Ausland
Russland wütend wegen Nato-Manöver in Georgien
Von David Nauer, Moskau. Aktualisiert am 04.05.2009 6 Kommentare
Die Veranstaltung tönt ein bisschen technokratisch, doch sie verfügt über Sprengkraft. Die Nato will die «Interoperabilität mit den Partnerländern verbessern», wie es im Militärjargon heisst. Das Bündnis bittet deswegen zum Manöver nach Georgien. Hunderte Soldaten sollen unweit der Hauptstadt Tiflis einen Stützpunkt gegen fiktive Terroristen verteidigen. 20 Nationen sind an der Übung beteiligt, darunter die USA, Kanada, aber auch Ex-Sowjetrepubliken wie Aserbeidschan und die Ukraine.
Nato soll Verantwortung tragen
Der Kreml kocht vor Wut über den Truppenaufmarsch an der Südgrenze seines Riesenreiches. Russlands Präsident Dmitri Medwedew hat die Übungen als «offene Provokation» bezeichnet. Sämtliche Verantwortung für «allfällige negative Folgen» müsse die Nato tragen. Moskaus Sorge: Die Kriegsspiele könnten den georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili zu unüberlegten Handlungen verleiten. Bereits einmal ist aus einer Übung unverhofft ein Ernstfall geworden. Im vergangenen Frühsommer veranstalteten Amerikaner und Georgier ein Manöver. Gleichzeitig liess der Kreml Tausende Soldaten im Kaukasus aufmarschieren. Kaum waren die Planspiele zu Ende, brach der Krieg um Südossetien aus.
Moskau rasselt auch jetzt mit dem Säbel. Effektvoll und wohl terminiert unterzeichnete Medwedew vergangene Woche ein Abkommen mit Südossetien und Abchasien. Demnach überwacht künftig der russische Inlandgeheimdienst FSB die Grenzen der abtrünnigen georgischen Teilrepubliken. In Südossetien seien die russischen Grenzwächter bereits aufmarschiert, berichtete am Wochenende FSB-Kommandeur Nikolai Lisinski. Wie hoch die Truppenstärke ist, sagte er nicht.
Übung geht bis Juni
Die Nato versichert, das Manöver sei keine Gefahr für Russland. Das Bündnis lud sogar russische Militärs ein, als Beobachter teilzunehmen, was diese aber ablehnten. Die Übung startet am Mittwoch und soll bis Anfang Juni dauern.
Der neue Streit am Kaukasus trübt die Hoffnung auf ein Tauwetter zwischen Russland und dem Westen. Dabei hatte es relativ gut ausgesehen: Erst vergangene Woche tagte der Nato-Russland-Rat wieder – zum ersten Mal seit dem Georgienkrieg. Und US-Präsident Barack Obama startete eine Abrüstungsinitiative. Doch das Grundproblem zwischen Ost und West blieb bestehen: Moskau betrachtet seine Nachbarländer, vor allem im Kaukasus, als «exklusive Interessenzone». Die Nato akzeptiert diese imperialen Ansprüche nicht und versucht, ihren Einfluss in der Region auszubauen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 04.05.2009, 08:17 Uhr
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6 Kommentare
Die Beunruhigung der Russen ist absolut verständlich. Die Einkreisungsstrategie des Westens ist ja ohne Weiteres durchschaubar. Da die Nato nach Ende des kalten Krieges ihren Feind verloren hat, zeuselt sie jetzt an Russlands Grenzen herum und erhöht damit die Gefahr von bewaffneten Konflikten. Dies, obwohl bei den Russen keine Agressionsabsichten erkennbar sind. Antworten
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