Russlands neuer Lieblingsfeind heisst Angela Merkel

Man benennt in Russland mindere Zootiere nach Angela Merkel, verhöhnt ihre Flüchtlingspolitik und ihre angeblich zerkauten Fingernägel.

Russlands Medien hoffen, dass Angela Merkel die Bundestagswahlen verliert.

Russlands Medien hoffen, dass Angela Merkel die Bundestagswahlen verliert. Bild: Keystone

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Ende Januar hat Merkel ein Geissböckchen geboren. Der Vater ist Timur, ein Ziegenbock im Safari-Park Wladiwostok, berühmt für seine frühere enge Freundschaft mit einem ausgewachsenen Tiger … Das Zicklein aber, so der Fernsehsender TWZ, rempelt Besucher an und hat einen ähnlich rüpelhaften Charakter wie seine Mutter Merkel.

Man benennt in Russland mindere Zootiere nach ihr, verhöhnt ihre Flüchtlingspolitik und ihre angeblich zerkauten Fingernägel. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel ist nach dem Abgang Barack Obamas drauf und dran, in Russland die Rolle des Lieblingsbösewichts zu übernehmen.

«Merkel ist ausser Mode»

Der Missmut des politischen Moskau über Schwierigkeiten, die der Westen macht, konzentriert sich traditionell auf den US-Präsidenten. Zwar tauchte in Omsk schon 2014 Klopapier mit Merkels Konterfei auf. Aber so wurden nach der Verhängung der westlichen Sanktionen gegen Russland auch Obama und der Brite David Cameron geschmäht. Jahrelang lautete der Hauptvorwurf an Merkel, sie sei die Marionette des antirussischen US-Globalismus. Aber jetzt sitzt mit Donald Trump plötzlich ein russischer Hoffnungsträger im Weissen Haus. «Falls Trump wirklich versuchen wird, das Verhältnis zum Kreml zu verbessern, hält das westliche Establishment Angela Merkel als kriegerisches Double bereit», schreibt der Publizist Dmitri Babitsch.

Und in der staatlichen Nachrichtenschau am Sonntagabend trollt Chef­moderator Dmitri Kiseljow minutenlang Angela Merkel. «Ich finde, mit Trumps Erscheinen ist Merkel plötzlich stark gealtert. Nein, denken Sie nicht, ich wolle hier das zutiefst Weibliche berühren, ihre Falten, ihre Frisur und den unvermeidlichen Zuschnitt ihres Hosenanzugs. Ich spüre einfach, Merkel ist ausser Mode.»

Dann aber erörtert er weiter, das Auslaufmodell arbeite still und leise an der alten Hitler-deutschen Konzeption vom «Drang nach Osten» und mehr «Lebensraum». So habe Merkels Deutschland die Ukraine buchstäblich schlucken wollen.

«Die Mama der EU»

«Merkel ist ja nicht nur die Mama der EU», erklärt der Politologe Alexei Muchin der BaZ. «Sie hat sich drei Amtszeiten als konsequenter Gegner Russlands gezeigt, ihre Politik schädigt unsere wirtschaftlichen Interessen wie die Deutschlands selbst.»

Aber richtig ärgern sich die Russen über Merkel seit dem Beginn des Ukrainekrieges 2014. Zwar blieb die Deutsche danach noch jahrelang der häufigste Telefonpartner Wladimir Putins aus dem Westen. Aber im Gegensatz zu anderen europäischen und deutschen Politikern hat sie nie Anstalten gemacht, die eigenen Sanktionen gegen Russland infrage zu stellen.

«Russophobes Geschwafel»

Nun hoffen Russlands Medien offen, Merkel verliere die Bundestagswahlen. Im Internet kursieren Texte, nach denen sie lesbisch, ihr Mann aber schwul sei, die Überschrift eines populären Posts lautet: «Frau Merkel lässt alle ran.» Die Kanzlerin personifiziert gleichzeitig die Verkommenheit, Heuchelei und antirussische Bosheit des Westens. «Die Wirklichkeit widerlegt das narkotische, russophobe Geschwafel Merkels» empört sich das Militärportal Wojennoje Obosrenije.

Allerdings sind sich Beobachter in Moskau nicht sicher, wie langlebig das neue Hauptfeindbild Merkel sein wird. «Vielleicht zeigt sich ja in ein paar Monaten, dass Trump noch viel antirussischere Politik macht als Obama», sagt Muchin. Ausserdem soll auch Martin Schulz, der SPD-Kanzlerkandidat, Wladimir Putin gar nicht leiden können. (Basler Zeitung)

Erstellt: 15.02.2017, 09:29 Uhr

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