "unabhängigen" Bürgerinnen und Bürgern kommen. Doch Merkel, Seehofer und Westerwelle haben sich bereits im Vorfeld auf einen Kandidaten geeinigt. Weil unabhängige Bürger da nur stören würden, gab man deren Sitze diesmal an treue Parteileute Antworten


siegfried anysas

09.06.2010, 19:03 Uhr
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unter demokratischen spielregeln , wie die vorkommentare festhalten , ist die volkesmeinung natürlich wichtig . nur..... in deutschland hat sie inzwischen zum skrupellosen parteienstammtisch ....auf kosten der gesamtstaatlichen entwicklung geführt . wie lange kann es so weitergehen ? das ausland kann sich natürlich darüber freuen . ich fühle mich unwohl bei dieser parteien-karjeristen demokratie Antworten


Hans-Günter Titze

09.06.2010, 15:43 Uhr
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Wen interessiert die Meinung des Volkes? Wenn die Linken keine Kandidatin aufgestellt hätten, dann hätte es tatsächlich dazu kommen können. Aber diese Leute sind scheinbar in den meisten Ländern nur damit beschäftigt, ihr eigenes Süppchen (s. Staatsvertrag w/UBS) zu kochen, anstatt sich für das Gemeinwesen und dem Wunsch des Volkes einzusetzen. Schade für Herrn Gauck. Antworten


Dieter Wundrig

09.06.2010, 13:59 Uhr
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Das Volk würde sicherlich einen Präsidenten Gauck befürworten, welcher keiner Partei direkt verpflichtet ist, sicherlich auch ein ausgewogeneres Geschichtsbewusstsein gegenüber den Bürgern vertreten könnte.Christian Wulff sollte der Partei erhalten bleiben und einmal der jetzigen zögerlichen Kanzlerin den Sessel vor die Türe stellen.Soll etwa der noch recht junge Wulff "weggelobt" werden? Antworten


Bruno Bänninger

09.06.2010, 13:47 Uhr
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Eine Persönlichkeit wie Joachim Gauck wäre für Deutschland ein Lichtblick und könnte ganz Europa gut tun. Nichts gegen Herr Wulff, aber er würde wohl als abhängiger und angepasster Kleingeist kaum den Mut finden, mit unpopulären Wahrheiten die Scheinheiligkeit der Politik aufzudecken und ein Umdenken anzuregen. . Antworten



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