Ausland

Protestwettlauf in Russland

Aktualisiert am 04.02.2012 12 Kommentare

Trotz klirrender Kälte: In Moskau gingen heute Zehntausende auf die Strasse, um für oder gegen eine Putin-Regierung zu demonstrieren. Die beiden Seiten übertrumpfen sich mit Angaben über die Teilnehmerzahlen.

1/5 Für ein Russland ohne Putin und faire Wahlen: Demonstrationszug in Moskau. (4. Februar 2012)
Bild: AFP

   

Demonstration in Russland. (Video: Reuters )

Artikel zum Thema

Stichworte

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Zehntausende Russen haben heute in der Hauptstadt Moskau an Demonstrationen für und gegen die Regierung von Ministerpräsident Wladimir Putin teilgenommen. An einem Protest gegen Putin beteiligten sich bei eisigen Temperaturen um die minus 17 Grad Celsius nach Angaben der Opposition rund 120'000 Menschen, die Polizei gab ihre Zahl mit 36'000 an.

Eine Kundgebung zur Unterstützung der Regierung zog laut Polizei knapp 140'000 Demonstranten an. «Wir sind hier mindestens 120'000 Menschen», sagte einer der Organisatoren, der frühere Abgeordnete Wladimir Ryschkow, bei der Kundgebung gegen Putin. Ryschkow ist Ko-Vorsitzender der Oppositionsbewegung Parnas, die nicht zu der umstrittenen Parlamentswahl am 4. Dezember zugelassen worden war. Die Moskauer Behörden hatten den Gegnern Putins für heute eine Kundgebung mit maximal 50'000 Teilnehmern erlaubt.

«So viele sind gekommen, sie können uns nicht alle festnehmen», sagte der 56-jährige Demonstrant Alexander Selenski. «Das ist ein langsamer Prozess, aber wir glauben, dass er schliesslich zu Demokratie und freien Wahlen führen wird.» Auch Kommunisten und Nationalisten schlossen sich dem Demonstrationszug an. Die Behörden hatten den Marsch genehmigt, nachdem sie einen Antrag der Organisatoren abgelehnt hatten, sich vor dem Kreml zu versammeln.

«Wir werden demonstrieren, bis sie gehen»

Die Regierungskritiker trugen bei ihrer Demonstration erneut weisse Bänder als Zeichen ihrer Protestbewegung. «Wir werden demonstrieren, bis sie gehen», war mit Blick auf Putin und Präsident Dmitri Medwedew auf Transparenten zu lesen. «Hier sind Menschen mit völlig unterschiedlichen politischen Ansichten versammelt - Linke, Rechte, Nationalisten, alle», sagte Antikorruptionsaktivist Alexej Nawalni, eines der bekanntesten Gesichter der Protestbewegung.

Die Führung in Moskau sieht sich seit der Parlamentswahl am 4. Dezember mit der grössten Protestbewegung konfrontiert, seit Putin im Jahr 2000 zum ersten Mal Staatschef wurde. Am 4. März will er sich wieder zum Präsidenten wählen lassen, Medwedew soll dann das Amt des Ministerpräsidenten übernehmen.

Im Internet hatten sich zuvor viele Beschäftigte staatlicher Einrichtungen wie Behörden, Schulen und Krankenhäusern darüber beklagt, zur Teilnahme an der Putin-freundlichen Kundgebung gezwungen zu werden. Teilweise soll ihnen dafür auch Geld angeboten worden sein. Das Putin-Lager wies die Vorwürfe zurück. (mrs/dapd)

Erstellt: 04.02.2012, 13:09 Uhr

12

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

12 Kommentare

Wolfgang Fischer

04.02.2012, 21:05 Uhr
Melden 21 Empfehlung

Die Fotos, die fuer diese Bildserie ausgewaehlt wurden, spotten jeder Objektivitaet. Fest steht, dass Putin sehr viel mehr Anhaenger hat als ein paar "aeltere Frauen in Sibirien". Das ist auch nachvollziehbar, denn er hat - nach dem katastrophalen Niedergang unter Jelzin - das Land und seine Infrastruktur erfolgreich wieder aufgerichtet, in Wirtschaft, Transport, Bildung, Forschung etc. etc. Antworten


Peter Bitterli

04.02.2012, 20:13 Uhr
Melden 20 Empfehlung

Ja, Frau Sommer, fähige und starke Persönlichkeiten lassen manche hin und wieder erschauern. Man nennt so etwas Charisma. Es ist bei uns wenig verbreitet. Aber jedem das Seine. Mich lassen unsere Flaschen erschauern. Antworten




Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.