Papst: «Schwule vernichten Gottes Werk»

Aktualisiert am 23.12.2008 307 Kommentare

Benedikt XVI. hat die Ausbreitung von Homosexualität mit der Abholzung des Regenwaldes verglichen. Die deutsche Papst-Kritikerin Uta Ranke-Heinemann spricht von einer Drohbotschaft gegen Homosexuelle.

«Die Kirche soll die Menschen vor Selbstzerstörung schützen»: Papst Benedikt XVI.

«Die Kirche soll die Menschen vor Selbstzerstörung schützen»: Papst Benedikt XVI. (Bild: Keystone)

«Die Geschichte der Homosexuellen im Christentum ist eine zu bittere Geschichte»: Theologin Uta Ranke-Heinemann.

«Die Geschichte der Homosexuellen im Christentum ist eine zu bittere Geschichte»: Theologin Uta Ranke-Heinemann. (Bild: Keystone)

«Die Kirche soll die Menschen auch vor der Selbstzerstörung schützen», erklärte Papst Benedikt XVI. bei seinem traditionellen Jahresrückblick in Rom. Der 81-jährige Pontifex sagte nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters, dass es daher genau so wichtig sei, die Menschheit vor homo- und transsexuellen Verhalten zu schützen wie den Regenwald vor der Vernichtung zu bewahren. «Die Regenwälder haben ein Recht auf unseren Schutz. Aber der Mensch als Kreatur hat nicht weniger verdient.» Demnach bedrohe Homosexualität die Menschheit ebenso wie die Zerstörung der Regenwälder. Jedes Verhalten, das über die traditionelle heterosexuelle Beziehung hinausginge, «vernichtet Gottes Werk», erklärte der Papst weiter. Es brauche eine «Ökologie des Menschen», die den von Gott gewollten Prinzipien entspreche.

Homosexuellen-Organisationen empört

Der offiziellen Linie der katholischen Kirche zufolge ist Homosexualität keine Sünde, gleichgeschlechtliche Beziehungen aber schon. Die Kirche ist gegen die homosexuelle Ehe. Noch im Oktober bezeichnete ein hochrangiger Beamter des Vatikans Homosexualität als «eine Abweichung, eine Unregelmässigkeit, eine Wunde». In der Zwischenzeit haben sich Homosexuellenverbände in ganz Europa zu Wort gemeldet und den Papst kritisiert. Mit seiner Haltung schüre Benedikt XVI. den Hass gegen Homosexuelle.

Erinnerung an Homosexuellen-Verbrennungen

Die deutsche Papst-Kritikerin Uta Ranke-Heinemann bezeichnete die Rede von Benedikt XVI. als Drohbotschaft gegen die Homosexuellen. Die Rede dürfe nicht unwidersprochen bleiben, sagte Ranke-Heinemann im Gespräch mit «Spiegel Online». «Die Geschichte der Homosexuellen im Christentum ist eine zu bittere Geschichte.» Die Christen hätten eineinhalb Jahrtausende auf päpstlichen Befehl Homosexuelle verbrannt, sagte die streitbare Theologin. (vin)

Erstellt: 23.12.2008, 22:24 Uhr

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307 Kommentare

Athos Staub

28.12.2008, 11:23 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Die Morallehre Ratzingers ist in sich schlüssig. Der Vorwurf "Naturalistischer Fehlschluss" greift zu kurz. Die Frage ist eine andere: Bauen wir unser Zusammenleben auf Metaphysik und Kirchenmoral oder auf Aufklärung, Menschenrechten, Rechtsstaat und Demokratie? Wählen wir die zweite Option, dann gilt es, Kirche und Staat konsequent zu trennen und dem Vatikan die UNO-Mitgliedschaft abzusprechen. Antworten


Florian Leuthardt

28.12.2008, 12:39 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Erfreulich, dass die grosse Mehrheit der Kommentare sich gegen die unchristlichen Worte dieses Papstes ausspricht. Antworten



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