Ausland

Romneys Tour der Pannen

Aktualisiert am 31.07.2012 78 Kommentare

Mitt Romney hat während seiner Auslandreise bereits die Briten, die Israeli, das Weisse Haus und die Gewerkschaft Solidarnosc in Polen verärgert. Dort hält er heute seine letzte Rede. Gespannt wartet man auf seinen nächsten Patzer.

1/19 Romney mit dem polnischen Premierminister Donald Tusk in Danzig. (30. Juli 2012)
Bild: Reuters

   

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Obama rechnet zurzeit mit Wahlsieg

US-Präsident Barack Obama hat sich zuversichtlich geäussert, dass er eine Wahl derzeit knapp gewinnen würde. «Wenn heute die Wahl stattfinden würde, glaube ich, dass es eng würde, aber ich glaube, wir würden gewinnen», sagte er am Montag vor Unterstützern in New York. Seine Gegner investierten sehr viel Geld in den Wahlkampf, und die Demokraten bräuchten beträchtliche Summen, um dagegenhalten zu können. An dem Treffen in einem Hotel in Manhattan nahmen 60 Geldgeber teil, die Obamas Wahlkampf mit jeweils 40'000 Dollar (32'000 Euro) unterstützten. In jüngsten Umfragen liegen der Amtsinhaber und sein designierter republikanischer Herausforderer Mitt Romney etwa gleichauf. (dapd)

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Eigentlich wollte der designierte Präsidentschaftskandidat der Republikaner, Mitt Romney, mit seiner Reise nach Grossbritannien, Israel und Polen aussenpolitisches Können und diplomatisches Geschick demonstrieren. Heute, am letzten Tag der Tour, muss er wohl eingestehen, dass er dieses Ziel deutlich verfehlt hat.

Alles begann am Freitag in London. Dort wollte sich Mitt Romney als Held von Olympia feiern lassen. Denn vor zehn Jahren gab er seinen Job bei dem Finanzinvestor Bain Capital auf, um die Olympischen Spiele vor dem Aus zu retten. Der Erfolg der Spiele in Salt Lake City sollte denn sein Image als Wirtschaftsexperte untermauern. Der Plan wäre wohl auch aufgegangen, hätte sich Romney nicht eine einzige unüberlegte Aussage geleistet.

Ein Stich ins Herz der Briten

Im Gespräch mit dem Fernsehsender NBC in London bezeichnete er den Stand der Sicherheitsvorkehrungen als «beunruhigend» und sagte: «Es ist schwer zu sagen, ob es gut ausgehen wird.»

Ein Stich ins Herz der stolzen Briten. Verärgerte Reaktionen folgten sogleich. Premierminister David Cameron konterte mit markigen Worten: «Wir veranstalten die Spiele in einer der belebtesten, aktivsten und geschäftigsten Städte der Welt. Natürlich ist es einfacher, die Olympischen Spiele mitten im Nirgendwo zu veranstalten.»

Die Hauptstadtfrage

Das nächste Fettnäpfchen liess nicht lange auf sich warten. Den wohl heftigsten Patzer leistete er sich in Israel. Dort löste er mit der Äusserung, Jerusalem sei die Hauptstadt Israels, Empörung unter den Palästinensern aus. Zugleich liess er erkennen, dass er die US-Botschaft nach Jerusalem verlegen würde, wäre er Präsident.

Der ranghohe palästinensische Politiker Sajeb Erakat nannte Romneys Erklärung «absolut inakzeptabel». Romneys Äusserungen seien beunruhigend und belohnten «Besatzung und Aggression». Zudem widersprächen sie der langjährigen politischen Haltung der USA, sagte Erakat.

Erfolglose Palästinenser

Einen Tag später ein weiterer Eklat: In einer Rede vor jüdischen Geldgebern in Jerusalem deutete Romney an, deren Kultur habe dazu beigetragen, dass sie wirtschaftlich erfolgreicher seien als die Palästinenser.

Erakat sprach von einer rassistischen Erklärung und sagte: «Mir kommt es vor, als ob dieser Mann keine Informationen, kein Wissen, keine Vision und kein Verständnis für diese Region und ihre Menschen hat. (...) Dieser Mann erkennt nicht, dass die palästinensische Wirtschaft nicht ihr Potenzial erreichen kann, weil es eine israelische Besatzung gibt.»

Romneys Sprecherin Andrea Saul erklärte später, dessen Aussagen seien «völlig falsch interpretiert» worden.

Kritik aus dem Weissen Haus

Das Weisse Haus kritisierte später die Äusserungen des US-Präsidentschaftskandidaten. Präsidentschaftssprecher Josh Earnest sagte, die Verärgerung der Palästinenser sei verständlich.

Der Herausforderer von Präsident Barack Obama solle sich «ausführlicher dazu äussern, was er habe sagen wollen». Wenn Romney Jerusalem als «Israels Hauptstadt» bezeichnet habe, so entspreche dies nicht der Position der US-Regierung.

Die Hauptstadtfrage müsse in Verhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern über den Endstatus Jerusalems geklärt werden. Das sei auch die Haltung früherer US-Regierungen gewesen, egal ob diese von den Demokraten oder den Republikanern gestellt worden seien, sagte der Sprecher.

Wenn Romney damit nicht einverstanden sei, sei er auch nicht mit der Position von Präsidenten wie Bill Clinton und Ronald Reagan einverstanden. Die USA erkennen Jerusalem offiziell nicht als Hauptstadt Israels an. Ebenso wie die meisten anderen Staaten haben die USA ihre Botschaft in Tel Aviv.

Gegner der Gewerkschaften

Noch am Montag machte sich Romney nach Polen auf, der letzten Station der Reise. Anfangs lief alles noch recht gut. Er traf mit dem früheren Gewerkschaftsführer und Ex-Präsidenten Lech Walesa zusammen. Walesa wünschte Romney Erfolg bei der Wahl und deutete an, dass ein Wahlsieg Romneys notwendig sei, um die Bedeutung der USA in der Welt wieder herzustellen.

Aber dann gab es Ärger. Bei der Gewerkschaft Solidarnosc, deren Vorsitzender Walesa war, kam das Treffen mit Romney gar nicht gut an. Denn der Republikaner, so heisst es in einer Erklärung von Solidarnosc, unterstütze Angriffe auf Gewerkschaften und Arbeitnehmerrechte.

Heute steht ein Treffen mit dem polnischen Aussenminister Radoslaw Sikorski auf dem Programm. Zudem ist am Abend eine Rede zum Abschluss seiner Reise geplant. Bleibt zu hoffen, dass Romney nicht noch ein Patzer unterläuft.

Angereichert mit Material der Nachrichtenagenturen DAPD und SDA. (wid)

Erstellt: 31.07.2012, 11:02 Uhr

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78 Kommentare

Edi Frei

31.07.2012, 11:20 Uhr
Melden 253 Empfehlung 0

Nein, im Gegenteil, man kann nur hoffen, dass ihm noch ein paar Patzer unterlaufen :-) Antworten


Georges Müller

31.07.2012, 11:26 Uhr
Melden 174 Empfehlung 0

Ich glaube nicht, dass diese Patzer den Wahlchancen von Mitt Romney spürbar reduzieren. Die grosse Mehrheit der Amerikaner ist aussenpolitisch geradezu dramatisch unwissend. Dass Romney da in verschiedene Fettnäpfchen getreten ist, kann man den Leuten "back home" noch nicht einmal erklären. Entschieden wird die Wahl aber genau dort, zuhause. Antworten



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